Botanische Bestimmungsübungen
...eine Einführung in die Familien!
Rubiaceae (Rötegewächse)
K (4) [C (4) A 4] G unterständig (2)
ca. 10.000 Species, 500 Gattungen, Verbreitung kosmopolitisch 
Die sehr artenreiche Familie der Rubiaceae besitzt ihre größte Verbreitung in den Tropen. Die meisten Vertreter sind Bäume oder Sträucher, wenngleich in unserer Flora nur krautige Arten vorkommen. Die Blätter sind einfach, gegenständig, meist ganzrandig und mit Stipeln ausgestattet. Die Nebenblätter sind häufig laubblattartig gestaltet, paarweise verwachsen und täuschen, insbesondere bei unseren mitteleuropäischen Species, im Verbund mit den anderen Blättern Blattwirtel vor. An axillären Verzweigungen lassen sich jedoch die «echten» Blätter von den Stipeln unterscheiden. Die in cymösen oder rispigen, häufig gedrängten Infloreszenzen angeordneten Blüten sind zwittrig und radiär-symmetrisch, wenngleich ein Kelchzipfel vergrößert sein kann. In unserer Flora sind Kelch- und Blütenblätter meist in Vierzahl vorhanden und jeweils verwachsen. Die 4 Stamina sind an der Kronröhrenbasis mit dieser verwachsen, das Gynoeceum ist unterständig und aus zwei verwachsenen Karpellen mit zentralwinkelständiger Placentation zusammengesetzt. Als Früchte werden Kapseln (Cinchona [Chinarindenbaum]), Steinfrüchte (Coffea) oder Spaltfrüchte (Galium) gebildet.
Innerhalb dieser Familie haben sich einige Nutzpflanzen herausgebildet. Der
Chinarinden-baum (Cinchona calisaya, C. ledgeriana, C. pubescens) liefert heute
noch als Bittermittel gebräuchliche Triterpenglycoside (z.B. Chinovin) und Chinin, das
ältesteste Therapeutikum gegen Malaria. Chinin wird auch als Eichsubstanz bei der
Bitterwertbestimmung ein-gesetzt. Chinidin, ein Stereoisomer des Chinins, wird als
Antiarrhythmikum bei Herz-rhythmusstörungen angewandt.
Coffea arabica, der Kaffee-Strauch, liefert die als Kaffee-Kirschen
bezeichneten Steinfrüchte mit zwei Kernen, die, von der Silberhaut (Testa) befreit, als
Kaffee-Bohnen bekannt sind. Ihr Aroma erhalten sie erst nach dem Rösten. Die anregende
Eigenschaft besitzt der Kaffee durch verschiedene Methylxanthine (Coffein, Theobromin,
Theophyllin). Das vom Waldmeister (Galium odoratum) her bekannte Aroma hat seine
Ursache in ihrem Cumarin-Gehalt. Cumarin entsteht beim Trocknen der Pflanzen aus
geruchlosen, glycosidischen Vorstufen. In höheren Dosen ist Cumarin toxisch..

© 1997 Bernhard Schmidt,
Abteilung Systematische Botanik und Ökologie, Universität Ulm
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