im Verband Botanischer Gärten e. V.

 
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8. Jahrestreffen der Stauden- und Alpinengärtner/innen in Wien vom 14.6. -16.6.2002

 

 

Zum 8. Jahrestreffen der Alpinen- und Staudengärtner hatten die österreichischen Kollegen Franz Tod und Robert Wernert in den Botanischen Garten der Universität Wien eingeladen. 25 Gärtnerinnen und Gärtner aus Österreich, Deutschland und Tschechien waren der Einladung gefolgt und hatten die zum Teil sehr weite Reise auf sich genommen.

Weiterhin waren Mitglieder der Österreichischen Gartenbau Gesellschaft eingeladen.

Freitag, 14.06.2002

Zu Beginn der Veranstaltungen trafen sich die Teilnehmer ab 9:30 Uhr im Eingangsbereich des Botanischen Instituts. Nach Begrüßung und ausgiebiger Stärkung mit den reichhaltig angebotenen Erfrischungen wurden den Teilnehmer praktische Mappen mit ausführlichen Unterlagen übergeben.

Pünktlich um 10:30 begann die eigentliche Veranstaltung mit einer Begrüßung durch den Gartendirektor Univ.-Prof. Dr. Tod Stuessy im großen Hörsaal.

Der Technische Leiter des Botanischen Gartens, Frank Schumacher, führte durch das folgende Programm.

Magister Peter Schönswetter stellte in einem kurzen Lichtbildervortrag die geologischen Verhältnisse und endemische 'Pflanzen der Ostalpen' vor.
An einer gedachten Nord-Süd-Linie, die ungefähr zwischen dem Bodensee und Mailand liegt, beginnen die Ostalpen mit den Bergamasker Alpen, dort wurde am Monte Alben erst 1990 eine neue Primel-Art (Primula albenensis) entdeckt. Unter anderen gefolgt von der Venediger Gruppe (Ranunculus pygmaea), den Hohen Tauern mit dem Großglockner (Braya alpina, Doronicum glaciale), den Dolomiten (Potentilla nitida), und den Niederen Tauern (Androsace wulfeniana), enden die Ostalpen mit den "Wiener Hausbergen" Schneeberg und Rax (Primula clusiana) kurz vor den Toren von Wien.

Dr. Michael Gottfried schnitt mit seinem Vortrag 'Alpenflora im Klimawandel' ein in unserer Zeit hoch pressantes Thema an. Seit etwa 150 Jahren steigt die Temperatur der Erde kontinuierlich an und ist in den letzten 100 Jahren um ca. 1°C angestiegen. Dr. Gottfried konnte anhand langjähriger, vergleichender Florabeobachtungen am 'Piz Linard' in der Bernina-Gruppe des Schweizer Nationalparks eine Veränderung der alpinen Flora nachweisen. Die Pflanzen der alpinen- und subalpinen Höhenstufe wandern in die größeren Höhen ein. Weiterhin wird sich die Bewuchsdichte der sehr offenen Vegetation der Geröllhalden und Felsregionen verdichten. Die auf feuchte Kühle angewiesenen Pflanzen, wie Saxifraga oppositifolia, werden von den wärmeverträglicheren Arten wie, Carex curvula, verdrängt werden.
Die Forschungsgemeinschaft GLORIA erfaßt Daten von 72 Gipfeln europaweit. Dr. Gottfried erwartet größere Veränderungen zunächst in den südlichen Gebirgen, wie der Sierra Nevada, in Spanien.
Auch der durch die intensivere Sonnenstrahlung entstehende höhere Ozongehalt der bodennahen Bergluft wird zu Veränderungen der Alpenflora führen.
Leider steht es ausserhalb unserer Macht, dieser erschreckenden Entwicklung Einhalt zu gebieten. Uns bleibt nur ein noch bewußterer Umgang mit fossilen Energien und unserer Umwelt.

Der ehemalige Leiter der Alpengartens am Belvedere, Robert Klaus hat mit seinem Vortragsthema 'Probleme bei der Kultur alpiner und subalpiner Arten in Wien' die Zuhörergruppe wieder zu den alltäglichen Gärtnerproblemen zurück geholt. Nach seiner kurzen Schilderung des in Wien vorherrschenden pannonischen Klimas mit sehr heißen, mitunter regenreichen Sommern und kalten, schneearmen Wintern, waren jedem Zuhörer die großen Probleme bewußt, mit denen man bei der Alpinen-Kultur mitten in Wien zu kämpfen hat. Große Steine und Kieswege strahlen im Alpengarten die hohen Temperaturen während der Nacht wieder ab. Taubildung findet deshalb praktisch nicht statt. Die Kultur von Raritäten gestaltet sich unter diesen Bedingungen ausgesprochen schwierig. Herr Klaus konnte uns aber trotzdem einige seiner langjährigen Erfahrungen mitteilen. So hat er festgestellt, daß Pflanzen aus Kalkgebieten im Tontopf eingesenkt besser gedeihen, während Silikatarten besser im Plastiktopf wachsen. Auf Grund der hohen Niederschläge ist das Substrat in der Anlage, für eine ausreichende Entwässerung, sehr sandig. Kabschia- und Lewisia-Arten gedeihen am Besten im Alpinenhaus. Mit dem heißen Klima kommen vor allem mediterrane Arten aus der Sierra Nevada und Zentralasiatische Arten, die an ihren heimatlichen Standorten an ein ähnliches Klima angepaßt sind, am besten zurecht.

Während des Vortrags von Herrn Klaus wurde den Teilnehmern der Erwerb einer Kopie eines bereits 1864 erschienen Fachbuches 'Cultur der Alpenpflanzen' von A.Kerner angeboten.

Dr. Michael Kiehn führte die Anwesenden mit seinem Thema 'Cites* und CBD* - welche Probleme und Chancen ergeben sich aus der internationalen Gesetzgebung für den Gärtner' an ein in Zukunft immer wichtiger werdendes Problem heran.
Zunächst ging Dr. Kiehn auf das 'Washingtoner Artenschutz Abkommen - CITES ein, das von ca. 150 Ländern unterzeichnet wurde. In ihm sind z. Zt. ca. 25000 Pflanzenarten erfaßt von den ca. 2000 Orchideen sind. Es sind nur wenige Alpine Arten enthalten (Cyclamen).
Im Anhang 1, der wichtigsten Kategorie, sind gefährdete Pflanzen enthalten, deren Handel verboten ist.
Im Anhang 2 sind Pflanzen aufgeführt, deren Handel erlaubt ist, aber beobachtet wird. Es liegt keine akute Gefährdung vor (Galanthus, Cyclamen).
Im EU-Recht sind eigene Pflanzenlisten im Anhang 1 + 2 enthalten.
Erleichterungen gibt es für auf künstlichen Substraten kultivierten Pflanzen.
Botanische Gärten können Pflanzen die im Anhang 1 + 2 enthalten sind sammeln und tauschen.
Im EU-Recht werden die CITES-Regelungen strenger gehandhabt wie im außereuropäischen Bereich.
Wissenschaftliche Institutionen können, auf Vorschlag der Bundesländer, vom Bundesamt für Naturschutz Registriernummern zugeteilt bekommen.

Seit 1993 besteht die Biodiversitätskonvention 'CBD'. Im Wesentlichen befaßt sich die CBD mit der Erhaltung der Ökosysteme, der Artenvielfalt und den genetischen Resourcen.
Die drei zentralen Ziele des CBD sind die Erhaltung der biologischen Vielfalt, deren nachhaltige Nutzung und die gerechte Verteilung der aus der Nutzung erzielten Vorteile.
Durch eine Artenerhaltungsverpflichtung können sich Botanische Gärten profilieren. Hier liegt eine Chance für die Bedeutung Botanischer Gärten und Pflanzensammlungen in der Zukunft. Eine intensive Öffentlichkeitsarbeit sollte darauf hinweisen.

Nähere Informationen sind im Internet zu finden:
http://www.biodiv-chm.de/ und http://www.bfn.de/04/

Nach einem gemeinsamen Mittagessen im benachbarten 'Rennwegstübl' trafen sich die Teilnehmer, wieder gestärkt, um 14:00 Uhr am Eingang des Botanischen Gartens, gegenüber einer schönen Sukkulentengruppe, zu einer Führung durch das Alpinum.

Unter der sachkundigen Führung unserer Kollegen Franz Tod und Robert Wernert konnten die Teilnehmer eine vorzüglich gepflegte Anlage bewundern. Jeder der teilnehmenden Gärtner weiß, wie viel unsichtbare Arbeit in der Pflege einer solchen Anlage steckt. Sehr schnell bildeten sich kleine Gruppen die sich in intensives Fachsimpeln vertieften.

Bereits nach einer Stunde ging es von Herrn Frank Schumacher geführt quer durch den Garten (nähere Info im Gartenführer, in der Infomappe) vorbei an einem phantastischen Bambushain (Phyllostachys viridiglaucescens) unter einem schönen Baumbestand hindurch zum Alpinum des Belvedere der Bundesgärten Wien.

Herr Knaak und Herr Klaus führten uns durch die sehr reichhaltige, schöne, gut gepflegte Anlage, deren Pflanzensammlung bereits auf eine 200 jährige Geschichte zurückblicken kann. So verwundert es nicht, daß einige Felsengebilde unter Denkmalschutz stehen. In einem etwas abgetrennten Areal war eine wertvolle Bonsai-Sammlung zu bewundern. Da im Alpengarten einige Pflanze doch sehr unter der gnadenlosen, hochsommerlichen Hitze litten konnten die Besucher die von Herrn Klaus bereits vormittags geschilderten Probleme mit der Alpinenkultur in Wien nachvollziehen. Auch die Gärtnergruppe war für eine im Aufenthaltsraum angebotene Erfrischung dankbar. (nähere Info zum Alpengarten im Belvedere im Gartenführer).

Bereits um 17:30 bestieg die Gärtnergruppe eine Bus um die Alpinumanlagen der Herren Hadacek und Liepold zu besuchen.

Quer durch Wein ging es zunächst in den Garten von Herrn Liepold.
Herr Liepold hat neben einer Alpinumanlage auch sehr umfangreiche Sammlungen von Primula allionii und deren Hybriden und Saxifragen der Kabschia- und Engleria-Gruppe aufgebaut. Aber auch an anderen Alpinen gab es viel seltenes und weitgehend unbekanntes zu bestaunen. Im Alpinum konnte neben vielen anderen Pflanzenschätzen auch eine weißen Form von Campanula thomasiniana und eine Dianthus oschtenica bewundert werden. Sofort haben sich die Besucher in ausführliche Gespräche mit dem Gartenbesitzer vertieft, so daß die Zeit wie im Flug verging.
Viel zu schnell ging es weiter zum Garten des Herrn Hadacek. Auch hier konnten die Besucher ein schönes Alpinum und eine große Pflanzensammlung bewundern. Leider waren die Fritillarien schon verblüht. Reichhaltig war auch hier die Sammlung der Saxifragen und der Androsace. Wie immer wenn sich leidenschaftliche Gärtner treffen ergaben sich viele Fragen und Gespräche.
Ich möchte es an dieser Stelle nicht versäumen, mich, auch im Namen der ganzen Besuchergruppe, nochmals recht herzlich bei Herrn Liepold und Herrn Hadacek für die freundliche und sehr informative Aufnahme in ihren Gärten zu bedanken.
Sicher hätte die Gruppe noch viele Stunden in den beiden privaten Gärten mit den erfahrenen Gartenbesitzern verbringen können, aber der straffe Zeitplan und die zunehmend knurrenden Gärtnermägen mahnten zum Aufbruch.

Ab 20:30 Uhr Abendbrot im Botanischen Garten stand im Veranstaltungsprogramm zu lesen. Um so überraschter waren die hungrigen und durstigen Gärtner als sich dahinter ein kleines Bankett verbarg. So konnte die Gruppe bei bester Verpflegung und einer lauen Wiener Sommernacht den langen, sehr informativen Tag ausklingen lassen. Auch dafür ein herzliches Dankeschön.

Samstag, 15.06.2002

Pünktlich um 8:00 Uhr traf sich die Gruppe ausgeschlafen und voller Tatendrang vor dem Botanischen Garten zur Busfahrt nach Reichenau zur gemeinsamen Rax-Exkursion.
Ausgerüstet mit einem Lunchpaket ging es, unter der Führung von Herrn Dr. Josef Greimler mit der Gondel zur Bergstation. Nach einer kurzen Einführung und Lagebesprechung machten sich die Teilnehmer, bei bestem Bergwetter, auf den Weg, den Berg zu erobern.

Entlang der südlichen Abbruchkante, mit typischer Kalkfelsspaltenvegetation, führte der Weg anschließend an Schneetälchen, Hochstaudenfluren und Latschengebüschen vorbei zum Otto-Schutzhaus zu einer ausgiebigen Jause. Anschließend ging es über Schutthalden und Polsterseggenrasen zum Gipfelkreuz am Jakobskogel.
Viele Gärtner wurden von der abwechslungsreichen und vielfältigen Vegetation überrascht. Besonders auffällig waren blühende Gentiana clusii, Pedicularis verticillata und P. portenschlagii, Ranunculus alpestris, Soldanella austriaca, Primula clusiana, Potentilla clusiana und viele andere.
(Weitere Info in der Exkursionsbeschreibung)
Rechtzeitig vor dem einsetzenden Regen ging es um ca. 16:30 mit dem Bus wieder zurück nach Wien.

Ab 18:30 stand mit einem Heurigenbesuch in Gumpoldskirchen ein Pflichtpunkt für Wienbesucher auf dem Programm. Unsere Gastgeber hatten mit dem 'Heurigen Biegler' ein gemütliches Gasthaus mit einem schönen Garten gewählt.
Jetzt war auch Gelegenheit gruppeninterne Dinge zu besprechen. So hat Matthias Bartusch, Technischer Leiter des Botanischen Gartens Dresden, angeboten das nächste Treffen, im Sommer 2003, in Dresden zu veranstalten, was von den Teilnehmern gerne angenommen wurde.
Anschließend klang der Abend mit regen Gruppengesprächen und Erfahrungsaustausch aus.

Sonntag, 18.06.2002

Treffpunkt für das Sonntagsprogramm war die U-Bahnstation Hietzing am Eingang in den Schloßpark Schönbrunn. Mit Herrn Walter Wechsberg hatte sich, als ehemaliger Mitarbeiter der Parkverwaltung, ein kompetenter Führer durch den Park und das Palmenhaus gefunden. Er informierte über die wechselvolle Geschichte des Palmenhauses von der Einweihung 1882 durch Kaiser Franz Joseph I. bis zur Wiedereröffnung im Jahre 1990. Anschließend führte er durch die reichhaltige Pflanzensammlung im Innern des imposanten Bauwerks. Auf dem Rückweg zur U-Bahnstation bot sich Gelegenheit die weitläufigen Parkanlagen und Sehenswürdigkeiten von Schloß Schönbrunn zu besichtigen.

Für Sonntagnachmittag stand der touristische Aspekt unseres Treffens auf dem Programm. So fuhr die Gärtnergruppe in die Innenstadt wo in einem alten Wiener Gasthaus, dem 'Brezlgwölb, einer ehemaligen Bäckerei, ein gemeinsames Mittagessen eingenommen wurde.
Ab ca. 14:30 ging es auf den Spuren Mozarts und Haydns, geführt von Frau Kirschner, durch die Wiener Altstadt. Durch Hinterhöfe, Keller und öffentliche Toiletten bis zum Stephansdom war es ein abwechslungsreicher Spaziergang durch die Wiener Geschichte.
Nach dem Stadtrundgang mußten sich die ersten Teilnehmer bereits verabschieden um die jeweiligen Züge zu erreichen.
Vorher bot sich mir noch die Gelegenheit, mich im Namen aller, bei den Gastgebern Robert Wernert, Franz Tod und Frank Schumacher, ganz herzlich für das sehr informative und gelungene Jahrestreffen zu bedanken. Zu unserer Freude hatte auch der Wiener Wettergott sein Schärflein zum Gelingen des Treffens beigetragen.
Mit einem Kaffeehausbesuch klang das Treffen bei Melanche und Sachertorte aus.

Wir freuen uns auf das nächste Jahrestreffen 2003 in Dresden.

 

Bilder des Treffens hier

 

Brigitte Fiebig, Neuer Botanischer Garten Goettingen