12. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Tropenökologie - gtö. Ulm, 17 - 19.02.1999: Poster P-1.7
Abhängigkeit der Abundanz und Diversität kopro- und nekrophager Blatthornkäfer vom Habitat in der westafrikanischen Guinea-Savanne (Coleoptera: Scarabaeoidea)
Frank-Thorsten Krell, Minnattallah Boutros, Sylvia Westerwalbesloh, Ingo Weiß & Karl Eduard LinsenmairIm tropischen Afrika werden nicht nur die Koprozönosen, sondern auch die Nekrozönosen von Blatthornkäfern (Coleoptera: Scarabaeoidea) dominiert. An Kot und Aas finden sich Scarabaeiden in außerordentlich hoher Abundanz und Artenvielfalt ein. Im Parc National de la Comoé in der nordöstlichen Elfenbeinküste untersuchen wir, welche Mechanismen die Koexistenz der zahlreichen sympatrischen Blatthornkäfer-Arten bedingen (Krell & Linsenmair 1998). Das Untersuchungsgebiet zeichnet sich durch das enge Beieinander unterschiedlicher Habitate aus. Im Rahmen der vorliegenden Studie vergleichen wir die Kot- und Aas-Käfergemeinschaften der Baum-Busch-Savanne, des Galeriewaldes und des von diesem eingeschlossenen Flußtals (Grasland). Als Substrat wurden halbe, frisch abgezogene Ziegenfelle und 1 kg-Portionen frischen Büffeldungs jeweils gleichzeitig in den verschiedenen Habitaten ausgelegt. Der folgenden Auswertung liegen 48.368 Individuen vom Aas und 19.629 Individuen aus den Dungproben zu Grunde.
Abundanz: Die beiden untersuchten Zönosen weisen in den offenen Habitaten Savanne und Flußtal jeweils die zehnfache Anzahl von Käfern auf als im Galeriewald (s. Abb.).


Diversität: Auf dem Niveau der Gilden bzw. der höheren Taxa (Tribus) ist die Diversität in beiden Zönosen am höchsten in der Savanne. Die hohe Individuenzahl im Flußtal wird bei den Koprozönosen vor allem durch die endocopriden Aphodiinae hervorgerufen (95%), bei den Nekrozönosen durch die Hybosoriden der Gattung Phaeochrous (92%). Die meinsten anderen in der Savanne häufigen Gruppen sind im Flußtal sehr viel seltener. Die Bearbeitung auf Artebene ist noch nicht abgeschlossen, so daß derzeit keine Aussagen bezüglich der Arten-Diversität getroffen werden können.
Vorläufiges Fazit: Die Zönosen der Savanne, des größten Habitats im Gebiet, zeigen die höchste Abundanz und Diversität. Die Vertreter der wenigen Taxa, die die Barriere des Galeriewaldes überwinden können, finden sich im Grasland des Flußtals, im flächenmäßig kleinsten der untersuchten Habitate, in hoher Abundanz. Im Galeriewald selbst werden Büffelkot und Aas nur wenig genutzt, was darauf hinweist, daß der Konkurrenzdruck in den Zönosen der Savanne nicht ausreicht, eine Anpassung savanicoler Arten an das unterschiedliche Mikroklima des Waldes zu erzwingen.
Das Projekt wurde finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Li 150/18-1,2,3).
Schriften
Krell, F.[-T.] & Linsenmair, K.E. 1998: Blatthornkäfer einer westafrikanischen Savanne - Vielfalt in Kot und Aas. Bielefelder Ökologische Beiträge, 12: 36.