Morphologie der Achse

3 Internodienstreckung und Wuchsform

3.1 Rosettensprosse

Bleibt die Hauptachse einer Pflanze gestaucht, bilden die Blätter eine meist basale Rosette aus. Die Rosettenpflanzen unterscheiden sich in ihre Lebensweise. 

Die Halbrosettenpflanzen sind meist zweijährige Pflanzen. Sie bilden im ersten Jahr eine vegetative Rosette wachsen und im zweiten Jahr dann unter Internodienstreckung einen gestreckten Laubspross mit einem terminalen Blütenstand. Diese Wuchs- oder Lebensweise bezeichnnet man als hapaxanth-bienn. Als Beispiele seien hier der Salat (Lactuca sativa var. sativa), die Endivie (Cichorium intybus var. crispum), der Rettich (Rhaphanus sativus var. niger), der Chicoree (Cichorium intybus var. foliosum), das Radieschen oder die Futter- und Zuckerrübe genannt.

Die Ganzrosettenpflanzen wachsen zeitlebens rosettig. Zur Blüte bildet die Hauptachse unterhalb der Terminalblüte bzw. des terminalen Blütenstandes einen unbeblätterten Schaft.

Ganzrosettenpflanzen mit begrenzter Entwicklung wie etwa die Erdbeere (Fragaria vesca) bilden ebenfalls eine(n) terminal(n) Blüte(nstand) aus. Ihre Weiterentwicklung muss also wie die der Halbrosettenpflanzen aus seitlichen Knospen der Rosettenblätter erfolgen. Die im Mittelmeergebiet angepflanzte Agave (Agava americana) ist ebenfalls eine Ganzrosettenpflanze. Sie bildet aber erst nach mehreren Jahren einen Infloreszenzschaft.

Ganzrosettenpflanzen mit unbegrenzter Entwicklung brauchen ihren Vegetationspunkt nicht zur Bildung einer Infloreszenz auf, sondern wachsen an der Spitze mehrere Jahre vegetativ. Die wie etwa bei Löwenzahn (Taraxacum officinale) oder Wegerich (Plantago sp.) in Mehrzahl gebildeten Infloreszenzen werden also seitlich in der Laubblattachseln gebildet.

Lactuca sativa var. sativa (Salat, Asteraceae) Halbrosettenpflanze

Agava americana blühende Halbrosettenpflanze

Taraxacum officinale; Ganzrosettenpflanze mit unbegrenzter Entwicklung

Plantago lanceolata; Ganzrosettenpflanze mit unbegrenzter Entwicklung

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Botanik - Morphologie, Anatomie und Systematik der Pflanzen

© J.R. Hoppe 1999 - 2006