Botanische Bestimmungsübungen

...eine Einführung in die Familien!





Caryophyllaceae (Nelkengewächse)

s.u.

ca. 2000 Species, 80 Gattungen, Verbreitung kosmopolitisch mit Schwerpunkt in den gemäßigten Breiten

Die Caryophyllaceae sind fast stets einjährige oder ausdauernde Kräuter. Nur selten werden verholzte Stämme gebildet. Die Blätter sind immer einfach, ganzrandig und schmal (lanzettlich) und in der Regel kreuzgegenständig (dekussiert); dabei sind die Stengelknoten oft verdickt, der Blattgrund häufig stengelumfassend. Die Blüten sind in Thyrsen angeordnet. Oft resultieren hieraus Dichasien, bei denen jedem der zwei Vorblätter einer Blüte wieder ein Seitenzweig entspringt, die wieder zwei Vorblätter tragen und so fort. Durch vielfache Reduktionen können traubige oder monoflorale Blütenstände entstehen.

Die ursprüngliche Blütenformel, bei der alle Blütenteile in fünfzahl vorkommen, das Androeceum in zwei Kreisen, gilt nur noch für einigeVertreter der Unterfamilie Alsinoideae. Bei den übrigen Mitgliedern der Familie treten vielfache Reduktionen im Blütenbereich auf. Nach dem Vorkommen von Stipeln und nach dem Verwachsungsgrad der Kelchblätter werden folgende Unterfamilien unterschieden:

Alsinoideae

keine Nebenblätter, Kelch frei (oder nur an der Basis verwachsen), Blütenblätter i.d.R. wohlentwickelt.

K 5 C 5 A 5+5 G oberständig (5)

(Arenaria, Cerastium. Scleranthus C 0!, Stellaria media A 5 bis 3 G oberständig (3)!)



Paronychioideae

Nebenblätter vorhanden, Kelch frei, Blütenblätter oft sehr klein oder fehlend (Paronychia, Spergula).

z.B. Herniaria: ... A 5+0 G oberständig (2)



Silenoideae

keine Nebenblätter, Kelch zu Röhre verwachsen. (Silene: ... G oberständig (3), Dianthus: ... G oberständig (2)

Häufig sind die Kronblätter in Nagel und Platte geteilt. Die Platte trägt oft noch eine Ligula. Man spricht von genagelten Kronblättern.

An verschiedenen Stellen tritt Diözie auf (Silene dioica, S. alba). Die Gynoeceen besitzen eine Zentralplacenta (Centrospermae!), bei Silene und Lychnis ist der Fruchtknoten jedoch in Loculamente aufgeteilt. Die Früchte sind meist Kapseln, die sich septizid (wandspaltig) oder loculizid (fachspaltig) öffnen. Bei Gattungen mit nur einer Samenanlage sind die Früchte Nüsse (Scleranthus, Herniaria). Bei Silene und Lychnis tritt ein sogenannter Anthophor auf, der zwischen Kelchblättern und den übrigen Blütenorganen in Form eines kurzen Stieles ausgebildet ist, und beide Teile trennt.

Charakteristisch für die Ordnung der Caryophyllales, zu der auch diese Familie gehört, ist das Vorkommen von Betalainen (Betacyane und Betaxanthine) als Blütenfarbstoffe an Stelle der sonst verbreiteten Anthocyane. Paradoxerweise kommen aber bei den Caryophyllaceae (und den Molluginiaceae) Anthocyane und keine Betalaine vor. Betalaine sind N-haltige Indolderivate, die sich biogenetisch von Dihydroxyphenylalanin herleiten und als Glycoside in der Vakuole gespeichert werden.

Zum Schluß sei noch eine besondere Verhaltensweise des Brandpilzes Ustlilago violaceae (Ustilaginales), dem Erreger des Antherenbrandes verschiedener Nelkengewächse, geschildert. Die Rote Lichtnelke, Silene dioica, wird als Keimling von dem Pilz infiziert. An den Samen haftende Brandsporen keimen mit diesen aus. Nach verschiedenen, typischen Kernverschmelzungen und Teilungen entsteht ein dikaryotisches Mycel, welches in das Keimlingsgewebe einzudringen vermag und die wachsende Pflanze durchwuchert. Dies geschieht ohne äußere Symptome. Gelangt die Pflanze zur Blüte wird in den Blüten das Antherengewebe aufgelöst, in den Blüten werden die normalerweise rudimentären Antherenanlagen zum Wachstum angeregt, die Blüten erscheinen zwittrig. In beiden Fällen entstehen in den staubbeutelähnlichen Gebilden jedoch keine Pollenkörner, sondern Brandsporen und der Kreis hat sich geschlossen.



© 1997 Bernhard Schmidt, Abteilung Systematische Botanik und Ökologie, Universität Ulm

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