Botanische Bestimmungsübungen

...eine Einführung in die Familien!





Papaveraceae (Mohngewächse)

K 2 C2+2 A viele G oberständig (20 - 2)

260 Species, 26 Gattungen, Verbreitung v.a. nördl.-gemäßigte Zone, wenige auch im tropischen Amerika und Australien, sowie in Südafrika



Die Familie der Papaveraceae ist eine abgeleitete Familie, innerhalb derer nur wenige ursprüngliche Merkmale erhalten blieben. Meist sind es einjährige oder ausdauernde Kräuter, selten Sträucher. Die exstipulaten Blätter sind wechselständig, ganzrandig oder häufig gelappt bis fiederschnittig. Die Blüten sind einzeln oder in Blütenständen angeordnet. Die zwei freien Kelchblätter sind hinfällig und fallen während der Anthese ab. Eine Ausnahme hiervon bildet die Gattung Eschscholzia (E. californica, Kappenmohn, in Mitteleuropa zum Teil eingebürgert), bei der die beiden Sepalen durch Epidermisausstülpungen fest verzahnt sind und so den Eindruck eines verwachsenen Kelches erwecken. Bei der Blütenentfaltung löst sich der Kelch an seiner Basis ab, bleibt aber wie eine Mütze so lange auf den noch gefalteten Petalen, bis der Entfaltungsdruck zu groß wird und die Haube bei fortschreitender Entwicklung der Kronblätter abfällt. Dies hat der Pflanze im Volksmund den Namen «Schlafmützchen» eingebracht. Die Blütenblätter sind in zwei Kreisen zu je 2 Petalen angeordnet und in der Knospenlage stark gefaltet. Das Androeceum ist vielzählig und besteht aus mehreren Kreisen. Der oberständige Fruchtknoten (Blüte hypogyn!) besteht aus vielen Karpellen und ist coeno-paracarp. Durch weit in das Loculament hervorspringende parietale Placenten kann der Eindruck einer Fächerung entstehen. Die Frucht ist eine porizide (Papaver) oder septizide Kapsel, bei Claucium (Hornmohn) eine Schote. Die endospermreichen Samen sind oft sehr ölhaltig.

Typisch für die Familie ist das Vorkommen von gegliederten Milchröhren. Die aus Einzelzellen entstehenden Röhren besitzen zwischen den ursprünglichen Zellen entweder von Poren durchbrochene Querwände oder die Wände sind gänzlich aufgelöst (vgl. Tracheen!). Ungeliederte Milchröhren, die sich oft verzweigen, bestehen immer aus nicht verschmolzenen, z. T. aber langen Milchschläuchen (Euphorbiaceae, u. a.).

Der Milchsaft ist eine Emulsion und besteht aus einem wäßrigen Serum (Grundsubstanz) in dem hydrophobe Substanzen, vor allem Polyterpene (Kautschuk), enthalten sind. Daneben können je nach Art weitere Ingredienzien vorhanden sein. Im Falle der Papaveraceen ist dies besonders Morphin, das in Papaver somniferum ssp. somniferum (somniferum = einschläfernd) in beträchtlichen Mengen vorkommt. Der Schlafmohn stammt wahrscheinlich von diploiden Formen des mediteranen P. s. ssp. setigerum ab, die bereits seit dem Neolithicum als ölliefernde Pflanze bekannt ist. Sie ist jedoch morphinfrei. Die schmerzstillende Eigenschaft des Schlafmohns wurde im 7. Jahrhundert v. Chr. von ägyptischen Ärzten entdeckt. Morphin ist das Hauptalkaloid des Opiums (= eingetrockneter Milchsaft unreifer Schlafmohnkapseln). Daneben kommen im Opium weitere Benzyl-Isochinolin-Alkaloide vor. Der Gesamtalkaloid-Gehalt des Rohopiums beträgt 20 bis 30 %, der Morphingehalt des Handelsopiums 12 %.



© 1997 Bernhard Schmidt, Abteilung Systematische Botanik und Ökologie, Universität Ulm

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