im Verband Botanischer Gärten e. V.

 
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17. Jahrestreffen der Alpinen- und Staudengärtner/innen im Botanischen Garten Halle und der Hochschule Bernburg-Strenzfeld vom 27. Juni – 29. Juni 2011

 

Das diesjährige Treffen fand vom 27.5.-29.5.2011 im Botanischen Garten der Universität Halle an der Saale und in der Hochschule Bernburg-Strenzfeld statt. 39 Gärtner und Gärtnerinnen folgten der Einladung und wurden am Freitagmittag vom technischen Leiter des Botanischen Gartens Herrn A. Fläschendräger begrüßt.


Der Botanische Garten ist 4,7 Hektar groß und befindet sich seit 1638 an derselben Stelle.
Bei der anschließenden Führung durch die Gewächshäuser sahen wir eine Vielzahl verschiedener Häuser:
Alpinenhaus mit mongolischer Flora
Kanarenhaus
Sukkulentenhaus
Versuchsgewächshaus
Subtropenhaus
Viktoriahaus
Palmenhaus mit Wasserpflanzenanlage im Außenbereich
Warmhaus
Auf dem Gelände steht noch eine denkmalgeschützte historische Sternwarte.

Um 13 Uhr wurden wir von Herrn Professor Dr. W. Kircher von der Hochschule Bernburg begrüßt. Nach einer kurzen Pause führte uns der Kustos des Gartens Herr Dr. Hoffmann durch das Freiland. Hier fielen neben dem schönen Alpinum besonders die alten teilweise wohl bis zu 250 Jahre alten Bäume im Arboretum auf, z.B. einer der ältesten Sämlinge Europas von Metasequoia glyptostroboides, und ein leider mit Lackporling befallener Sophora, der gekappt wurde und nun als 5m hohe Baumruine als Biotop dient. Weiter ging es durch das System, welches mehr und mehr Stauden beheimatet, um eine extensivere Haltung im Gegensatz zu Einjährigen  zu erlangen. Nebenan sahen wir Erhaltungskulturen, unter anderem Artemisia rupestris und das endemische Hieracium norvegicum ssp. trothanum. Bei dem weiteren Rundgang wurden wir auf ein großes Exemplar von Rhus toxicodendron hingewiesen –in manchen Gärten wurde er schon wegen seiner hohen Toxität entfernt!


Während einer kurzen anschließenden Pause besprachen wir Organisatorisches. Die wichtigste Frage drehte sich um den nächsten Ort für unser Treffen. Es wurde vorgeschlagen,  möglichst zwei Jahre im Voraus zu planen. Trotz der Kurzfristigkeit haben sich spontan Klaus Mühlbauer –B.G. Dresden und Annette Zimmermann - B.G. Schellerhau für ein gemeinsames Treffen 2012 bereit erklärt -Vielen Dank! Auch für die nächsten Jahre gibt es schon Meldungen - evtl. 2013 in Hamburg.


Anschließend gab es die Möglichkeit noch individuell den Garten zu besichtigen.
Um 17 Uhr hörten wir einen Vortrag von Dr. Zschummel aus Halle über botanische Exkursionen-
„Alpine Pflanzenschätze zwischen dem westlichen Sichuan und Lhasa“
Herr Dr. Zschummel und seine Frau bereisten dieses Gebiet bis zu einer Höhe von 5200m ! schon zum neunten Mal. Es war ein sehr faszinierender Vortrag. Alle Pflanzen zu nennen würde zu weit führen, daher nur einige:
Androsace bulleyana, A. spinulifera, A. mariae
Primula bracteata, P. orbicularis, P.szechuanica
Aster batangensis
Anemone obtosiloba
Cypripedium flavum, C.tibeticum
Fritillaria cirrhosa, F.crassicaulis
Desideria himalayensis
Chionocharis hookeri
Gentiana nanobella
Pedicularis prezewalskii
Incarvillea mairei
Rhododendron traillianum, R.viridescens
Soroseris rosularis…….

Nach kurzer Klärung organisatorischer Dinge fuhren wir zu unseren Unterkünften in Bernburg und zum anschließenden gemeinsamen Abendessen.

Andreas Haack, Claudia Schröder

Samstag, 28.05.2011

Der 2. Tag begann um 9:30 mit einem Vortrag von  Prof. Dr. Wolfram Kircher in der Hochschule in Bernburg-Strenzfeld.

Die Hochschule Anhalt wurde 1991 gegründet. Wenn auch der Schwerpunkt im Fachbereich Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung auf der Landwirtschaft liegt, so beherbergt der Standort Bernburg-Strenzfeld u.a. auch die Studiengänge Landschaftsplanung und Naturschutz, Landschaftsarchitektur und Umweltplanung, sowie den englischsprachigen Studiengang Landscape Architecture.
Themen sind z.B. Entwicklung pflegeextensiver Konzepte mit Stauden- und Mischpflanzungen, Pflanzungen auf Schotter, z.B. die Entwicklung des Perennemix Silbersommer, Sortimentssichtungen (Echinacea, Euphorbia, Bambus, …), Rasen, Bepflanzungen von Trockenmauern, Böschungsbegrünung, Ansaaten, Pflanzungen mit mediterranem Charakter u.v.m. Dazu entstanden auf dem Campus im Zeitraum von 1997 bis heute eine Reihe Versuchs- und Demonstrationsflächen. Diese zeigen die entwickelten Pflanzenkompositionen für die verschiedenen Standorten.

Nach der kurzen Vorstellung der Hochschule und des Fachbereichs kam Prof. Kircher zu seinem derzeitigen Forschungsprojekt und dem eigentlichen Thema seines Vortrags „Steingarten am Schwimmteich?“
Er begann mit den Vorgaben bei der Anlage von Schwimmteichen und den immer wieder auftretenden Problemen.

Bei der Anlage von Schwimmteichen wird nach den Richtlinien der FLL je nach Technisierungsgrad in 5 Typen unterschieden. Typ 1 hat gar keine Technik (wie z.B. Pumpen) während bei Typ 5 Pumpen eine gezielte Durchströmung bewirken und die Regenerationszone komplett ausgelagert wird.

In sogenannten Stillgewässern tritt das Problem von zu wenig Sauerstoff auf. Dem wird durch Unterwasserpflanzen entgegen gewirkt, während bei Fließgewässern der Phosphorgehalt minimiert werden muss, um das Auftreten von Fadenalgen zu verhindern. Dabei sollten regelmäßig die Ablagerungen am Boden des Teiches abgesaugt werden, weil der in der so- genannten Mudde enthaltene Phosphor ansonsten im Wasser rückgelöst wird.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die genügende Versorgung der Wasserpflanzen mit Nährstoffen. Einerseits ist nährstoffarmes Wasser erwünscht, um klares, möglichst algenfreies Wasser zu erhalten, andererseits benötigen viele der Wasserpflanzen genügend Nährstoffe. Deshalb sollten zum einen die Pflanzgefäße groß genug gewählt werden und die Pflanzen können z.B. mit Hornspänen (guter Tipp, die in Eiswürfelbehältern selbst produzierten Düngetabs) oder 1%iger Harnstoffblattdüngung zusätzlich versorgt werden. Eine leichte Wasserbewegung verhindert außerdem Nährstoffmangel im direkten Umfeld der Unterwasserpflanzen.

Anschließend erklärte Prof. Kircher den Aufbau eines an das Teichsystem angeschlossenen Moorbeetes, mit dessen Hilfe das Wasser gereinigt werden kann. Geeignete Arten für die Bepflanzung sind z.B. Eriophorum latifolium, Lysimachia quadrifolia, Trichophorum alpinum, Carex viridula, Pogonia ophioglossoides, Carex pulicaris, Schoenus nigricans, Sphagnum-Arten, Sarracenia purpurea, Allium suaveolens, Zigadenus elegans, Liatris spicata und Aster nemoralis um einige zu nennen.
Die Reinigung des Wassers geschieht mit Hilfe eines Biofilmes, der sich in der wasserdurchströmten Kiesschicht unter dem Substrat ansiedelt.
Das gleiche Reinigungsprinzip hat auch der wasserdurchströmte Steingarten, dessen 3-stufiger Aufbau aus Steinplatten und Schotter/Splitt zum Ende des Vortrags genau von Prof. Kircher geschildert wurde, Auch hier wird die Splittschicht vom Wasser langsam durchströmt.

An den Vortrag anschließend führte Prof. Kircher uns über das Gelände und wir konnten die Versuchsteiche mit angeschlossenem Moorbeet und Steingarten besichtigen.

Weitere Bereiche waren extensiv bepflanzte Beete im trockenen Schatten mit Lilium henryi, Aster divaricatus, Coronilla emerus, Carex pendula u.a., Versuchsparzellen verschiedener Staudenmischpflanzungen auf Schottersubstraten, aus Kalkstein gemauerte Hochbeete mit einer mediterran wirkenden Bepflanzung sowie einem Beet mit winterharten Kakteen.

Nach dem Mittagessen im Hochschulkrug fuhren wir zur Besichtigung der Salzstelle Staßfurt-Hecklingen, eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands. Dort führten uns Christian Bank und Dietmar Spitzenberg über das Gelände. Christian Bank erklärte die Entstehung und Geschichte der Salzstelle. Hier findet sich eine besonders hohe Salzartendichte und es sind sowohl atlantische wie auch kontinentale, halobionte Arten zu sehen, wie z.B. Glaux maritima, Triglochin maritima, Salicornia europaea und Spergularia maritima. Dietmar Spitzenberg beschäftigt sich mit den Insekten und Spinnentieren der Salzstelle. Auch hier gibt es wie bei den Pflanzen viele halobionte Arten.

An die Führung anschließend besichtigten wir den Privatgarten von Christian Bank. Der nur 600qm große Garten beherbergt auf einem Kalk- und einem Porphyrhügel eine Fülle alpiner Arten, der verschiedensten Bereiche. Ergänzt durch einige wunderbar bepflanzte Tröge, einen Teich und ein Beet mit winterharten Kakteen. Einige der gerade in Blüte befindlichen Arten waren: Centaurea drabifolia, Helichrysum sessile, Mazus repens, Polemonium brandegeei, Talinum brevifolium, Carmichaelia orbiculata, Edraianthus owerinianus, Erigeron chrysopsidis u.v.m.

Als letzten Punkt des Tages fuhren wir weiter in den Privatgarten von Familie Kircher in Hohenerxleben. Dort erwartete uns bereits Frau Kircher, und sie und ihr Mann führten uns durch ihren 2000qm großen, sehr vielfältigen Garten. Die Gartenanlage wurde 1995 begonnen. 1997 kam der Schwimmteich dazu. Hier konnten wir noch einmal alle Bestandteile des Vortrags vom Vormittag in Natura sehen: Moorbeetbereich, ausgelagerter Regenerationsbereich und ganz neu und noch nicht bepflanzt einen durchfluteten Steingarten. Ein Kalksteinhang mit vielen Orchideenarten, eine absonnige Trockensteinmauer mit Ramonda, Haberlea, Jankea, Campanula und verschiedenen Kleinfarnen, ein bepflanztes Garagendach, ein Gemüsegarten mit Hochbeeten waren zu bewundern und wurden mit vielen Bautipps und detaillierten Erklärungen erläutert.

Der Abend wurde mit einem gemütlichen Abendessen vom Grill mit Salat und Kräutern aus dem Gemüsegarten der Familie Kircher beschlossen.

 

Sonntag, 29.5.2011

 Um 9 Uhr trafen wir uns zu einer kurzen Besichtigung der Außenanlagen der Hochschule. Unter anderem sahen wir Staudensichtungen in Schotterbeeten, die durch den Bund deutscher Staudengärtner gefördert werden. Bei der Sichtung wird erprobt, den Aufwand der Pflanzung durch Zufallspflanzungen und den Pflegeaufwand durch den Schotter zu minimieren.
Außerdem sahen wir noch eine Echinacea- und Euphorbia-Sichtung.
Im Anschluss fuhren wir nach Aschersleben zum ehemaligen Gelände der Landesgartenschau von 2010. Hier führte uns Frau Kircher. Die Landesgartenschau wurde Adam Olearius gewidmet. Adam Olearius, Forschungsreisender und berühmter Sohn der Stadt, inspirierte mit seinen wissenschaftlichen Arbeiten die Landschaftsarchitekten, die große weite Welt nach Aschersleben zu holen. Mit gestalterischen Elementen wie zum Beispiel Pflanzungen nach Tierkreiszeichen, kuriose Spielskulpturen oder künstlerischen Installationen wird seinem Wirken eine Reminiszenz erwiesen.
Die erhoffte Besucherzahl von 400.000 wurde um 160.000 auf 560.000 Besucher überboten.
Die Welt und das Reisen waren immer wieder Thema auf dem Gelände. So wurde z.B. mit Sommerblumenbeeten und Staudenbeeten mit geographischer Zuordnung unter anderem die kaukasische Steppe, die nordamerikanische Prärie und die Flora chinesischer Flusstäler veranschaulicht. Aber auch eine Weltuhr, die die Reisen des Olearius aufzeigte, griff das Thema auf.
Im benachbarten Stadtpark gab es noch die Staudenpflanzungen zu bewundern, die Tierkreiszeichen zuzuordnen waren.
Hier verabschiedeten wir uns von Prof. Kircher und seiner Frau und traten den Heimweg an.


Andreas Haack, Claudia Schröder