Botanische Bestimmungsübungen
...eine Einführung in die Familien!
Primulaceae (Primelgewächse)
K(5) [C(5) A 5] G oberständig
(5)
ca. 800 Species, 28 Gattungen, Verbreitung v. a.
gemäßigte Holarktis, sowie einige Vertreter in S-Amerika,
O-Afrika, SO-Asien und O-Australien

Die Primulaceae sind einjährige Kräuter oder Stauden, die vielfach mit unterirdischen Organen wie Rhizomen (Primula) oder Knollen (Cyclamen) überdauern. Die Blätter sind einfach (bei Hottonia palustris, der Wasserfeder, fiederschnittig) und wechsel- oder gegenständig. Besitzen z. B. Lysimachia oder Anagallis noch beblätterte Stengel, so sind die Blätter bei den meisten Familienangehörigen (Primula, Androsace, Cyclamen, ...) zu grundständigen Rosetten zusammengefaßt. Die Blüten stehen in Trauben, Rispen oder Dolden. Der fünfzählige Kelch ist, wie die aus fünf Blütenblättern zusammengesetzte Blütenkrone, verwachsen (Ausnahme Claux maritima [Milchkraut]: keine Krone und die acidophile Art Trientalis europaea mit siebenzähliger Blüte). Von den ehemals zwei Staubblattkreisen ist der äußere ausgefallen und nur noch rudimentär nachweisbar, so daß der einzig vorhandene vor den Kronblättern steht (haplostemone Blüte, beide Staubblattkreise vorhanden: diplostemon) und mit diesen verwachsen ist.
Bemerkenswert ist die bei der
Gattung Primula vorkommende dimere Heterostylie. Hierbei
kommen die Blüten in zwei Formen vor. Die eine besitzt lange
Griffel, die aus der Kronröhre hervortreten und Staubblätter,
die auf halbem Weg der Blütenröhre inserieren. Die andere
Ausprägung zeichnet sich durch kurze Griffel aus; die Stamina
setzen an der Mündung der Röhre an. Durch diese zwei Formen
wird Selbstbestäubung vermieden.
Der Fruchtknoten ist oberständig (Samolus [Salbunge] halbunterständig) und besteht aus fünf verwachsenen Fruchtblättern. Durch Auflösung der Septen der ehemals zentralwinkelständigen Placentation ist hier eine freie Zentralplacenta entstanden. Die Früchte sind Kapseln, die entweder fünfklappig aufspringen (Mehrzahl aller Arten) oder sich mit einem Deckel öffnen (Anagallis).
Verbreitet und terapeutisch als Expectorans genutzt sind die
Triterpensaponine (Glycoside mit Triterpenoid-Aglyka), die vor
allem in Primula veris und P. elatior
vorkommen. In Cyclamen (Alpenveilchen) sind giftige
Saponine enthalten.
© 1997 Bernhard Schmidt,
Abteilung Systematische Botanik und Ökologie, Universität Ulm
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