Botanische Bestimmungsübungen
...eine Einführung in die Familien!
Articulatae (Schachtelhalme)
Der Name Articulatae nimmt Bezug auf die ineinandergeschachtelten Sproßteile, was sich auch im deutschen Namen Schachtelhalme ausdrückt. Die einzig rezente Gattung ist Equisetum mit 32 Arten. Der Gattungsname verweist auf die Ähnlichkeit mit einem Pferdeschweif. Die Pflanzen besitzen subterrestrische (Erd-)Sprosse mit aufrechten Luftsprossen oder Halmen. Die Lebensdauer der Luftsprosse beträgt meist nur ein Jahr, sie sind einfach oder verzweigt. Die gerieften Achsen sind aus gestreckten Internodien zusammengesetzt. An den Nodien findet interkalares Wachstum statt. Durch dieses weiche Meristem können die einzelnen Glieder leicht auseinandergezogen werden (Name!). An den Nodien finden sich zudem Scheiden aus verwachsenen Mikrophyllen. In den Knoten ist ein geschlossener Leitbündelring (Siphonostele, Innenxylem mit Außenphloem) lokalisiert, der sich in den Internodien in einzelne, von Parenchym umgebene Leitbündel aufspaltet (Eustele).

Die Blattscheiden werden von Seitenzweigen durchbrochen, sie inserieren also mitten auf der Mikrophyll-Scheide. Da die Blätter viel zu klein sind, um die notwendige Photosyntheseleistung zu erbringen, sind die Sprosse selbst ergrünt und übernehmen die Assimilation weitgehend. Dies gilt zumindest für die vegetativen Halme. Die Spaltöffnungen (Stomata) liegen in den Furchen zwischen den Rippen der Luftsprosse. In die Epidermis ist Kieselsäure eingelagert, was den Pflanzen auch den Namen Zinnkraut eingetragen hat. Sie wurden früher als natürliches Scheuermittel zum Reinigen von Zinn-Geschirr verwendet.
Meist werden vegetative, grüne, der Ernährung dienende und
generative, bleiche, der Fortpflanzung dienende Sprosse gebildet.
Die Sporen werden in Sporangien an tischförmigen Sporophyllen
gebildet. Da der Sproß hier schon ein begrenztes Wachstum
aufweist, kann man die Sporophyllstände als Blüten bezeichenen.
Hinsichtlich der Sproßverteilung können wir 4 Gruppen
unterscheiden:
Equisetum hyemale zeigt zwischen vegetativen und
generativen Sprossen keinen Unterschied; die Halme sind
ausdaurnd.
E. arvense bildet im Frühjahr zunächst bleiche,
generative Halme. Erst wenn diese vergangen sind, werden grüne,
vegetative Sprosse ausgebildet
E. sylvaticum bildet zugleich vegetative und
generative Halme aus. Die generativen Sprosse ergrünen nach dem
Verblühen
E. palustre bildet im Frühjahr nur grüne
Laubtriebe, an welchen erst im Sommer Sporangien gebildet werden.
Der Sumpfschachtelhalm oder Duwok ist außerdem durch den Gehalt
eines Alkaloids (Equisetin oder Palustrin) giftig. Da er auch an
sehr trockenen Stellen gedeihen kann, ist er im Heu eine
gefährliche Giftpflanze.

Der diploide Sporophyt liefert in den Sporangien Meiosporen,
d. h. Sporen, die aus einer Meiose (Reifeteilung) hervorgegangen
sind. Alle folgenden Stadien sind somit haploid. Die Sporen sind
von einem Periplasmodium umgeben, das sich zu zwei um die Spore
gewickelte Bänder (Hapteren) umbildet. Die Hapteren drehen und
strecken sich beim Trocknen und lockern so die Sporenmasse auf.
Aus den Sporen erwachsen gelappte, grüne Prothallien (= der
Gametophyt). Die Vorkeime können monözisch oer diözisch sein,
die Geschlechtsbestimmung erfolgt modifikatorisch. Nach drei bis
fünf Wochen entwickeln sich auf den Prothallien eingesenkte
Antheridien und hervorragende Archegonien. Da der gesamte
Gametophyt haploid ist, entstehen nun Mitogameten (=Gameten, die
durch eine Mitose gebildet werden). In den Antheridien werden 250
bis 1000 Spermatozoide mit zahlreichen Geißeln gebildet. Nach
der Befruchtung, die nur bei Vorhandensein von Wasser stattfinden
kann, ist die diploide Phase wieder hergestellt und der Embryo
kann zum (2n) Sporophyt auswachsen, womit sich der Kreis
schließt.
© 1997 Bernhard Schmidt,
Abteilung Systematische Botanik und Ökologie, Universität Ulm
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