im Verband Botanischer Gärten e. V.

 
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10. Jahrestreffen der Alpinen- und Staudengärtner in Jena,

vom 14.05. – 16.05.2004 :

 

 

Dorothea Krahner hatte die AG Alpinen- und Staudengärtner in den Botanischen Garten der Friedrich-Schiller-Universität nach Jena eingeladen. Die AG traf sich zum 10. Jahrestreffen.

Mit 47 Teilnehmern hatte sich auch zu diesem Treffen eine große Gruppe von Gärtnern aus dem ganzen Bundesgebiet eingefunden.

 

Freitag, 14.05.2004:

Zum offiziellen Beginn um 13:00 Uhr wurde die Gruppe von Frau Dr. Dietrich begrüßt. Verbunden mit der Vorstellung des Gartens folgte ein ausführlicher Ausflug in die über 400 jährige Geschichte des Botanischen Gartens, die sehr eng mit dem Wirken von J. W. von Goethe verbunden ist.

Beim nächsten Programmpunkt, in dem uns Frau Dr. Dietrich, mit einem Ausflug zu Pflanzenraritäten der Neuseeländischen Südalpen, auf die südliche Erdhalbkugel führte, wurde es für die anwesenden Alpinengärtner interessant.

Die zum holantarktischen Florenreich gehörende Pflanzenwelt Neuseelands zählt ca. 2300 Gefäßpflanzenarten und birgt viele, bei Alpinen- und Staudengärtnern, begehrte und mit mehr oder weniger Mühen, gepflegte Pflanzenschätze. Durch die über 80 Mio. Jahre währende Isolierung hat sich dort eine uns oft fremde und mit vielen Gattungen nur in den südlichsten Erdteilen vorkommende Flora entwickelt. Ca. 70 % der Arten und 45 Gattungen sind Endemiten. Unter Alpinenfreunden weithin bekannte Gattungen sind die Asteraceae-Gattungen: Raoulia, Haastia, Leucogenes und Celmisia, die Scrophulariaceae-Gattung: Hebe, oder die besonders beim Jäten unangenehmen Aciphylla-Arten als Vertreter der Apiaceae.

Für unsere Arbeitsgebiete Alpinum und Staudenbeet sind die Baumfarne der Gattungen Dicksonia und Cyathea nur als Sommergäste denkbar.

Ein Vertreter der wenigen in Neuseeland heimischen Nutzpflanzen, der Neuseeländische Flachs, Phormium tenax, hat bei uns als Kübelpflanze, mit attraktiven Blattfarben, Einzug gehalten. Als Lieferant von Pflanzenfasern und einer, in der Volksmedizin, eingesetzten Wurzeltroge wird Phormium tenax in Neuseeland, Südamerika und Afrika angebaut.

Herr Dietmar Wolf, TL des Bot. Garten Greifswald, erläuterte im Anschluß seine Erfahrungen bei der Anzucht von Trillium-Arten aus Samen.

Er macht seine Aussaaten in saurem, durchlässigem Substrat. Bei ständiger Feuchtigkeit werden die Gefäße der Witterung ausgesetzt. Normaler weise keimen die Samen dann nach zweimaligem Überliegen. Nur sofort nach der Reife ausgesäte Samen keimen nach einmaligem Überliegen.

Die Keimung im 2. Jahr nach der Aussaat erfolgt mit nur 2 schmalen Keimblättern. Erst im 3. Jahr wird ein größeres, immer noch einteiliges Blatt ausgebildet. Im 4. Jahr werden dann die typischen dreiteiligen Laubblätter ausgebildet. Dann ist es auch Zeit, die Jungpflanzen an

ihren endgültigen Standort auszupflanzen. Der richtige Zeitpunkt ist nach der Vegetationsperiode, ab August oder September, wenn die Blätter bereits eingezogen sind.

Nach Herrn Wolfs Erfahrungen hat sich dabei eine Pflanztiefe von ca. 15cm bewährt.

Seine Substratempfehlung lautet: 3 T Kompost, 2 T Lauberde, 2 T grober Torf, ¼ T Sand.

Zur Düngung werden jährlich maximal 2 schwache Gaben eines PK-betonten Mehrnährstoffdüngers empfohlen.

Für einen weiteren Erfahrungsaustausch ist Herr Wolf unter folgender Adresse erreichbar:

 

Dietmar Wolf

Bot. Gart. Greifswald
Münterstr. 2
17489 Greifswald
Tel: 03834 / 86 11 31
Mail: dwolf@mail.uni-greifswald.de

 

Nach einer kurzen Kaffeepause wurden die Teilnehmer von Frau Krahner und Herrn Brantl durch den Garten geführt.

 Der Botanische Garten Jena verfügt über einen alten und damit auch sehr schönen Baumbestand, darunter der so genannte Goethe-Ginko der 1792 gepflanzt wurde und somit der älteste Baum des Gartens ist. Durch das Auf und Ab der Wege und Treppen ist der Garten sehr abwechslungsreich.

Das Alpinum ist durch einen Weg geteilt, an einer Seite gedeihen in einem nach Süden geneigten Felsenhang viele Polsterpflanzen. Gegenüber liegt eine kleingliedrige Anlage, die durch ihre verschiedenen Boden- und Feuchteverhältnisse vielen Pflanzen einen idealen Lebensraum bietet.

Als besonders problematisch wurde von Dorothea Krahner der Schachtelhalm bezeichnet, der das Alpinum durchwuchert. Da viele Kollegen das Problem kennen und ebenfalls damit zu kämpfen haben, wurde über die Bekämpfung angeregt diskutiert. In Jena wird der Schachtelhalm mit dem Herbizid ‚Banvel' bekämpft. Die Halme werden mit der Lösung bestrichen oder besprüht. Nach Dorotheas Auskunft hat sie damit Erfolg. Es tauchen zwar immer wieder Neutriebe auf, diese werden aber zusehens weniger. Ich kann diese Erfahrungen bestätigen. Die Wirkung von Banvel ist den, bei anderen Unkräutern bewährten, Glyphosat-Herbiziden weit überlegen. Leider ist die Wirkung nicht nur auf den Schachtelhalm beschränkt. Das Mittel ist auch gegen andere, breitblättrige Kräuter wirksam, auch über den Boden.

Eine vorsichtige Handhabung ist also dringend geboten. Ich arbeite zwischen den Pflanzen mit einer kleinen Sprühflasche und decke benachbarte Pflanzen mit einem Karton ab. Der Wirkstoff wird, wie bei den Glyphosaten, über die Blätter aufgenommen, es ist also darauf zu achten, möglichst viele Blätter bzw. grüne Pflanzenteile zu benetzen und dabei möglichst wenig Mittel auf den Boden zu bringen.

Anschließend führte Herr Knabe durch die Gewächshäuser.

Um ca. 18:00 Uhr begaben sich die Gärtnerinnen und Gärtner auf einen von Dr. Platen geführten Stadtrundgang, der die Teilnehmer auch in einige verträumte Ecken und Winkel Jenas führte. Beendet wurde die Führung in der Aula der Uni Jena vor einem monumentalen Bild des schweizer Malers Ferdinand Hodler, das den Auszug deutscher Studenten in den Freiheitskrieg von 1813 zeigt.

Nach einem leckeren und reichhaltigen Abendessen war Zeit um einige AG- bzw. Verbandsinterne Dinge zu besprechen.

Leider muß immer wieder festgestellt werden, dass Gärtnerinnen und Gärtner keine Einladungen bzw. Informationen über die Treffen erhalten. Die Teilnehmer richten deshalb eine dringende Bitte an die Vorgesetzten und Technischen Leiter, AG- und Verbandsinfos auch an die Gärtnerinnen und Gärtner weiterzuleiten.

Erfreulich ist, dass immer mehr Kollegen dem Verband der Botanischen Gärten auch privat beitreten, auch um Infos direkt zu erhalten.

Da Verbandsmitglieder keine Tagungsgebühr entrichten müssen, empfehle ich den Kollegen, die dem Verband persönlich beigetreten sind, zu den Treffen ihre Mitgliedsausweise vorzulegen. Normalerweise ist ein Mitarbeiter eines Gartens, der als Garten Verbandsmitglied ist, bei Verbandsveranstaltungen von der Teilnehmergebühr freigestellt. Die anderen Teilnehmer müssen die Gebühr entrichten.

Um den fachlichen Aspekt unserer Treffen noch mehr zu betonen, wurde von den Teilnehmern angeregt, zukünftig Fachvorträge, aus dem Kreis der Gärtnerinnen und Gärtner, anzubieten. Ein besonderes Augenmerk sollte dabei auf persönlichen Erfahrungen mit bestimmten Pflanzenarten, Kulturmethoden, Erfahrungen mit Düngern und Pflanzenschutzmitteln und anderen „Betriebsgeheimnissen“ liegen.

Jenny Wainwright-Klein hat zu unserem 11. Jahrestreffen die AG-Mitglieder nach München bzw. in den Alpengarten auf den Schachen eingeladen. Es gibt bereits einen Termin:

11. Jahrestreffen der AG Alpinen- und StaudengärtnerInnen im Bot. Gart. München

08.07. – 10.07.2005

 Abschließend möchte ich mich bei Dorothea Krahner und ihren Kollegen am Botanischen Garten Jena, auch im Namen aller Teilnehmer, nochmals ganz herzlich für die Durchführung des 10. Jahrestreffens der AG bedanken.

 Da ich bei der Exkursion in die ‚Toten Täler' nicht dabei sein konnte, hat das Protokoll der Exkursion Brigitte Fiebig verfasst.

 

Hans Martin Schmidt

Ostpreußenstr. 4

91555 Feuchtwangen

 

Tel: 09852 / 61 38 39

0173 / 34 32 079

Fax: 09852 / 61 38 43

 


Tagesfahrt am Samstag:

 

Unsere Exkursion unter der Leitung von Frau Dr. Dietrich führt uns durch die Thüringisch-Sächsisch-Anhaltinische Triaslandschaft. Während der Fahrt entlang grell leuchtender Rapsfelder fällt auch die Gelbe Skabiose, Scabiosa ochroleuca auf. Sie ist ein kontinentales Florenelement auf trockenen Wiesen. Am Waldrand entdecken wir das Bastard-Windröschen, Anemone x lipsiensis , eine Naturhybride aus A. nemorosa und A. ranunculoides.

 Unser erster Halt in Eckartsberga führt uns zur romanischen Eckartsburg. Im Burggraben an der Ostseite der Eckartsburg  tritt die tektonischen Wirkung der ,, Finnestörung´´ zutage. Wir erkennen eine ungewöhnliche Schichtung des Unteren Muschelkalkes mit einer fast senkrechten Lagerung.

 Weiter fahren wir auf der B 87 vorbei an dem Kur- und Weinort Bad Kösen, erkennen im Morgendunst die Silhouette des Domes zu Nauenburg und halten nach Großjena bei Großwilsdorf am Naturschutzgebiet „Tote Täler“. Wir wandern entlang eines Höhenzuges, der alles andere als tot ist. Das Naturschutzgebiet ist reich an Insekten- und Vogelarten. Die Orchideenrasen die wir uns näher betrachten wollen, drohen an manchen Stellen zu verbuschen. Die Artenvielfalt beeindruckend:

Anemone sylvestris Großes Windröschen

Anthericum ramosum Ästige Graslilie

Anthyllis vulneraria Wundklee

Arabis pauciflora Armblütige Gänsekresse

Astragalus glycophyllum Süßer Tragant

Bromus erectus Aufrechte Trespe

Bupleurum falcatum Sichelmöhre

Carlina vulgaris Golddistel, Kleine Eberwurz

Cephalanthera damasonium Weißes Waldvöglelein

Cynanchum vincetoxicum Weiße Schwalbenwurz

Epipactis atrorubens Braunrote Stendelwurz

Euphorbia cyparissias Zypressen-Wolfsmilch

Genista tinctoria Färber Ginster

Geranium sanguineum Blut-Storchschnabel

Gymnadenia spec noch ohne Blüte, ungew. große Blätter, Bastard?

Helianthemum canum Graues Sonnenröschen

Helianthemum nummularium Gemeinses Sonnenröschen

Inula hirta Rauher Alant

Listera ovata Eiförmiges Zweiblatt

Lithospermum purpurcaeruleum Blauer Steinsame

Ophris insectifera x sphegodes Fliegen x Spinnen-Ragwurz

Ophris insectifera Fliegen-Ragwurz

Orchis militaris x purpurea

Orchis militaris Helm-Knabenkraut

Orchis purpurea Purpur-Knabenkraut

Orchis tridentata Dreizähnige Orchis und Bastarde

Plathanthera bifolia Zweiblättrige Waldhyacinthe

Polygonatum odoratum Salomonsiegel

Salvia pratensis Wiesensalbei

Sorbus torminalis Elsbeere

 

Zum Mittagessen fahren wir nach Roßbach „Zur Hupe“ und kosten lokale Spezialitäten und Weine.

Danach bringen wir uns wieder in Schwung durch die Besichtigung des:

 Schloss Neuenburg in Freyburg an der Unstrut

Unweit von Naumburg an der Saale liegt hoch über dem Winzerstädtchen Freyburg die um 1090 vom Thüringer Grafen Ludwig dem Springer gegründete sagenumwobene Neuenburg, die Schwesternburg der Wartburg.

In ihrer hochmittelalterlichen Blütezeit wurde die Burg prachtvoll ausgebaut. Es entstand eine weitläufige Anlage mit repräsentativen Wohnbauten, mächtigen Türmen, gewaltigen Mauern und Toren.

Architektonisches Kleinod ist noch heute die um 1180 errichtete Doppelkapelle mit ihrer außergewöhnlichen Bauzier. (Auszug aus einer internet-Seite)

An den Burgmauern fällt uns die Weinraute, Ruta graveolens, auf.

 Da das Wetter zunehmend regnerisch wird, gibt es nur noch zwei kulturelle Stipvisiten. Wir fahren bei der legendären Sektkellerei „Rotkäppchen“ über den Hof und weiter nach Schulpforta zu einem Rundgang durch den Hof des Klosters Pforta. Das frühere Zisterzienserkloster ist seit dem 16. Jh. bis heute eine Eliteschule des Landes.

 


Protokoll von Brigitte Fiebig

 

Bilder des Treffens