im Verband Botanischer Gärten e. V.

 
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16. Jahrestreffen der Alpinen- und Staudengärtner/innen in Osnabrück,
vom 28. Mai – 30. Mai 2010

 

Zum 16.Treffen der Arbeitsgruppe Alpine-u.Staudengärtner trafen sich dieses Jahr 27 Gärtner u.Gärtnerinnen vom 28.-30.05.2010 im Botanischen Garten der Universität Osnabrück.
Nach dem wir gegen 12 Uhr nahezu komplett waren, wurden wir vom Kustos des B.G., PD Dr. N. Friesen im Überwinterungshaus offiziell begrüßt.
Im Anschluss hieran übernahm Dr. Peter Borgmann mit einer Führung durch die Genbank für Wildpflanzen für Ernährung und Landwirtschaft(WEL). Das Projekt WEL wird für die Dauer von drei Jahren vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung gefördert. Der Botanische Garten Osnabrück koordiniert den Aufbau und die Etablierung der Genbank, an dem die Botanischen Gärten der Universitäten Berlin, Regensburg und Karlsruhe sowie die Päd. Hochschule Karlsruhe beteiligt sind. Zentrale Aufgabe des Projektes ist eine deutschlandweite Saatgutsammlung heimischer Wildpflanzenarten, die einen direkten bzw. potentiellen Nutzwert für den Menschen haben. Hierzu zählen ca. 2000 Pflanzenarten mit einem vielfältigen Einsatzbereich als pflanzengenetische Ressourcen, z.B. als Arznei-, Eiweiß- und Nektar-Pflanzen oder als Ausgangsmaterial für die Kulturpflanzenforschung. Das Wildpflanzensaatgut wird in den Beprobungsräumen der beteiligten Institute gesammelt, aufgearbeitet und hier bei Tiefkühltemperaturen aufbewahrt.
Nach einer kurzen Pause teilten wir uns in zwei Gruppen auf, um den Garten kennen zu lernen.
Der Technische Leiter Herr U. Rösemann übernahm die Freilandführung. Nach einer kurzen allgemeinen Einführung, ging es in den Garten. Der Botanische Garten Osnabrück ist in einem ehemaligen Steinbruch angesiedelt, dessen Fläche 5,6 ha beträgt. Der Schwerpunkt im B.G. liegt in der Darstellung von Pflanzengemeinschaften z.B. der Wälder Nordamerikas und Eurasiens und der Pflanzen der Gebirge Europas sowie dem Heilpflanzengarten,den Duftpflanzen, den Steppenpflanzen, den bedrohten Pflanzen in Niedersachsen, den Brassicaceen und den Alliaceae. Danach wechselten die Gruppen und wir wurden von Herrn F. Hawighorst, dem Gewächshausmeister, durch die Gewächshäuser geführt. Im Regenwaldhaus, welches über die Steilkante des Steinbruches hinaus gebaut wurde, konnten wir einen Eindruck davon gewinnen, wie es in den Tropen sein kann: Je höher wir die Wendeltreppe emporstiegen, desto wärmer und feuchter wurde es. Herr Hawighorst gab uns einen Einblick in die Technik der Bewässerung und ihrer Probleme. Anschließend besuchten wir die Anzuchtgewächshäuser, die verschiedene Pflanzengruppen zeigen: u.a.Orchideen, tropische Nutzpflanzen, Bromelien, Farne, Kalthauspflanzen und Sukkulente. Die Anzuchthäuser sind außer zu speziellen Führungen nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.
Im Anschluss hielt Herr Rösemann einen Vortrag über den B.G. Osnabrück, in dem er noch einmal die Entstehung des 1984 gegründeten Gartens, die Personalsituation, die Projekte, wie das neue BITZ-Biologisches Informationszentrum, die Grüne Schule, den Freundeskreis und die Anbindung eines angrenzenden naturbelassenen Kalksteinbruches vorstellte. Dieser Steinbruch, der vom Freundeskreis für 30 Jahre gepachtet wurde, und eine Naturschutzfläche nach Paragraph 28a umfasst, soll weitgehend naturbelassen bleiben und durch Führungen der Bevölkerung nahe gebracht werden. Geringe Eingriffe, wie die Vermeidung von Verbuschung oder das Beseitigen von Neophyten wie Heracleum mantegazzianum und  Fallopia japonica sind erlaubt. Neben einer geschützten Laufkäferart haben sich auch Fledermäuse im ehemaligen Dynamitlager angesiedelt.
Im nachfolgenden Vortrag beschrieb der Kustos PD Dr. Nikolai Friesen die Gattung Allium. Sie umfasst ca. 850 Arten, davon 87 in Nordamerika und 760 in Eurasien. Sie sind über die Nordhemisphäre und Südafrika verbreitet. Cirka 1600 Artnamen sind bekannt, davon sind die Hälfte Synonyme. Die Morphologie der Allium ist sehr vielfältig-die Blütenfarbe ist rosa, gelb, weiß oder blau. Die Blätter können, wie z.B. bei Allium ursinum sehr breit sein oder rund wie bei Allium schoenoprasum. Die Alliaceae teilen sich in drei Unterfamilien auf:
Allioideae-Nordamerika
Tulbaghiadea-Südafrika 
Gilliesioideae-Kalifornien, Texas, Südamerika
Des weiteren bilden sich 72 Sektionen. Seit mehr als 5000 Jahren sind die Kulturarten wie z.B. Knoblauch bekannt. Durch Sammeln am Naturstandort sind z.B. Arten wie Allium fistulosum in der Mongolei stark bedroht. Durch DNA-Differenzierung lassen sich heutzutage Verwandtschaften besser nachweisen. Cirka 240 Allium- Arten befinden sich in Kultur.
Am Samstagmorgen fuhren wir zum Botanischen Garten Münster, wo uns der Freilandmeister Herr M. Voss begrüßte. Der B.G. Münster befindet sich seit 200 Jahren am selben Standort in unmittelbarer Nähe des Schlosses, was eine Ausweitung unmöglich macht. Er umfasst eine Fläche von 4,6 ha mit u.a. altem Gewächshausbestand für dessen Besichtigung leider keine Zeit mehr blieb. Herr Voss führte uns durch den Garten: Wir sahen das Alpinum, Heide u-Moorbereich, einen Bauerngarten, den Duftgarten, ein neu angelegtes System und einen Heilpflanzengarten. Das Besondere am Heilpflanzengarten ist die Realisierung durch die Firma Spitzner (Arznei), die die Anlage und eine jährliche Pflegepauschale finanziert. Durch die gerade neu überarbeitete Farnschlucht kamen wir zu einem großen Zelt, in dem an diesem Wochenende eine Veranstaltung mit dem Thema „Unkraut für Gourmets"  stattfand. Es wird aus, vom Personal des B.G. gesammelten Wildkräutern, ein Menü von Gourmetköchen zubereitet und für 60€ pro Person kann man es genießen. Es findet in der Bevölkerung großen Anklang-eine nette Idee!
Nach einer kleinen Stärkung fuhren wir mit dem Bus nach Hagen zum Naturschutzgebiet Silberberg. Hier trafen wir den Dipl. Biologen PD. Dr. Walter Bleeker ,der die Exkursion leitete. Der Silberberg besteht aus 225 Millionen Jahre altem Gestein mit Zink, Blei und Silber, sowie aus 90 Millionen Jahre altem Kalkgestein. Auf kleinstem Raum kam es durch Verwerfung zur Vermischung unterschiedlichsten Gesteins. Im 12.Jahrhundert wurde ca. 6 Jahre Silber abgebaut, wurde aber wegen geringem Vorkommen wieder beendet. Der Silberberg ist schon vor dem 2.Weltkrieg zum Naturschutzgebiet erklärt worden, was u.a. dem Osnabrücker Botaniker Karl Koch zu verdanken ist. Der Silberberg weist eine Trockenrasenvegetation-einen Kalktrockenrasen auf. Wir konnten eine breite Palette von bedrohten Arten sehen , wie z.B.

Avena pratensis
Briza media
Carlina vulgaris
Cephalantera longifolia
Cephalantera damasonium
Dactylorhiza fuchsii
Danthonia decumbens
Epipactis atrorubens
Epipactis helleborine
Euphrasia stricta
Listeria ovata
Melica nutans
Neottia nidus-acris
Ophrys insectifera
Orchys mascula
Platanthera chlorantha
Thlaspi calaminare
Die Fläche wird einmal im Jahr gemäht und auflaufende Gehölze entfernt.
Zurück im B.G. Osnabrück blieb noch Zeit für eine intensive Begehung verschiedener Bereiche im Garten.
Bei der anschließenden Besprechung der Formalien der Arbeitsgruppe wurden Grüße von Hans Martin Schmidt übermittelt und bekannt gegeben, dass er nicht mehr Gruppensprecher ist, sondern seine Vertreterin Claudia Schröder, B.G. Osnabrück. Zu Ihrer Vertreterin wurde Frau Jenny Wainwright-Klein vom B.G. München gewählt.
Da es im Vorfeld leider  bei einigen Kolleginnen Schwierigkeiten mit der Genehmigung zum Treffen zukommen gab, führten wir eine kleine anonyme Umfrage durch.
Von 23 teilnehmenden Personen antworteten:
12 - Das Treffen wurde als Fortbildung in vollem Umfang genehmigt
7 - Das Treffen wurde als Fortbildung zum Teil genehmigt
3 - Das Treffen ist „Privatvergnügen“
15 - Die Kosten werden übernommen
5 - Die Kosten werden zum Teil übernommen
3 - Die Kosten müssen selbst übernommen werden
Ein wie ich persönlich finde, doch positives Resultat, so dass ich hoffe, dass auch in Zukunft viele Kollegen und Kolleginnen zu unseren Treffen kommen werden.
Am Sonntagmorgen hielt Sven Nürnberger vom Palmengarten Frankfurt einen Vortrag über seinen fünfwöchigen  Aufenthalt auf den Falklandinseln.
Auf den Inseln herrscht ein kühl-ozeanisches Klima, das für milde Winter und verhältnismäßig niedrige Temperaturen während des Sommerhalbjahres sorgt. Es finden sich saure Böden mit einem PH-Wert von 4-5. Die Flora hat einen gedrungenen Wuchs und bildet oftmals flache Polster aus.
Die Flora der Falkland-Inseln umfasst 171 einheimische Gefäßpflanzenarten, davon sind 13 endemisch.
Einige Beispiele:
Acaena lucida               Rosaceae
Azorella filamentosa         Apiaceae
Baccharis magellanica       Asteraceae
Blechnum magellanicum     Blechnaceae
Bolax gummifera             Apiaceae
Caltha sagittata             Ranunculaceae
Chiliotrichon diffusum        Asteraceae
Cortaderia pilosa             Poaceae
Cotula sceriosa              Asteraceae
Drosera uniflora              Droseraceae
Empetrum rubrum           Empetraceae
Gunnera magellanica        Gunneraceae
Hebe elliptica                Scrophulariaceae
Leucheria suaveolens        endemisch
Nassauvia gaudichaudii      Asteraceae
Perezia recurvata            Asteraceae
Poa flabellata                Poaceae
Senecio lithorialis            Asteraceae  endemisch
Sisyrinchium chilense        Iridaceae

Außerdem zeigte Sven uns Bilder der Tierwelt. Hier konnten wir Magellanpinguine, Magellangänse, Albatrosse und Felsenpinguine bewundern.
Im Anschluss an den sehr interessanten Vortrag brachen wir zu einer Begehung des benachbarten naturbelassenen Steinbruches auf. Hier demonstrierte uns Herr Markus Karow, Mitarbeiter der Grünen Schule, in Natura das, was Herr Rösemann in seinem Vortrag erwähnt: Die Naturschutzfläche, die vor 2 Jahren abgeschoben wurde um eine Abmagerung zu erreichen, die Invasionsarten wie Heracleum und Fallopia, die von Markus Karow in regelmäßigen Abständen beseitigt wird und die Fledermausstollen.
In Kürze wird es möglich sein, den 2.Steinbruch durch einen Tunnel vom B.G. aus zu erreichen.
Danach verabschiedeten wir uns schon von einigen Teilnehmern und der Rest ließ sich noch bei einer sehr kurzweiligen Stadtführungen von Herrn Stefan Schlie die Altstadt von Osnabrück zeigen.
Ich hoffe, allen hat es gefallen, Jörg und mir als Initiatoren hat es großen Spaß gemacht.

 Unser nächstes Treffen wird aller Voraussicht nach vom 17.-19.06.2011 in Halle stattfinden.

Claudia Schröder  B.G. Osnabrück

 

Bilder des Treffens