Botanische Bestimmungsübungen
...eine Einführung in die Familien!
Geraniaceae (Storchschnabelgewächse)
zygomorph oder radiär K 5 C 5 A 5 + 5 G oberständig
(5)
ca. 800 Species, 11 Gattungen, Verbreitung gemäßigt
und subtropisch

Die kleine Familie der Geraniaceae ist beinahe
ausschließlich krautig, wenngleich wenige Sträucher vorkommen.
Die gegen- oder wechselständigen, einfachen oder
zusammen-gesetzten Blätter sind häufig, ebenso wie die Stengel,
von Drüsenhaaren bedeckt. Sie ent-halten ein auch bei der
Parfümherstellung verwendetes ätherisches Öl, das Geraniol und
Citronellol als monoterpene Hauptbestandteile enthält.
Nebenblätter sind oft vorhanden. Die zwittrigen, häufig
proterandrischen Blüten sind einzeln oder in cymösen
Inflores-zenzen angeordnet. Die pentacyclischen (fünfzähligen)
Blüten besitzen in der Regel fünf freie Kelch- und
Kronblätter. Bei der Gattung Pelargonium (Geranien)
bildet das mediane Kelchblatt einen Sporn aus, der aber auf
seiner ganzen Länge mit dem Blütenstiel ver-wachsen ist. So
entsteht eine zygomorphe Blüte, die äußerlich nicht als solche
zu erkennen ist. Die Staubblätter sind in zwei Kreisen
vorhanden. Der äußere ist obdiplostemon, d. h. er steht vor den
Blütenblättern und nicht auf Lücke zu diesen, wie es nach der
Alternanzregel normalerweise zu erwarten wäre. Manchmal ist ein
Stamina-Kreis zu Staminodien reduziert. Die Staubblattbasen sind
häufig verdickt, z. T. verwachsen und tragen Nektarien. Der
ebenfalls fünfzählige, oberständige Fruchtknoten ist
coeno-synkarp und trägt je Loculament (Fruchtfach) zwei
Samenanlagen an zentralwinkelständigen Placenten, von denen sich
jedoch nur eine Samenanlage entwickelt. Als Früchte werden
charakteristische Kapseln ausgebildet. Hierbei bleiben bei der
Fruchtreife die zentralen Placenten als Säule erhalten, während
sich die Fruchtwandaußenseiten mit dem Samen ablösen, um an der
Säulenspitze befestigt zu bleiben oder sich auch dort
abzulösen. Bei der Gattung Geranium (Storchenschnabel)
geschieht das Abspreizen der unter hygroskopischer Spannung
stehender Loculamentwände explosionsartig, der Same wird
abgeschleudert. Bei Erodium (Reiherschnabel) löst sich
der Same samt «Wand-Stiel» ab. Durch hygroskopische,
korkenzieherartige Bewegungen des Stieles, wird der Same in die
Erde gebohrt. Wird er zufällig z. B. auf ein weidendes Schaf
katapultiert, so bohrt er sich auch in dessen Haut ein. Heimisch
sind die beiden Gattungen Geranium und Erodium,
die sich durch handförmig eingeschnittene bzw. gefiederte
Blätter unterscheiden.

© 1997 Bernhard Schmidt,
Abteilung Systematische Botanik und Ökologie, Universität Ulm
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