Botanische Bestimmungsübungen

...eine Einführung in die Familien!





Asteraceae (Korbblütler)

K Pappus C (5) A 5 verklebt G unterständig (2)

ca. 22.000 Species, ca. 1000 Gattungen, Verbreitung kosmopolitisch

Die mitteleuropäischen Vertreter der Compositen sind Kräuter oder Stauden, global betrachtet sind aber alle Wuchsformen vertreten. Besonders in den Hochlagen der Tropen finden sich Bäume (Senecio) oder Riesenstauden (Senecio, Espeletia). Sogar Sukkulenten kommen vor (Kleinia, Afrika). Die Blätter sind einfach oder zusammengesetzt, meist ohne Nebenblätter und in der Regel wechselständig. Oft sind die Blätter in grundständigen Rosetten zusammengefaßt.

Innerhalb der Familie der Asteraceae (Compositae) manifestiert sich, was sich schon bei einigen Campanulaceen (Phyteuma [Teufelskralle]) angedeutet hat: Die kleinen Einzelblüten werden zu traubigen, gestauchten Blütenständen, den Köpfchen, zusammengefaßt, die wieder den Eindruck einer Einzelblüte (= Blume im bestäubungsökologischen Sinn) erwecken. Dadurch wird erreicht, daß blütenbesuchende Insekten beim Besuch einer Blume auf einen Streich eine ganze Reihe (Taraxacum [Löwenzahn] mit 200 bis 300 Einzelblüten) von Blüten bestäuben. Bis hin zu diesem Stadium gibt es alle Übergangsformen; z.T. sind die Blütenstände wieder zur Wenigblütigkeit reduziert und sekundär wiederum zusammengefaßt (Echium [einblütige Köpfchen], Achilea [wenigblütige Köpfchen]). Um den Eindruck einer Einzelblüte zu verstärken, ist eine aus Brakteen gebildete kelchartige Hülle, das Involukrum vorhanden. Außerdem sind die Randblüten vielfach mit Blütenzungen ausgestattet, die diesen Anblick - außen Blütenkrone, innen gelbe Staublätter - weiter verstärken. Bei der Gattung Syncephalantha sind sogar mehrere Köpfchen zu einem neuen Blütenstand (Syncephalium) vereint. Dort sind alle Einzelköpfchen von einem Gesamtinvolukrum umgeben und nur die Blüten am Rande des «Superköpfchens» tragen Zungen.

Erstaunlich ist auch die Tatsache, daß die Zungenblüten tragenden Randblüten zuerst aufblühen und bis zum Abblühen der innersten Blüte erhalten bleiben und nicht wie bei normalen Blütenständen in dem Maße welken, wie neue nach oben fortschreitend aufblühen. Am Köpfchenboden sind häufig Spreublätter vorhanden, die rückgebildeten Tragblätter der Blüten. Sind mehrere Köpfchen ausgebildet, so sind diese in Rispen angeordnet.

Der Kelch ist meist zu einem Pappus umgebildet oder fehlt. Dieser Pappus ist ein Haarkranz, der später an der Frucht als Flugschirm erhalten bleibt. Dabei kann er gefiedert sein, leicht zerreibbar, weiß oder gelblich - alles wichtige Bestimmungsmerkmale. Die verwachsenblättrige Krone kann eine kurze Röhre sein, die, entsprechend der ehemaligen freien Kronblattzahl, fünf kleine Spitzen trägt (innere Blüten von Bellis [Gänseblümchen]) oder sich durch eine zygomorphe Form auszeichnen. In diesem Fall kann die Kronröhre eine aus drei Blütenblättern gebildete Zunge besitzen (Randblüten von Bellis) oder deutlich zwei Lippen aus zwei bzw. drei Teilen bilden (Randblüten von Centaurea [Flockenblume]). Die fünf Stamina sind entlang ihrer Pollensäcke verklebt. Der Giffel besitzt an der Narbenaußenseite Fegehaare, die den Pollen herauskratzen (siehe Campanulaceae). Der unterständige Fruchtknoten besteht aus zwei coeno-parakarpen Karpellen die als Frucht eine Achäne hervorbringen. Hierbei handelt es sich um eine nußartige Frucht, bei der Fruchtwand (= die Wände der Karpelle) und Samenschale

(= äußeres Integument [«Haut» der Samenanlage]) verwachsen (oder verklebt?) sind. Die Ausbreitung der Samen vollzieht sich entweder durch den Wind (Anemochorie) mittels der bereits erwähnten Flughaare oder durch Tiere. Bei letzterem bilden die Involukralbrakteen z. B. bei Arctium lappa (Große Klette) an der Spitze Haken aus, die sich etwa im Fell vorbeistreichender Säugetiere oder in der Kleidung ahnungsloser Spaziergänger verhaken, um später an anderer Stelle wieder abzufallen. Ausbreitung durch Tiere wird Zoochorie genannt. Da es sich um eine Verschleppung an der Körperoberfläche handelt und nicht etwa um ein Verschlucken von Früchten oder Samen, ist hier die Bezeichnung Epizoochorie zu verwenden.

Nach dem Vokommen und der Verteilung von Zungen- und Röhrenblüten (= Scheiben-blüten), sowie dem Vorhandensein von Milchsaft werden zwei Unterfamilien gebildet:

Lactucoideae

Köpfchen vorwiegend homogam, d.h. nur mit Zungen- oder Röhrenblüten (Liguliflorae); Milchsaft in gegliederten Saftschläuchen vorhanden, Sekundärstoffausstattung eher ärmlich

Asterioideae

v.a. heterogame Blütenkörbchen mit äußeren Zungen- und inneren Röhrenblüten (Scheibenblüten); kein Milchsaft, aber in Ölgängen sehr reiche Ausstattun an Sekundärstoffen

Eine andere Einteilungsform hatte die Familie in die Cichorioideae (Liguliflorae) mit Milchsaft und ausschließlich Zungenblüten und in die Asteroideae (Tubuliflorae) mit Zungen- und Röhrenblüten eingeteilt.

Innerhalb dieser Familie sind bereits 7000 chemische Verbindungen von 5000 Arten der insgesamt über 20.000 Species isoliert und identifiziert worden. Zum einen sagt uns dies, daß es sich um eine der bestuntersuchten Familien handelt, zum anderen erklärt das auch die große Zahl an Arznei- und Nutzpflanzen.


Als offizinelle und anderweitig genutzte Vertreter seien folgende Beispiele genannt:

Das von perennierenden Asteraceen als Speicherstoff vorwiegend gebildetete Inulin (Polyfructose aus ca. 40 Einheiten), z. B. in Topinambur oder Schwarzwurzeln enthalten, ist der Grund dafür, daß man diese Gemüse als diätetisches Lebensmittel bei Diabetes einsetzen kann.



© 1997 Bernhard Schmidt, Abteilung Systematische Botanik und Ökologie, Universität Ulm

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