Botanische Bestimmungsübungen

...eine Einführung in die Familien!





Magnoliaceae (Magnoliengewächse)

P viele A viele G oberständig, viele

2 Gattungen, 220 Arten, Verbreitung v.a. SO Asien, daneben Südl. N-Am., S- + M-Am

Die Magnoliaceae stellen unter den Dikotyledonen eine basisnahe Familie dar. Innerhalb dieser Familien treffen wir auf viele Merkmalsausprägungen, die wir im Vergleich mit anderen Familien als weniger abgeleitet bezeichnen können. Hier ist zunächst einmal das ausschließliche Vorkommen von Holzpflanzen zu nennen, Kräuter fehlen völlig. Wenn man annimmt, daß sich die Angiospermen aus holzigen Vorfahren entwickelten, recht-fertigt dies die Annahme, daß die Wuchsform Baum als weniger abgeleitet betrachtet werden kann. Daneben sind es vor allem die Blüten, die uns weitere Hinweise für die Stellung der Magnoliaceae im System liefern. Die Blüte ist als Sproß begrenzten Wachstums und als Träger der Makro- und Mikrosporophylle definiert. Bei den Magnoliaceae überwiegt nun eine spiralige (schraubige) Anordnung der Blütenblätter, der Staub- und Fruchtblätter, weiter ist die Zahl der Organe nicht definiert und ihre Anzahl pro Blüte ist hoch. Diese Form der Blüte bezeichnen wir als ursprünglich (weniger abgeleitet). Die evolutive Tendenz weist in Richtung Verringerung der Blütenorganzahl und quirlige Blattstellung. Außerdem besteht das Gynoeceum aus freien (chorikarpen) Fruchtblättern, die jedoch vielfach postgenital verwachsen. Im Gegensatz zu verwachsenen gelten freie Fruchtblätter als ursprünglich. Vielfach werden die Samen der Gattung Magnolia von Vögeln verbreitet, was ihre auffällige Rotfärbung (Sarcotesta) erklärt. Zur besseren Erreichbarkeit für die Vögel hängen sie an langen, von Leitbündeln gebildeten Fäden aus den einzelnen Hülsen ( Einkarpellfrucht, die sich an Bauch- und Rückennaht öffnet) heraus. Bei anderen Vertretern dieser Familie werden Bälge (Einkarpellfrucht, die sich nur an der Bauchnaht öffnet) als Früchte ausgebildet.



© 1997 Bernhard Schmidt, Abteilung Systematische Botanik und Ökologie, Universität Ulm

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