Botanische Bestimmungsübungen

...eine Einführung in die Familien!





Violaceae (Veilchengewächse)

zygomorph (Viola) oder radiär K 5 C 5 A (5) G oberständig (3)

ca. 900 Arten, davon alleine Viola 450 und Alsodeia 340 Species, 22 Gattungen, Verbreitung kosmopolitisch mit Schwerpunkt in den Gemäßigten Zonen

Die meisten Gattungen innerhalb der Familie Violaceae beinhalten tropisch-subtropische Bäume und Sträucher, wobei auf das Genus Alsodeia alleine ca. 340 Arten entfallen. Die Gattung Viola besteht hingegen ausschließlich aus i.d.R. perennierenden Kräutern und stellt mit etwa 450 Species die größte Gattung dieser Familie dar. Typisch sind einfache, wechselständige, mit Stipeln versehene Blätter, die bei Veilchen für die Artzuordnung durch ihre unterschiedliche Form wichtige Hinweise liefern. Lediglich Hybanthus (ca. 150 tropisch-subtropische Kräuter) und Ionidium sind teilweise durch gegenständige Blätter gekennzeichnet.

Die meist zwittrigen Blüten sind radiär, bei Viola jedoch zygomorph gestaltet, für die auch die folgenden Ausführungen gelten.Die fünf freien Kelchblätter sind mit charakteristischen, für die Bestimmung relevanten Anhängseln versehen. Die fünf ebenfalls freien Kronblätter sind unterschiedlich groß und von typischer Gestalt. Das untere (mediane) Blütenblatt bildet eine nach hinten, auf- oder abwärts gerichtete Aussackung, einen sogenannten Sporn, dessen Größe und Form für die Bestimmung ebenfalls wichtige Kriterien liefert. Die fünf Staubblätter sind am Grunde zu einem Ring verwachsen. Die beiden Stamina, die dem sporntragenden Kronblatt am nächsten stehen, entsenden in diese Ausstülpung je einen nektarabsondernden Antherenfortsatz. Der oberständige (Blüte hypogyn!), coenoparakarpe Fruchtknoten wird aus drei Karpellen gebildet. Die Plazentation im gemeinsamen Loculament ist parietal (wandständig). Es wird nur ein Griffel ausgebildet. Die Frucht ist eine Kapsel, die sich meist explosionsartig öffnet und endospermreiche Samen freigibt.

Charakteristisch für viele Viola-Arten ist die Kleistogamie. Hierbei handelt es sich um eine Form der Selbstbestäubung, bei der im Gegensatz zur Autogamie, sich die Blüten erst gar nicht öffnen, sondern geschlossen bleiben. Die Bestäubung vollzieht sich somit bei in Knospenlage liegenden Kronblättern.Neben solchen Blüten, die kleistogam sind, kommen oft an der selben Pflanze solche vor, die sich öffnen und fremdbestäubt werden. Diese Blüten bezeichnet man als chasmogam.

Innerhalb der Violaceae haben sich einige Nutzpflanzen herausgebildet. Vor allem ist hier Viola x wittrockiana, das Stiefmütterchen, als weit verbreitete Zierpflanze zu nennen. Daneben findet das wohlriechende Prinzip von Viola odorata zur Herstellung ätherischer Ole oder zur Parfumierung eines Likörs Verwendung. In der Medizin werden Auszüge einiger Arten (Hybanthus ipecacuanha, Anchieta salutaris oder Corynostylis hybanthus) als Brechmittel verwendet. Außerdem besitzen einige Arten lokale Bedeutung; so werden etwa die Blätter von Viola verucunda als Gemüse gegessen.



© 1997 Bernhard Schmidt, Abteilung Systematische Botanik und Ökologie, Universität Ulm

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