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Erklärung des
Verbandes Botanischer Gärten e.V.

zur

Bedeutung und Situation Botanischer Gärten, sowie zur Biologischen Vielfalt Höherer Pflanzen und zur Verfügbarkeit und Sicherung dieser Diversität

Durch die jahrhundertelange, erfolgreiche Arbeit Botanischer Gärten ist die Bewahrung der biologischen Vielfalt Höherer Pflanzen weltweit nachhaltig unterstützt, sowie in beispielgebender Weise das Bewußtsein über den Erhalt der globalen Biodiversität und deren Bedeutung für die Funktion von Ökosystemen gefördert worden. Damit werden Leitgedanken der "Konvention über biologische Vielfalt" nachahmenswert praktiziert weltweit dokumentiert.

Pflanzen aus Sammlungen Botanischer Gärten wurden und werden für wissenschaftliche Untersuchungen genutzt und für Unterrichtszwecke - von der akademischen Lehre bis zur weit gestreuten Information der Allgemeinheit - eingesetzt. Dies sind weiterhin unverzichtbare und in unserer Zeit nachdrücklich förderungswürdige Aufgaben Botanischer Gärten, insbesondere zum Zwecke einer kritischen Bewußtseinsbildung in der breiten Öffentlichkeit für vielfältigste und weltweite ökologische Fragestellungen.

Botanische Gärten haben über Jahrhunderte hinweg wesentliche und unverzichtbare Beiträge zur sachgemäßen Ausbildung in vielfältigen biologischen und angewandten Disziplinen geleistet. Ihre Rolle bei der Vermittlung von Wissen an Taxonomen ist auch künftig nicht ersetzbar. Die taxonomische Expertise ist auf allen Feldern der Biodiversität und Ökologie essentiell.

Aus diesen Aufgabenbereichen und Zuständigkeiten ergeben sich folgende Zielvorstellungen und Verpflichtungen:

1) Wenn Botanische Gärten ihre Pflanzen für die Forschung im Dienste der Menschheit bereitstellen, so entspricht dies einer grundsätzlichen Forderung nach Verfügbarmachung wissenschaftlichen Potentials zum Allgemeinwohle, eines der wichtigen Anliegen unserer Zeit.

2) Die Botanischen Gärten wenden sich gegen alle Bestrebungen, Taxa Höherer Pflanzen zu patentieren.

3) Zur künftigen Erfüllung ihrer Aufgaben benötigen Botanische Gärten heute weiterhin nationale und internationale Kooperation, sowie sachgerechte, gesetzliche Regelungen, welche diese Zusammenarbeit im Dienste der Menschheit optimieren. Hierbei müssen die Rechte der Ursprungsländer, inkl. der indigenen Bevölkerung, gesichert werden, aber auch weltweit der Zugang zu den Pflanzen und die Erhaltung der Arten sichergestellt werden, um weiterhin zu ermöglichen, daß neue wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden können.

4) Die dem Verband angehörigen Botanischen Gärten werden bei der Abgabe lebender Pflanzen grundsätzlich darauf hinweisen, daß etwaige kommerzielle Nutzung durch Weiterkultivierung oder Nachzucht unter dem Vorbehalt der Wahrung der angemessenen Rechte der Ursprungsländer steht.

5) Botanische Gärten werden alle ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ausschöpfen, um die Erhaltung der biologischen Vielfalt an den natürlichen Standorten zu sichern. Dies beinhaltet maßgeblich die nationale und internationale Zusammenarbeit in Belangen des Arten- und Naturschutzes.

6) Der Mangel an Artenkenntnis führt weltweit zu ernsthaften Problemen bei der sachgerechten Beurteilung der biologischen Diversität und den Maßnahmen zu ihrem Schutz. Botanische Gärten müssen daher künftig verstärkt in die Ausbildung von Pflanzentaxonomen eingebunden werden.

7) Der Verband fordert, daß ausreichende Haushaltsmittel und Personalstellen für Botanische Gärten bereit gestellt werden, um ihre Aufgaben zum Erhalt und zur Darstellung der biologischen Diversität, zur Ausbildung von Taxonomen und zur allgemeinen, weltweit relevanten ökologischen Bewußtseinsbildung erfüllen zu können.
 

Verband Botanischer Gärten e.V.
Stuttgart, 21. Februar 1997



G. Rauer, letzte Änderung 18.11.1997Logo F+E