Botanische Bestimmungsübungen

...eine Einführung in die Familien!





Onagraceae (Nachtkerzengewächse)

K (4) C 4 A 4 + 4 G unterständig (4)

650 Species, 21 Gattungen, Verbreitung kosmopolitisch, Schwerpunkt SW-Nord- Amerika

Die Onagraceae setzen sich meist aus Kräutern oder Sträuchern zusammen. Fallen unsere heimischen Arten in die erste Kategorie (Oenothera [Nachtkerze], Epilobium [Weiden-röschen], Circaea [Hexenkraut], Ludvigia [Heusenkraut]) sind in Mittel- und Südamerika durch die Gattung Fuchsia auch Sträucher vertreten. Die Blätter sind meist einfach und exstipulat, wechsel- oder gegenständig. Die Blüten können einzeln stehen oder zu traubigen Blütenständen zusammengefaßt sein. Die Blüten selbst sind meist zwittrig, bei Fuchsia kommen auch diözische Arten (mit eingeschlechtig verteilten Blüten) vor, und, neben einigen zygomorphen, radiärsymmetrisch. Sie sind meist vierzählig mit verwachsenem Kelch, freier Krone, zwei Staubblattkreisen zu je 4 Stamina und einem unterständigen, coeno-synkarpen Fruchtknoten, der 4 Loculamente mit zahlreichen anatropen (gewendeten) Samenanlagen in zentralwinkelständiger Placentation enthält. Der ungeteilte Griffel besitzt entsprechend der Karpellzahl 4 Narbenlappen. Als Früchte werden in der Regel loculizide (fachspatige) Kapseln ausgebildet. Daneben kommen auch Nüsse (Gaura [Prachtkerze], Nordamerika) oder Beeren (Fuchsia) vor. In den Samen wird nur wenig oder kein Endosperm gebildet. Als Besonderheit besitzen die Onagraceen ein sogenanntes Hypanthium. Hierunter versteht man eine aus dem Kelch gebildete Röhre, die die Blütenorgane über den unterständigen Fruchtknoten hinaus verlängert. Die Blüte scheint zwischen dem Fruchtknoten und den übrigen Teilen einen Stiel zu besitzen. Der nektarsezernierende Diskus sitzt an der Basis des Hypanthiums, die Staubblätter sind der Kelchröhre angelagert, jedoch frei. Der Griffel steht frei in der Mitte dieser Röhre und mündet zwischen den Blütenblättern.

Unsere heimischen Arten sind meist entomophil (Nachtfalter!), die Gattung Fuchsia wird in der Regel von Vögeln (Kolibris) bestäubt.

Aus Oenothera biennis wird das sogenannte «Primrose oil» gewonnen, das reich an ungesättigten Fettsäuren (-Linolensäure) ist. Innerhalb des Genus Fuchsia hat sich ein hoher Gehalt an Flavonol-Monoglykosiden herausgebildet (von Flavan [aus zwei aromatischen und einem Sauerstoffheterozycel-Sechsring gebildetes Molekül] abgeleitetes Glycosid).



© 1997 Bernhard Schmidt, Abteilung Systematische Botanik und Ökologie, Universität Ulm

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