| 10 Morphologie der Blütenstände |
| 10.1 Einfache Infloreszenzen | 10.2 Komplexe Infloreszenzen | 10.3 Pseudanthien | 12.4 Fruchtstand |
Als Blütenstände oder Infloreszenz bezeichnet man die der Blütenbildung dienenden Verzweigungssysteme einer Pflanze.
- Beblätterung
Die Beblätterung der Infloreszenzen ist typischerweise bracteos (= hochblattartig). Sind sie laubblattartig, so bezeichnet man die Infloreszenz als frondos.
- Vorhandensein einer Endblüte
Die Hauptachse der Infloreszenz kann mit einer (Terminal-) Blüte abschliessen (geschlossene Infloreszenz) oder aber "blind" enden (= offene Infloreszenz). Das Vorhandensein oder Fehlen der Endblüte kann für grössere Verwandtschaftskreise typisch sein. So besitzen etwa die Caryophyllaceae, Borraginaceae und Solanaceae geschlossene und die Brassicaceae und Scrophulariaceae offene Blütenstände.
- Art der Verzweigung
Die Infloreszenzen sind insgesamt stets monopodiale Systeme. Die Verzweigung der seitlichen Teilblütenstände jedoch ist unterschiedlich. Sie kann ihrerseits monopodial (= racemös) oder sympodial (= cymös) sein.
Einfache Infloreszenzen haben nur Seitenzweige ersten Grades.
Der einfachste Typ einer einfachen Infloreszenz ist die Traube. Sie besitzt typischerweise keine Endblüte, ist also eine offene Infloreszenz. Jede Seitenblüte ist hier deutlich gestielt.
Ist eine Endblüte vorhanden, so spricht man dann von einer geschlossenen Traube (Botryoid).
Bei der Doldentraube ist die Infloreszenzachse gestaucht, so dass die Seitenblüten doldenartig angeordnet sind.
Eine Ähre liegt dann vor, wenn die seitlichen Blüten ungestielt sind.
Ist hier eine Endblüte vorhanden, so nennt man den Blütenstand eine geschlossene Ähre (Stachyoid).
Ein Kolben besitzt die Grundmerkmale einer Ähre, nur ist die Hauptachse hier stark verdickt.
Bei der Dolde ist die Infloreszenzhauptachse gestaucht, so dass die Seitenäste fast von einem Punkt auszugehen scheinen.
Ist eine Endblüte vorhanden, so spricht man von einem Sciadioid.
Ist die Blütenstandsachse wie beim Kolben verdickt und bleibt zudem gestaucht, so resultiert ein Köpfchen. An der Basis ist der Blütenstand oft von gedrängt stehenden Hochblättern, dem Hüllkelch (= Involukrum) umgeben.
Bei den Komplexen Infloreszenzen geht die Verzweigung über den ersten Grad hinaus. Die genannten Verzweigungen wiederholen sich an den Seitenzweigen.
Bei der Rispe verzweigen sich die Seitenäste ihrerseits wiederum racemös, wobei im typischen Fall der Verzweigungsgrad von unten nach oben abnimmt. Eine Endblüte ist typischerweise vorhanden.
Ordnen sich die Blüten wie bei einer Dolde in eine flach gewölbte Ebene ein, so spricht man von einer Schirmrispe (Corymbus).
Bei der Spirre (Anagramm von Rispe, Anthela) sind die Förderungsverhältnisse umgekehrt; hier übergipfeln die weiter unten inserierenden Seitenzweige die weiter oben liegenden.
Eine grössere Vielfalt zeigen die Infloreszenzen mit cymösen Partialinfloreszenzen (= Cymen). Sie werden allesamt als Thyrsus bezeichnet.
- Dichasium
Die einzelnen Formen der Thyrsen unterscheiden sich in der Verzweigung der seitlichen Cymen. Bei den Dikotyledonen kann die Verzweigung aus den meist transversal angeordneten, in Zweizahl vorhandenen Vorblättern erfolgen. Sind beide Vorblätter fertil, so bezeichnet man die betreffende Cyme als Dichasium.
- Monochasium
Ist nur jeweils ein Vorblatt fertil, so resultiert ein Monochasium.
* Wickel (Cincinnus)
Bei einer Wickel ist abwechselnd das rechte und das linke Vorblatt fertil, es resultiert eine "zickzack"-förmige Anordnung der Blüten.
* Schraubel (Bostryx)
Bei der Schraubel ist immer das Vorblatt derselben Seite fertil, so das die konsekutiven Sympodialglieder "schrauben"-formig angeordnet sind.
Bei der Doppelwickel und der Doppelschraubel setzt die monochasiale Verzweigung erst nach einer ersten Verzweigung aus beiden vorhandenen Vorblättern ein (Beispiele: Scrophulariaceae, Boraginaceae)
* Fächel (Rhipidium)
Bei den Monokotyledonen ist typischeweise nur ein (adossiertes) Vorblatt vorhanden. Die Cymen sind hier also stets monochasial verzweigt. Erfolgt die Sympodienbildung jeweils aus der Achsel dieses Vorblattes, so resultiert eine Fächel (Beispiel: Iris)
* Sichel (Drepanium)
Bei einer Sichel verzweigen sich die Seitenachsen jeweils erst aus der Achsel des auf das Vorblatt folgenden Hochblattes.
- Sonderformen
* Cymoid
Eine Sonderform der Thyrsen sind die Cymoide. Sie werden so genannt, weil hier der gesamte Blütenstand den Aufbau einer Cyme zeigt indem hier nur jeweils ein oder zwei Partialinfloreszenzen unterhalb der Terminalblüte ausgebildet werden.
* Doppelthyrsen
Der thyrsische Bau des Haupttriebes wird von einigen, basalen Seitentrieben wiederholt.
* Scheindolden (Doldenthyrsen)
Bei den Pseudanthium, Scheinblüten oder "Blumen" handelt es sich um Infloreszenzen, die so stark modifiziert sind, dass sie ihrerseits aussehen wie eine Einzelblüte. Ihnen liegt in den jeweiligen Pflanzenfamilien ein unterschiedlicher Grundbauplan zugrunde.
Die Köpfchen der Compositen sind entstanden aus Ähren ohne Endblüte.
Bei den Pseudanthien der Sterndolde (Astrantia sp., Apiaceae) sind es Dolden.
Die Kolbenförmigen Blütenstände der Dipsacaceae (Kardengewächse) sind entstanden aus Thyrsen ohne Endblüte.
Die "Cyathien" genannten Pseudanthien z.B. der Gattung Euphorbia sind dagegen aus Thyrsen mit einer (weiblichen) Endblüte.
{Ende Vorlesung 15}