12. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Tropenökologie - gtö. Ulm, 17 - 19.02.1999: Poster P-4.7


Räumliche Verteilung und Zusammensetzung der epiphytischen Biomasse in vier Regenwäldern Ecuadors

Martin Freiberg und Elke Freiberg
Abteilung Spezielle Botanik, Universität Ulm, 89069 Ulm

Die epiphytische Biomasse in tropischen Regenwäldern setzt sich aus lebendem und totem organischem Material zusammen. Zur lebenden Biomasse zählen die vaskulären Pflanzen (Sprosse und Wurzeln der Monokotyle, Dikotyle und Farne) und die Kryptogamen (Moose und Flechten). Das tote organische Material besteht aus Streu sowie teilweise und weitgehend zersetztem Humus.

Ziel der Studie war es, das Vorkommen, die räumliche Verteilung sowie die Zusammensetzung der epiphytischen Biomasse in vier Regenwäldern Ecuadors zu vergleichen. Die Untersuchungen wurden in zwei Wäldern des amazonischen Tieflandes auf ca. 250 m üNN, Estación Científica Yasuni und Tiputini Biodiversity Station, sowie in zwei Bergregenwäldern in den nördlichen Anden auf 1400 und 1900 m üNN, Reserva Biológica Los Cedros und Bosque Protector Otonga, durchgeführt. Der mittlere Jahresniederschlag liegt bei allen Gebieten bei 2500 - 3000 mm. Die Baumkronen wurden für die Analyse in zentrumsnahe, mittlere und periphere Astabschnitte unterteilt. Weiter unterschieden wurden waagerechte (0-30°), geneigte (31-60°) und senkrechte (61-90°) Äste.

Generell sind in allen Gebieten die dicken, horizontalen Äste in den Kronenzentren am dichtesten bewachsen und tragen die dicksten Moos-Humus-Schichten. Die durchschnittliche Bedeckung der Äste mit vaskulären Epiphyten in den Bergwäldern (60% in Los Cedros und 80% in Otonga) ist nur wenig höher als im Tiefland (50%). Hingegen variiert der Deckungsgrad der Äste mit Moosen erheblich. Während in Otonga fast alle und in Los Cedros zumindest die dicken, waagerechten Äste zu 100% mit Moosen bedeckt sind, beträgt der Deckungsgrad im Tiefland selbst auf den dicksten Ästen nicht mehr als 50-60%. Die Moos-Humus-Schicht erreicht in den Bergwäldern Stärken von 2-14 cm, während sie im Tiefland nie dicker als 2 cm war.

Generell ist die epiphytische Biomasse pro Quadratmeter Astoberfläche in allen Gebieten in der Kronenperipherie deutlich niedriger als in den Kronenzentren. Die Biomasse auf mittleren Astabschnitten betrug 3.44 kg TG/m² Astoberfläche in Los Cedros, 1.47 kg/m² in Otonga, 0.98 kg/m² in Tiputini und 0.86 kg/m² in Yasuni. Die größere Biomasse in den Bergwäldern ist insbesondere auf den höheren Anteil an Moosen und Humus zurückzuführen. Das Trockengewicht der vaskulären Pflanzen, ohne Wurzeln, ist in allen Gebieten annähernd gleich und liegt bei 0.26-0.38 kg/m² auf mittleren Astabschnitten. Im Tiefland tragen sie allerdings zu ca. 30-40% zur Gesamtbiomasse bei, im Bergland dagegen nur ca. 10-20%. Ein Vergleich der vaskulären Epiphyten untereinander zeigt, daß die Monokotylen im Tiefland wesentlich mehr Trockengewicht bilden, während im Bergland Dikotyle und Farne überwiegen.