Botanische Bestimmungsübungen

...eine Einführung in die Familien!





Boraginaceae (Rauhblatt- oder Boretschgewächse)

K (5) [C (5) A 5] G oberständig (2)

ca. 2000 Species, 100 Gattungen, Verbreitung kosmopolitisch mit Ausnahme der nördlichen Bereiche, Schwerpunkt im Mittelmeerraum

Die Boraginaceae sind eine Familie vorwiegend krautiger Gewächse, die charakteristisch behaarte Blätter, Stengel und Blütenstände besitzen (Name Rauhhaargewächse!). Die Haarzellen sind durch Einlagerungen von SiO2 und/oder CaCO3 versteift. CaCO3 findet sich auch in Form von Cystolithen in den Haarbasen oder Epidermiszellen. Die Blätter sind meist wechselständig, einfach und ganzrandig. Bei verschiedenen Vertretern der Boraginaceae sind sogenannte Metatopien zu beobachten. Bei Symphytum officinale ist das Tragblatt scheinbar vom zugehörigen Seitenzweig aus betrachtet etwas nach unten verschoben, respektive die Verzweigung zum Teil mit der Hauptachse verwachsen. Die Seitenzweige inserieren so scheinbar oberhalb des zugehörigen Tragblattes. Diese Erscheinung bezeichnet man als Concauleszenz (Recauleszenz: Tragblatt ist am Seitenzweig nach oben gewandert, Bsp. Tilia sp: Blütenstand)

Für die Familie typisch ist die Form der Blütenstände. Die Infloreszenzen sind in Doppel-wickeln angeordnet. Dabei bilden die zwei sich anfangs dichasial verzweigenden Hauptäste des Blütenstandes fortan cymöse Teilinfloreszenzen aus. Beim Wickel entspringt abwechselnd aus dem linken und rechten Vorblatt ein Seitenast.

Die Blüten sind zwittrig und in der Regel radiärsymmetrisch. Bei Echium sind die Blüten jedoch leicht zygomorph. Die Kelchblätter sind am Grunde, die Blütenblätter völlig miteinander verwachsen und bilden röhren- oder stieltellerförmige Blüten. Oft sind die Kronblätter zu sogenannten Schlundschuppen nach innen eingestülpt, die die Kronröhre verschließen oder zumindest verengen. Die Stamina sind mit den Petalen verwachsen und setzen meist auf halber Blattlänge an. Der oberständige, zweiblättrige Fruchtknoten ist durch falsche Scheidewände in vier Klausen geteilt. Im Gegensatz zu den Lamiaceen, die ebenfalls Klausen bilden, sind hier die Mikropylen der Samenanlagen jedoch nach oben gerichtet.

Als Frucht werden meist 4 einsamige Klausen gebildet, die nußartig entwickelt sind. Selten wird eine Steinfrucht gebildet.

Die Familie wird in Unterfamilien eingeteilt, über deren Zahl Unklarheit herrscht. Hier soll nur eine einfache Einteilung in zwei Subfamilien und mehrere Triben genannt sein.

Heliotropioideae

endständiger Griffel, Steinfrucht (Heliotropium, Tournefortia)

Boraginoideae

gynobasischer Griffel, 4 Klausen aufgrund der Frucht- und Griffelmerkmale erfolgt eine weitere Einteilung in mehrere Triben.

Bei den heimischen Vertretern ist das Vorkommen von Pyrrolizidin-Esteralkaloiden verbreitet. Diese Stoffgruppe kann unter bestimmten Voraussetzungen carzinogen und hepatotoxisch wirken. Vielfach ebenfalls enthalten ist Allantoin (Glyoxylsäurediureid), dem granulationsfördernde Eigenschaften zugeschrieben werden. Trotz der vorhandenen Pyrrolizidin-Alkaloide werden wegen des Allantoin-Gehalts z. B. der Beinwell (Name!), Symphytum officinale, als Wundheilmittel terapeutisch weiterhin genutzt. Das in Alkanna tinctoria enthaltene Alkannin (ein Naphtochinonderivat) ist als lipophiler Lebensmittelfarbstoff zugelassen. Boretsch (Borago officinalis) ist als Gewürzpflanze bekannt.



© 1997 Bernhard Schmidt, Abteilung Systematische Botanik und Ökologie, Universität Ulm

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