Botanische Bestimmungsübungen
...eine Einführung in die Familien!
Brassicaceae (Kreuzblütler)
K 2+2 C 4 A 2:2° + 4 G oberständig
(4) [oder G oberständig
(2) siehe unten]
ca. 3000 Species, 380 Gattungen, Verbreitung
kosmopolitisch (Schwerpunkt nördlich-gemäßigte Zone)

Die Brassicaceae sind meist einjährige oder
ausdauernde Kräuter. Nur wenige Arten bilden kleine oder
größere Sträucher (Alyssum spinosum [Steinkraut], Heliophila
glauca {S-Afrika}, innerhalb der gleichen Gattung bildet H.
scandens Lianen aus). Die in der Regel wechselständigen,
stipellosen Blätter sind einfach oder zusammengesetzt und
vielfach behaart. Die Form der immer einzelligen Haare und deren
Dichte liefern wichtige Bestimmungsmerkmale. Die traubigen
Blütenstände sind meistens vor- und tragblattlos. Die
Blütenorgane sind, wie der deutsche Name der Familie schon
vermuten läßt, kreuzförmig angeordnet. Die Kelchblätter
werden aus vier in zwei Kreisen sitzenden Blättern gebildet. Die
Krone setzt sich aus einem vierzähligen Kreis zusammen. Von den
zwei vierzähligen Staubblattkreisen sind im äußeren nur zwei
kurze Staubblätter erhalten geblieben, der innere Kreis ist
vollständig. Am Bau des Fruchtknotens sind wahrscheinlich 4
Karpelle, zwei fertile und zwei sterile, beteiligt. Zwischen den
beiden fertilen Karpellen ist eine falsche Scheidewand
eingezogen, die am sogenannten Replum aufgespannt, nach Abfall
der Fruchtblätter an der reifen Frucht erhalten bleibt. Am
Replum (Rahmen) hängen die Samen. Besonders schön zu sehen und
auch für Blumengebinde genutzt sind Scheidewände und Repli bei Lunaria
rediviva, dem Silberblatt. Die Früchte werden als Schoten
bezeichnet, wenn sie mindestens dreimal so lang wie breit sind,
sind sie gedrungener, so heißen sie Schötchen. Daneben werden
auch sogenannte Gliederschoten ausgebildet, die in einsamige
Teilfrüchte zerfallen, oder geschlossen bleibende, einsamige
Nußschötchen. Charakteristisch ist das Vorkommen von
Senfölglykosiden.
Die Spaltung der Senfölglycoside erfolgt durch das Enzym Myrosinase, das im Gegensatz zu der vakuolenlokalisierten Grundsubstanz ER-gebunden im Cytoplasma zu finden ist. Erst bei einer Zerstörung der Pflanzenzelle (Tierfraß) wird so das scharf schmeckende Senföl frei. Die sogenannte Doppel-Null-Sorte des Rapses enthält keine (störenden) Senfölglycoside mehr, stellt jedoch kultiviert für Wildtiere wie Rehe oder Feldhasen ein nicht zu unterschätzendes
Gefahrenpotential dar, weil die natürliche
Sättigungsschwelle durch den fehlenden scharfen Geschmack
wegfällt und die Tiere oft an Blähungen verenden.
Neben zahlreichen Zierpflanzen sind in dieser Familie viele Nutzpflanzen vertreten:

© 1997 Bernhard Schmidt,
Abteilung Systematische Botanik und Ökologie, Universität Ulm
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