Botanische Bestimmungsübungen

...eine Einführung in die Familien!





Polygonaceae (Knöterichgewächse)

P 3+3 oder P 5 A 6-9 G oberständig (3)

800 bis 1000 Species, 30 bis 40 Gattungen, Verbreitung vorwiegend nördlich- gemäßigt

Die ziemlich isoliert stehende Ordnung der Polygonales enthält als einzige Familie die Polygonaceae. Sie ist daher monotypisch. Lediglich zu den ebenfalls monotypischen Plumbaginales bestehen verwandtschaftliche Beziehungen. Die Knöterichgewächse bestehen überwiegend aus Kräutern, neben einigen Sträuchern und Bäumen (Triplaris). Die wechselständigen Blätter sind für gewöhnlich einfach und mit einer familientypischen, wenn auch nicht durchgehend vorhandenen, Orchea (Tute) versehen. Hierbei handelt es sich um ein Verwachsungsprodukt der Nebenblätter, welches den Vegetationspunkt umschließt und während des Wachstums durchbrochen wird. Als häutige Scheide bleibt sie dann oberhalb des Blattansatzes an der Pflanze.

Das Perianth ist aus zwei Kreisen gleichgestalteter (Perigon-)Blätter zusammengesetzt. Einige Arten besitzen auch einen fünfzähligen Kronblattkreis, der durch die Verwachsung eines äußeren und eines inneren Mitgliedes des Perigons entstanden ist. Die Perigonblätter des inneren Kreises sind oft geflügelt oder tragen Zähnchen; die so gestalteten Organe persistieren dann häufig an der reifen Frucht und verleihen ihr ein geflügeltes Aussehen (Rumex).

Das Androeceum besteht aus 6 bis 9 Stamina in 2 bis 3 Kreisen. Selten stehen die 6 Staubblätter in nur einem Kreis oder die Anzahl beträgt ein vielfaches des oben genannten Wertes. Das coeno-parakarpe Gynoeceum setzt sich meist aus 3 Karpellen zusammen, ist oberständig und bildet nur eine, zentral gelegene und atrope Samenanlage aus. An der Zahl der Griffel läßt sich die ursprüngliche Anzahl der Karpelle jedoch noch erkennen. Die Frucht ist eine Nuß. Als Nährgewebe wird reichlich stärke-haltiges Endosperm ausgebildet. Auf nährstoffarmen Böden wurde daher früher viel Buchweizen (Name!, Fagopyrum esculentum), angebaut. Als Obst und zu offizinellen Zwecken wird Gemüse- und Medizinal- Rhabarber (Rheum rhabarbarum, R. officinale) kultiviert.

Chemisch sind die Polygonaceae vor allem durch 4 Gruppen chemischer Stoffe gekennzeichnet:

Claciumoxalat neben löslicher Oxalsäure (bindet Ca2+-Ionen im Darm)

Anthraglycoside (Vorkommen in anderen Familien [systematischer Wert eingeschränkt] und in diversen Seelilien und Schildläusen, Ursache der laxierenden Wirkung des Medizinalrhabarbers)

Stilbene (systematisches Interesse)

Polyphenole (Flavonoide und Gerbstoffe; Rutin aus Fagopyrum esculentum ist Bestandteil kapillarabdichtender Venenmittel mit zweifelhaftem terapeutischen Wert)

Die Rübe von Rheum officinale besitzt im Mark, was innerhalb der Dikotyledonen eher die Ausnahme ist, leptozentrische Leitbündel (=konzentrische LB mit Innenphloem).



© 1997 Bernhard Schmidt, Abteilung Systematische Botanik und Ökologie, Universität Ulm

zurück zum Inhaltsverzeichnis