im Verband Botanischer Gärten e. V.

 
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6.Treffen der Stauden- und Alpinengärtner/ Innen im Botanischen Garten Utrecht

vom 7. und 8. April 2000

 

 

Angereist waren 31 Kolleginnen und Kollegen aus 13 Gärten. Nach einem gemeinsamen Imbiß wurden wir durch das eindrucksvolle Alpinum geführt, das auf einer Remise des Forts Hoofddijk angelgt ist. Die Felspartien bestehen aus 2100 t Gestein aus den belgischen Ardennen. Mit 3000 Gattungen gehört die Utrechter Alpenpflanzensammlung zu einer der größten Europas. Auch der Eingangsbereich des Gartens ist mit Steingartenpflanzen und mit Steinen der besonderen Art gestaltet. Beeindruckend sind 2 Kugeln aus alten gebrochenen Pflastersteinen. Auf den unteren, stets dem Regen abgewandten Hälften wachsen üppige Dionysienpolster. Ein Arrangement aus halben Abwasserrohren animiert die Besucher, sich mit einfachen Mitteln geeignete und durchaus ansehnliche Pflanzmöglichkeiten für Alpine herzustellen.

Am Abend trafen wir uns unter dem Dach unserer schönen Jugendherberge zum Erfahrungsaustausch. Themen waren:

Zusammenarbeit der BGs mit Vereinen und ähnlichen Organisationen

Herr Wiert Nieuman, unser Gastgeber und Verantworlicher für das Alpinum im BG Utrecht, ist seit 15 Jahren Vorsitzender des Niederländischen Steingartenvereines. Dadurch besteht eine enge "Symbiose" des Vereines mit dem Garten. Es werden sowohl Pflanzen als auch Kulturerfahrungen ausgetauscht. Im Winter werden einige fachkundige Vorträge gehalten. Zweimal jährlich finden Verkaufsveranstaltungen statt. Beide, der Verein und der Garten haben einen hohen Bekanntheitsgrad unter den AlpinenliebhaberInnen in Europa.

Eine Zusammenarbeit besteht auch zwischen:

* BG Dresden mit der Kakteengesellschaft, den Junggärtnern und dem Landesverein Sächsischer Heimatschutz
* BG Schöllerhau und dem Umweltministerium Sachsen (wichtige Finanzierungsquelle)
* BG Kiel mit einem Orchideenverein und der Firma renatur
* BG Hamburg mit der Heidegesellschaft, dem Orchideen- und dem Bromelienverein
* NBG Göttingen mit dem Landschaftspflegeverband.

Beschaffung von Pflanzen und Samen, wer bestellt aus den Katalogen?

* Kiel: Gärtner stellen für ein koordinierte Bestellung eine Fehlliste auf, können die Kataloge aber auch durchsehen. Teilweise Zukauf von Pflanzen.
* Wien: die Gärtner bestellen selbständig mit der Auflage, auf Wildherkünfte zu achten. Es wird auch selbst wild gesammelt.
* Hamburg: Reviergärtner sehen die Kataloge nach Wildherkünften durch. Zur Orientierung erhalten sie vom Kustos eine Pflanzenliste. Zukauf ist möglich.
* Berlin: Reviergärtner melden fehlende Arten. Bestellt wird vom Freilandmeister und vom Kustos. Zukauf ist möglich.
* Würzburg: Herr Kammerlander bezieht ein Drittel seiner Samen aus den Indices der Gärten und zwei Drittel von Liebhabern und komerziellen Wildsamenhändlern, mit denen er größtenteils tauscht.
* Göttingen: Gartenleiterin bestellt nach Bedarf und Pflanzenwünschen der Gärtner und des Kustos.
* Dresden: Kataloge kursieren unter drei Abteilungen, dem Technischen Leiter und der Kustodin mit einer Verweildauer von je 5 Tagen. Es wird auf eine Herkunft pro Art wertgelegt. Priorität haben heimische, d.h. sächsische Rote-Liste-Arten.

Aussaat-Erfahrungen

Mit Gibberellinsäure (GA3) wurden diverse Erfahrungen gemacht:

* mit GA3 behandelter Samen läuft gleichmäßiger auf
* der Kälte- und Lichtbedarf werden bei vielen Arten aufgehoben
* bei Trillium wurde keine Wirkung festgestellt, am besten frisch geerntet ("milchreif") aussäen, die Keimung kann dann immernoch über 1 Jahr dauern
* auch gelagerter Paeonien- und Irissamen liegt mit GA3 noch über
* gute Wirkung zeigen Primulaceen
* nicht geklärt werden konnte, ob die Keimfähigkeit des Saatgutes erhöht wird
* verwendet wird 80%iges GA3, ein Gramm pro Liter Wasser; das Gramm kostet etwa 22,- DM
* abzuwägen bleibt der Arbeits-und Kostenaufwand der Gibberellinaplikation der einzelnen Samenportionen gegenüber einer zügige Aussaat im kalten Kasten und dem Überliegen mancher Arten
* als Literatur zu diesem Thema wird empfohlen: Seed Germination: Theory & Practice by Norman C Deno (£20.75 +£3.50) und First Supplement to Second Edition of Seed Germination, Theory & Practice by Norman C. Deno (£15.50 + £2.50) zu beziehen bei der Alpine Garden Society.

Es wird die mangelnde Qualität der Lagerräume in manchen Botanischen Gärten kritisiert und damit die mangelnde Keimfähigkeit mancher Lieferung. Ein Lagerraum soll kühl sein und eine Luftfeuchte von 40% nicht überschreiten. Eine Alternative ist die Lagerung in mit Gefäßen mit Silikagel im Kühlschrank.

Vermehrungsprobleme bei Adonis vernalis liegen an der oft sehr schlechten Ausbildung der Samen an der Pflanze. Bei Oxytropis müssen die Körner bei der Aussaat weit auseinanderliegen, da sie sich gegenseitig hemmen.

Auf Erfahrungen mit der Aussaat von Farnsporen können nur einige Kolleginnen und Kollegen verweisen. Danach werden Schraubdeckelgläser mit steriler Erde gefüllt, ausgesport und die Gläser verschlossen. Die Temperatur soll kühl sein (8-20°C) und gleichmäßig. Die Keimung kann sehr schnell geschehen (24 h). Ist nach 4 Wochen nichts gekeimt, ist mit keinem Erfolg mehr zu rechnen. Kontrovers wird diskutiert, ob hell oder dunkel ausgesport werden soll. Mehrfach ist die Erfahrung gemacht worden, daß Sporenliferungen aus Botanischen Gärten nur Dreck und Staub bestehen.

Neben den o.g. Aussaatbüchern von Norman Deno werden auch empfohlen: "Pflanzen für das Alpinenhaus" von Fritz Kummert und die Aussaattips vom BG Wisley.

Es wurde angeregt, elektronische Sammelblätter mit Kulturerfahrungen anzulegen und per e-mail zu versenden und zu ergänzen. Es zeigte sich jedoch, daß nur einzelne Kolleginnen und Kollegen direkten Zugang zu Computer und e-mail haben.

Den zweiten Teil des Abendprogrammes bestimmten drei Diavorträge:

Herr Kammerlander (Würzburg) berichtete von seinem neuen Alpinenanzuchtshaus ( 3 x 6m) mit automatischer Lüftung. Das Standartmodell der Fa. Grieger wurde um eine durchgehende Lüftung erweitert und die UV-Durchlässigkeit mit ALLTOP- Plexiglas mit notrop Beschichtung der Fa. Röhm verbessert. Die Glasqualität macht die Hälfte der Kosten für das Haus von 13 000,-DM aus.
Die Stelltische sind mit einer seit Jahren bewährten Kapillarbewässerung ausgestattet. Dazu haben sie einen Rand von 30 cm, sind mit Teichfolie ausgeschlagen und mit Kies und Sand aufgefüllt. Die Töpfe werden eingesenkt. Bewässert wird mit einem Bewässerungsrohr, das in der Kiesschicht verläuft. Das Wasser verteilt sich kapillar auf dem Tisch und in die Tontöpfe. Zur Kontrolle dienen ein Überlaufrohr und ein Kontrollrohr. Diese Bewässerung ist sehr arbeitsextensiv, da nicht oft bewässert werden muß. Zur weiteren Verbesserung soll noch eine automatischen Steuerung erstellt werden.

Frau Bartram (Göttingen) berichtete von ihrem dreimonatigen Arbeitsaufenthalt im BG Kirstenbosh in Südafrika im Rahmen des Internationalen Gärtneraustausches. Sie erhielt von der Stiftung ein Stipendium.

Herr Funk (Jena) ließ den Abend ausklingen mit Impressionen vom Keukenhof.

Am Samstagvormittag hatten wir Gelegenheit, die vom Niederländischen Steingartenverein in Zusammenarbeit mit dem Botanischen Garten organisierte Verkaufsveranstaltung zu besuchen. Eine große Anzahl von Händlern bot ein sehr interessantes und nicht alltägliches Sortiment an. In einem Gewächshaus stellten die Vereinsmitglieder ihre Prachtstücke dem kritischen Besucherauge dar und ernteten manches fachkundige Lob.

Am Nachmittag besuchten wir den Heempark Amstelveen. Der Park liegt in einem Moorgebiet und ist von einem Gewässer durchzogen. Er ist 13 ha groß und wird von 8 Personen gepflegt. Gezeigt werden alle in den Niederlanden heimische Pflanzenarten. Bei der Pflanzung wird dabei eher auf gestalterische als auf pflanzensoziologische Aspekte wertgelegt. Wir waren nicht die einzigen, die den schönen Park durchwanderten, er war gutbesucht.


Den Abend und damit unser gemeinsames Programm rundete ein eindrucksvoller Diavortrag ab von Herrn Eric Breed über besondere Zwiebelblumen und deren Anbau in den Niederlanden. Gezeigt wurden uns viele Wildarten, die auch für das Alpinum oder das Alpinenhaus geeignet sind.

Das nächste Treffen der Stauden- und AlpinengärtnerInnen wird im Brockengarten des Nationalparkes Hochharz am 8. und 9. Juni 2001 stattfinden. Es erwartet uns ein interessantes Programm. Harry Jahns wird einen Vortrag halten über seine China-Exkursionen mit der AGS. Ein Vortrag über Dionysien im Iran ist in Planung. Natürlich verlassen wir Wernigerode nicht ohne den Garten von Herrn Strumpf gesehen zu haben. Eine Einladung mit Detailles wird noch veröffentlicht.

Auch für das Jahr 2002 besteht schon eine Planung: eingeladen haben die Kollegen aus Wien u.a. zu einer Exkursion in die Berge.

 

Bilder des Treffens

 

Brigitte Fiebig, Neuer Botanischer Garten Goettingen