im Verband Botanischer Gärten e. V.

 
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11. Jahrestreffen der Alpinen- und Staudengärtner/innen in München,

vom 8. Juli – 10. Juli 2005

 

Die Mitglieder der AG Alpine- und Staudengärtner trafen sich zu ihrem 11. Jahrestreffen im Botanischen Garten München Nymphenburg. Obwohl die Wettervorhersagen nichts Gutes erwarten ließen haben sich ca. 60 Gärtnerinnen und Gärtner in München eingefunden.

 

Freitag, 8.Juli 2005

Nach der Anmeldung im Aufenthaltsraum des Botanischen Gartens, startete das Gärtnertreffen mit einer kurzen Begrüßung der Teilnehmergruppe durch den Konservator des Gartens Herrn Dr. Andreas Gröger, um 13:00 Uhr.

Da das Programm ziemlich umfangreich war ging es unmittelbar danach in 4 Gruppen aufgeteilt durch die einzelnen Freilandbereiche des Gartens.

Durch das Alpinum führten: Dr. Andreas Gröger und Franz Schlegel

Dort sind neben vielen anderen Arten Oenothera alpina, Gentiana dinarica, Cerastium beibersteinii, Stachys pumila, Ilex pernii und Minuartia circasica aufgefallen.

In den letzten Jahren nehmen die Arten des Kaukasus zu, da Dr. Gröger dieses Gebirge mehrfach bereiste und einige Pflanzen gesammelt hat.

Durch den Rhododendronhain: Martin Beck

Durch die Alpine Anzucht und das Alpinenhaus: Rudi Müller und Jenny Wainwright-Klein

Jenny Wainwright-Klein führte durch ihren Arbeitsbereich, das Alpinenhaus und die alpine Anzucht.

Das Alpinenhaus gliedert sich in einen frostfreien und einen unbeheizten bereich.

Während des Treffens blühten besonders schön Thymus cilicicus, Tuberaria lignosa, Verbascum pestalozzae, Calceolaria valdiviana. Im Ganzen Haus hat sich Aquilegia pyrenaica ssp. cazorlensis ausgebreitet, ein lieblicher, dunkelblau blühender Zwerg, der sich sichtlich wohl fühlt.

Im Bereich der Anzuchtkästen sind ein Schotterbeet und ein Trockenmauer besonders aufgefallen. Hier zeigten sich verschiedene Pflanzen wie z. B. Arenaria lithops oder Fibigia triquetra mit besonders prächtigen Polstern.

Und durch den Schmuckhof führte: Hans Schmitt

Nach einer anschließenden Kaffeepause hatten die Teilnehmer 2 Stunden zur freien Verfügung um nochmals die, für die einzelnen besonders interessanten Bereiche zu besichtigen, bzw. ausgiebig Fachgespräche zu führen.

Ab 18:00 fanden im Hörsaal des Bot. Gartens 3 Vorträge statt.

Zunächst berichtete unserer Kollege Lutz Funk, mit einigen Dias von einer Reise in das venezuelanische Paramo.

Anschließend informierte Jenny Wainwright-Klein über ihren Aufenthalt in südl. Afrika, im Botanischen Garten Katse in Lesotho. Dieser Garten ist noch sehr jung und wurde als Ausgleichsmaßnahme beim Bau eines Stausees errichtet. Jenny Wainwright-Klein war für 4 Wochen in Lesotho. Die Reise fand im Rahmen des Gärtneraustausches statt. Am Gärtneraustausch interessierte Kollegen können sich gerne mit Frau Wainwright-Klein in Verbindung setzten. Stiftung Internationaler Gärtneraustausch: www.gaertneraustausch.de

Der 3. Vortrag hatte die Erden und Substrate in der Gebirgspflanzengärtnerei ‚floramontana'

unseres Kollegen Hans Martin Schmidt zum Thema.

Anhand einiger Substratproben und darin kultivierter Pflanzen, erläuterte er die verschiedenen Komponenten seiner Erdmischungen und sprach über die in diesen Erden gemachten Erfahrungen. Die schriftlichen Unterlagen des Vortrages sind dem Protokoll beigefügt.

Ab ca. 20:00 trafen sich die Teilnehmer zum Abendessen, in der Nähe des Gartens, im Restaurant ‚Poseidon'.

 

Samstag, 9. Juli 2005

Der Samstag begann bereits sehr zeitig. Die Gärtner und Gärtnerinnen machten sich am frühen Morgen auf den Weg nach Elmau, bei Garmisch-Partenkirchen, um vom dortigen Wanderparkplatz um 7:00 den Aufstieg zum Schachengarten zu beginnen.

Schon entlang des Weges fand sich eine Vielzahl interessanter Pflanzen. Bereits im unteren Bereich des Weges wird einer der seltenen nordalpinen Bestände von Saxifraga mutata, dem Kieselsteinbrech, durchkreuzt.

Auf halber Höhe hatten die Münchner Kollegen eine Verpflegungsstation eingerichtet die gerne angenommen wurde.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen im Schachenhaus stand der Besuch des auf 1850m gelegenen Schachengartens an.

Geführt wurden die Teilnehmer von den beiden, seit mehreren Jahren, für den Garten verantwortlichen Gärtnern Jenny Wainwright-Klein und Thomas Heller

Bereits am Eingang wird man von einer schönen Gruppe Meconopsis betonicifolia empfangen. Auch andere Meconopsis-Arten gedeihen unter den Witterungsbedingungen des Alpengartens phantastisch. Besonders aufgefallen sind schöne Bestände asiatischer Primeln, wie Primula sikkimensis, P. involucrata, P. secundiflora, P. warshnewskiana, P. reptans und andere. Aber auch andere Pflanzen, deren Kultur unter Flachlandbedingungen schwierig ist, gedeihen in dieser Höhe hervorragend. Wie Saussurea nepalensis, Androsace lehmannii, Andr. yargongensis, Primula deorum, Pr. X florkeana.

Zwischen den Pflanzungen des pflanzengeographisch gegliederten Gartens hat sich Corydalis cashmeriana wieder ausgebreitet, nachdem der Bestand vor einigen Jahren durch Mäuse fast vernichtet wurde. Ein weiteres Highlight bei unserem Besuch war eine blühende Pflanze von Megacarpaea polyandra. Die Art benötigt mehrere Jahre um ihren fast mannshohen Blütenstand auszubilden und stirbt nach der Blüte ab.

Ein gerade neu entstehender Abschnitt soll einmal die Flora der südlichen Hemisphäere zeigen.

Aus den Erzählungen der beiden Betreuer des Gartens lassen sich die Schwierigkeiten erahnen, mit denen die gärtnerische Arbeit in solchen Höhen verbunden ist. Die Vegetationsperiode ist sehr kurz und immer wieder von Schneefall und Frostnächten unterbrochen.

Nach Besuch des Schachengartens stand eine Exkursion zum Schachenboden, einer unterhalb des Gartens gelegenen Senke auf dem Programm. Einzelne Gruppen machten sich unter Sachkundiger Führung von Dr. Franz Schuhwerk und Hans Goetzke den Weg, die von Kalkgeröll und steilen Matten beherrschte Fläche zu erkunden. In den Geröllfeldern dominierten gelb blühende Doronicum grandiflorum, aufgelockert mit blauen Myosotis alpestris. In den Randbereichen fanden sich Viola biflora, Veronica aphylla, Androsace chamaejasme und viele andere Vertreter der nordalpinen Kalkflora.

Eine geologische Besonderheit boten die Wiesenflächen gegenüber der Wettersteinwand. Hier treten sauer verwitternde Reiblerschichten zu tage. Dadurch bieten sich mitten im Wettersteinkalk Lebensräume für typische Vertreter der Silikatflora, wie Phyteuma hemisphaerica zwischen den Kalkarten wie Ranunculus alpestris, Primula farinosa, Pinguicula alpina und viele mehr.

Im Anschluß war Gelegenheit das oberhalb des Schachengartens gelegene Königshaus Ludwigs II zu besuchen.

Leider lud das regnerische Wetter nicht zu weiteren floristischen Ausflügen in die nähere Umgebung ein, sodaß der Tag bei einem gemütlichen Abendessen im Schachenhaus ausklang.

 

Sonntag, 10. Juli 2005

Über Nacht hatte sich der Regen weiter ausgebreitet und die von einzelnen Teilnehmern geplanten Ausflüge vereitelt. Die Gruppe löste sich deshalb nach dem Frühstück auf und begann den Abstieg zum Parkplatz in Elmau, wo das 11. Gärtner/innentreffen der AG beendet wurde.

Abschließend möchte ich den Münchener Kollegen sehr herzlich für die Mühen und Arbeiten der Vorbereitung und Durchführung unseres Gärtner/innentreffens bedanken.

Das 12. Jahrestreffen der AG Alpinen- und Staudengärtner wird voraussichtlich im Juni 2006 im Botanischen Garten Tübingen statt finden.

Feuchtwangen, 20.11.2005

Hans Martin Schmidt

Gruppensprecher

 

Bilder des Treffens hier

 

Brigitte Fiebig, Neuer Botanischer Garten Goettingen