12. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Tropenökologie - gtö. Ulm, 17 - 19.02.1999: Poster P-2.3


Untersuchungen zum Transpirationsverhalten ausgewählter Baumarten eines neotropischen Tieflandregenwaldes (Projekt Surumoni, Oberer Orinoco, Venezuela)

Thomas Motzer
Lehrstuhl für Physische Geographie,Universität Mannheim

Anthropogene Eingriffe in tropische Waldökosysteme wirken sich unmittelbar auf den regionalen Energie- und Wasserhaushalt aus. In diesem Kontext ist die Transpiration der Vegetation eine entscheidende Komponente, da sie das Bindeglied im interaktiven System: Boden-Pflanze-Atmosphäre darstellt. Aufgrund dieser Kopplung besitzt die Transpiration eine herausragende Bedeutung für die Niederschlagsbildung innerhalb des mesoskaligen Wasserdampfkreislaufes.

Die Untersuchungen zum Transpirationsverhalten erfolgen im Rahmen des DFG-Forschungsprojekts "Der Wasserhaushalt eines neotropischen Tieflandregenwaldes" auf der Untersuchungsfläche des Surumoni-Kran-Projektes in Süd-Venezuela.

Die Transpirationsmessungen beruhen auf einem von Granier (1985) entwickelten Verfahren ("constant heating method"). Hierbei werden die Wassermengen bestimmt, die im Xylem des Stammes transportiert und anschließend zum überwiegenden Teil transpiriert werden. Innerhalb des geschlossenen Bestandes des Surumoni-Kran-Plots werden seit Juni 1997 acht Bäume kontinuierlich bemessen. Anhand der gewonnenen Xylemfluß-Daten läßt sich der Einfluß von Mikroklima und Bodenwasserhaushalt auf das Transpirationsverhalten untersuchen. Desweiteren kann die Bestandestranspiration des Waldes abgeschätzt werden.

Der Tagesgang der Transpiration –ausgedrückt in Veränderungen der Xylemflußrate– ist im wesentlichen an den Verlauf der Temperatur, der photosynthetisch aktiven Strahlung (PAR) und vor allem des Sättigungsdefizits gekoppelt. Die Bedeutung der einzelnen Klimavariablen für das Transpirationsverhalten schwankt jedoch im Tagesgang. Ferner weist eine bei allen Canopybäumen ausgeprägte Mittagsdepression der Transpiration auf den Einfluß physiologischer Steuerungsmechanismen in unterschiedlichem Ausmaß hin. Im Jahresgang zeigen die untersuchten Individuen artspezifische Wasserhaushaltsstrategien in Anpassung an Veränderungen des Bodenwasserhaushaltes.

Die vorläufige Abschätzung der Bestandestranspiration deutet auf einen vergleichsweise geringen Anteil der Transpiration am Wasserhaushalt des Bestandes hin. Nach Extrapolation der ermittelten Transpirationsmengen auf die Fläche ergeben sich Transpirationsverluste des gesamten Bestandes von ca. 11-14 % des Jahresniederschlages (1997: 2372 mm). Damit sind die vorläufig errechneten Transpirationsverluste des Surumoni-Bestandes deutlich niedriger als die von einigen Autoren in vergleichbaren tropischen Waldbeständen ermittelten und publizierten Transpirationssummen (Granier et. al 1996, Roberts et al. 1993).

 

 

 

(*)Das Transpirationsverhalten von Bäumen stellt eine wesentliche Komponente des Energie- und Wasserhaushaltes von Waldbeständen dar. Einerseits wird ein Teil der auf das Canopy auftreffenden Strahlungsenergie zur transpirativen Wasserdampffreisetzung verwendet und so in latente Wärme umgewandelt. Andererseits gelangt ein Teil des infiltrierten Niederschlagswassers über diesen Pfad wieder zurück in die Atmosphäre.