Botanische Bestimmungsübungen

...eine Einführung in die Familien!





Juncaceae (Binsengewächse)

P 3 + 3 A 3 + 3 G oberständig (3)

400 Species, 9 Gattungen, Verbreitung kosmopolitisch, in den inneren Tropen vereinzelt

Die Juncaceae werden im Deutschen oft mit den Cyperaceen zu den Sauergräsern zusammengefaßt. Im Gegensatz zu den Süßgräsern stellt diese Gruppe hiermit keine systematische Gruppe dar, sondern ist nur aufgrund äußerer Ähnlichkeiten und der gemeinsamen Vorliebe saurer Standorte vom Volksmund so bezeichnet.

Die Juncaceen sind meist Stauden mit ausdauernden Rhizomen oder einjährige Kräuter. Vertreter der Gattung Prionium bilden auch Schopfbäume mit verholzten Stämmen aus. Als sichtbarer Vegetationskörper treten meist runde Stengel auf, die an der Basis beblättert sind. Dabei wird eine Blattscheide ausgebildet, die je nach Art die Spreite oft erst am Stengelende freigibt oder gar auf die Scheide reduziert bleibt. Wohl entwickelte Spreiten und damit grasähnlichen Habitus besitzen vor allem die Hainsimsen (Luzula), während die Binsen (Juncus) vor allem den Scheidentyp repräsentieren, womit wir auch schon die beiden mitteleuropäischen Gattungen genannt hätten. Die Gattung Luzula zeichnet sich außerdem durch meist langbewimperte Blattränder aus.

Die Blüten sind vor allem bei Juncus in köpfchenähnlichen Blütenständen angeordnet, wohingegen Luzula überwiegend lockere rispenähnliche Infloreszenzen besitzt. Natürlich kommen alle Übergänge vor. Grundlage aller genannter Blütenstände sind aber cymöse Teilblütenstände. Da bei Monokotyledonen die beiden Vorblätter häufig zu einem sogenannten adossierten Vorblatt verwachsen sind, und dieses sich nicht rechts und links abwechselt, sondern zwischen Abstammungsachse und Seitenzweig ist, resultieren daraus Blütenstände, die sich nur zweidimensional ausrichten. Typisch für Juncus ist so die Sichel, bei der die Verzweigung immer gegenüber des Vorblattes erfolgt.

Wie die Blütenformel zeigt, ist in dieser Familie das Liliaceen-Blütenschema mit seiner Dreizähligkeit ausgebildet. Perigon, Androeceum und Gynoeceum kommen in zwei bzw. einem dreizähligen Wirtel vor. Der oberständige Fruchtknoten entwickelt sich meist zu einer fachspaltigen (loculiziden) Kapsel, die viele stärkereiche Samen enthält.

Diese Familie ist relativ arm an sekundären Pflanzenstoffen, zu nennen sind v. a. phenolische Substanzen.

Auch die Verwendung als Nutzpflanzen ist eher spärlich. Früher wurden verschiedene Luzula-Arten als Füllmaterial für Matrazen oder Sitzpolster verwendet («Seegras»).



© 1997 Bernhard Schmidt, Abteilung Systematische Botanik und Ökologie, Universität Ulm

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