im Verband Botanischer Gärten e. V.

 
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Bericht über die Exkursion zum Gülper See am 14.6.2008

 

Kurz nach 8 Uhr fuhr der Bus mit allen Exkursionsteilnehmern am Botanischen Garten ab. Auf dem Weg nach Nordwesten gab es ein paar Erläuterungen zur Landschaft, ihrer Geschichte und Ökologie. Das havelländische Luch als ehemals sehr ausgedehntes, jetzt aber komplett entwässertes Feuchtgebiet und die daraus emporragenden trockenen „Ländchen“ mit aufgesetzten Endmoränenkuppen bieten dafür reichlich Anhaltspunkte, vom Schloss in Ribbeck, Schauplatz des berühmten Gedichts von Theodor Fontane, bis zum Gollenberg in Stölln, wo Otto Lilienthal Flugversuche machte und schließlich tödlich verunglückte.
Der erste Halt war an der Prietzener Windmühle. Sie gehört der Universität Potsdam und ist zwar nicht mehr betriebsbereit, aber alle für die Funktion wichtigen Elemente sind noch vorhanden. Sie steht gleich hinter dem Deich zum Gülper See. Dieser ist bei Ornithologen sehr bekannt als Brut-, Überwinterungs- und Rastgebiet für Sumpf- und Wasservögel aller Art. Über ein hier laufendes aktuelles Forschungsprojekt zur Virologie der Vogelgrippe informierte Dr. Udo Mühle. Die Ufervegetation war nur von weitem zu sehen, aber die am Seedeich gut ausgeprägten Sandtrockenrasen konnten aus der Nähe betrachtet werden. Dr. Michael Burkart zeigte viele charakteristische Gräser, Kräuter und Kryptogamen.
Der nächste Halt war im Dorf Gülpe. Ein kurzer Gang auf die hochgewölbte Brücke über die Gülper Havel gab schon einen guten Überblick über das Gebiet. Auf den ersten Blick völlig flach wirkend, ist hier bei genauerer Betrachtung auf weniger als fünf Metern Niveau-Unterschied eine große Vielfalt von Lebensräumen ausgeprägt, die von permanent nassen über nur zeitweise überschwemmte und wechselfeuchte bis zu sehr trockenen Bedingungen reichen. Die Herren Mühle und Burkart erläuterten die große Dynamik des Wasserhaushalts mit ihren Auswirkungen auf Pflanzen, Tiere und menschliches Wirtschaften. Bei der Wanderung entlang der Gülper Havel bis zu Gahlbergs Mühle gab es dazu zahlreiche Dinge zu sehen. An Pflanzenarten besonders bemerkenswert sind hier Stromtalpflanzen wie die gerade schön blühende Scutellaria hastifolia oder der Vollparasit Cuscuta lupuliformis, aber auch weiter westlich nicht mehr vorkommende Arten wie etwa Urtica kioviensis oder Achillea salicifolia mit allen (hybridogenen) Übergangsformen zu A. ptarmica. Für viele überraschend war vor allem das Auftreten feuchtebedürftiger Arten an scheinbar sehr trockenen Standorten, was sich aus der starken Dynamik der Wasserstände erklärt. Die offenbar jetzt so trockenen Flächen konnten denn auch bei näherem Zusehen als oft noch kürzlich überschwemmt erkannt werden. Der Mensch versucht hier schon lange, den Wasserhaushalt nach seinen Bedürfnissen zu regeln. Ein historisches Nadelwehr konnte ganz frisch restauriert bestaunt werden.
Die Mittagspause wurde nur zu Beginn von einem Regenschauer gestört, dann erfreuten sich alle an den vom Fischer Schröder und seinen Mitarbeiterinnen auf Gahlbergs Mühle aufgetragenen leckeren Essen. Aufgrund der fortgeschittenen Zeit wurde danach gleich die Rückfahrt nach Potsdam angetreten, der geplante Besuch von „Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide“ musste leider entfallen. Stattdessen besuchte ein Teil der Gruppe noch die Potsdamer Freundschaftsinsel mit ihren Staudenpflanzungen.