Botanische Bestimmungsübungen

...eine Einführung in die Familien!





Fumariaceae (Erdrauchgewächse)

K 2 C 2+2 A 3+3 G oberständig (2)

ca. 450 Species, 16 Gattungen, Verbreitung gemäßigte Zone, Mediterraneis, SW- Asien, sowie N, O- und S-Afrika

Die Fumariaceae wurden früher als Unterfamile zu den Papaveraceae gestellt. Sie sind zwar durch die gleichen Lebensformen gekennzeichnet und besitzen ebenfalls zwei hinfällige Kelchblätter, durch das Fehlen des Milchsaftes, dem Auftreten von gespornten Blüten und der fixierten Organzahl innerhalb von Gynoeceum und Androeceum sind sie aber deutlich als eigene Familie charakterisiert und von den Papaveraceae abzutrennen. Von den in zwei Kreisen angeordneten Blütenblättern besitzt meist eines eine Aussackung, die als Sporn bezeichnet wird (Corydalis, Fumaria). Bei Corydalis tritt während der Anthese eine Resupination um 90° auf, so daß das gespornte Blütenblatt oben (adaxial) zu liegen kommt. Die ausgesackten Kronblätter führen Nektarien. Bei Dicentra, dem Tränenden Herz, sind die beiden äußeren Blütenblätter mit je einem Sporn versehen. Die inneren beiden Blütenblätter sind in einen oberen (proximalen) und einen unteren (distalen) Teil zweigeteilt. Verbunden sind beide Portionen durch ein Gelenk, welches heranfliegenden Bestäubern ein Aufdrücken der unteren Teile ermöglicht, die die Staubblätter und die Narbe kapuzenartig einhüllen.

Die Glieder der beiden dreizähligen Staubblattkreise sind oft in zwei Gruppen miteinander verwachsen. Der oberständige, coeno-paracarpe Fruchtknoten ist aus zwei Karpellen zusammengesetzt.

Heimisch sind die bereits erwähnten Gattungen Fumaria (Erdrauch) und Corydalis (Lerchensporn). Der Lerchernsporn bildet an seinen Samen sogenannte Elaiosomen aus, die kleine Nahrungskörper für Ameisen darstellen und der Samenausbreitung dienen. Die Gattung Dicentra findet sich oft als Zierpflanze und ist neben den Brassicaceen ein Beispiel nicht all zu häufig anzutreffender disymmetrischer Blüten.



© 1997 Bernhard Schmidt, Abteilung Systematische Botanik und Ökologie, Universität Ulm

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