im Verband Botanischer Gärten e. V.

 
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9. Jahrestreffen der Alpinen- und Staudengärtner in Dresden,
vom 13.06. – 15.06.2003

 

 

Zum 9. Jahrestreffen der Arbeitsgruppe der Alpinen- und Staudengärtner hatte Matthias Bartusch in den Botanischen Garten der Technischen Universität Dresden eingeladen

Freitag 13.06.2003:

Wie bereits bei den letzten Treffen sind der Einladung viele Mitglieder der AG gefolgt, sodaß zu Beginn der Veranstaltung der Gartendirektor, Herr Prof. Dr. Neinhuis, insgesamt 51 Teilnehmer, davon 12 Mitarbeiter des Dresdner Gartens, begrüßen konnte.
Matthias Bartusch (TL) und Frau Dr. Dritsch (Wissenschaftliche Leiterin) führten in einem kurzen Abriß in die Geschichte und die Arbeits- bzw. Sammlungsschwerpunkte des Gartens ein.
Kurz nach 10:00 ist die Gärtnergruppe dann zur Erkundung des Gartens aufgebrochen. Aufgeteilt in 2 Gruppen führten die Herren Böttger und Walew zunächst durch das System. Die sehr großzügig und übersichtlich angelegte und in Einjährige und Stauden, bzw. Gehölze unterteilte Anlage begeisterte die Teilnehmer nicht zuletzt durch den vorzüglichen Pflegezustand der Beete und der Pflanzen. Besonders in der Abteilung der einjährigen Pflanzen fiel das Fehlen der Beeteinfassungen positiv auf.
Im Wechsel führten dann die Gärtnerkollegen Mühlbauer, Bachmann und Oertel durch die Reviere Südhemisphäre, Nordamerika und Asien bzw. Alpinum, heimische Flora und Südeuropa.
Die nach geographischen Gesichtspunkten angelegten Reviere haben im Botanischen Garten Dresden bereits eine lange Tradition. Auch hier fiel der gute Pflegezustand auf. Leider stehen für die einzelnen Quartiere nur relativ kleine Flächen zur Verfügung, was aber durch die dichte Bepflanzung z. Teil ausgeglichen wurde. Aus Platzgründen müssen groß gewachsene Gehölze aber leider öfters entfernt werden. Besondere Bedeutung kommt der sächsichen Flora im Dresdner Garten und seinen Außenstellen zu.
Nach einer kurzen Mittagspause, startete Herr Fröhner mit seiner Spezialführung zur Gattung Alchemilla. Sicherlich waren einige Zuhörer von der Artenvielfalt dieser eher unscheinbaren Gattung überrascht. So sind im Garten ca. 100 Arten zu bewundert. europaweit kommen ca. 500 Arten vor. Herr Fröhner konnte aus seinem über vierzig jährigen Erfahrungsschatz mit der Gattung Frauenmantel viele interessante Details aufzeigen. Eine exakte Bestimmung der Arten ist sehr schwierig da sie sich oft nur in kleinen Details unterscheiden und immer wieder Bestände aus mehreren Arten bilden können.
Das reichhaltige Artenspektrum ist während der Entwicklung der Gattung durch Bastardierung entstanden. Eine weitere Bastardierung ist heute aber nicht mehr möglich, da die Arten im Lauf der Zeit zu einer befruchtungslosen Vermehrung (Apomixis) übergegangen sind. Als praktische Beispiele aus dem Bereich des Alpinums stellte Herr Fröhner, unter anderem, Alchemilla trulla und Alchemilla helvetica vor. Zwei Arten der Schneetälchengesellschaften.
Anschließend war ausreichend Zeit um auf eigene Faust den Garten zu erkunden und schnell hatten sich überall kleine Gärtnergrüppchen gebildet, die sich in angeregte Gespräche und Erfahrungsaustausch vertieften.
Nach einer Kaffeepause mit reichlichem Kuchenangebot starteten die Teilnehmer geführt von Herrn Dr. Ditsch zu einer kurzen Stadtführung. Vorbei an dem sehr schönen Jugendstilbrunnen, quer durch den "Großen Garten" war die Gruppe schnell in der Innenstadt und bestaunte das barocke Dresden. Vorbei an der gerade im Wiederaufbau befindlichen Frauenkirche ging es zum Elbufer. Zentrales Thema während der Führung war das katastrophale Hochwasser im Sommer 2002. Vorbei an der neuen Synagoge ging es wieder in Richtung Garten zum Abendessen. Selbstverständlich sind 2 Stunden Stadtrundgang viel zu wenig für eine Stadt wie Dresden, aber trotzdem konnten sich die Gärtner ein kleines Bild von der Pracht des alten Dresden machen.
Wieder zurück wurden alle von einem leckeren kalten Buffet überrascht, sodaß sich alle bei schönstem Sommerwetter ausgiebig stärken konnten.
Nach dem Abendessen standen noch einige Verbandsthemen zur Klärung an.
Zunächst beschlossen die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft, daß die Treffen auch weiterhin über 2 bzw. 2 ½ Tage abgehalten werden sollten. Beginnend freitags am späten Vormittag bzw. zum Mittagessen und ausklingend am Sonntagnachmittag. Auch der Programmmix aus Gartenbesichtigung, Exkursion und einem kleinen touristischen Teil soll so beibehalten werden.
Als nächstes stand die Wahl eines Sprechers der AG Alpine- und Staudengärtner an.
Hans Martin Schmidt aus Feuchtwangen, der diese Tätigkeit seit seiner Zeit am Botanischen Garten Kiel ausführt, stellte sich als einziger zur Wahl.
Von den insgesamt 51 Teilnehmern waren 23 Mitglieder des Verbands Botanischer Gärten und somit stimmberechtigt.
Hans Martin Schmidt wurde mit
22 Ja-Stimmen
0 Gegenstimmen
1 Enthaltung
in seinem Amt bestätigt. Er nahm die Wahl an und dankte für das ihm entgegen gebrachte Vertrauen.
Im Anschluß daran wurde nach einem Botanischen Garten Ausschau gehalten der das 10. Treffen der Arbeitsgemeinschaft 2004 austrägt. Dorothea Krahner aus Jena übernahm diese Aufgabe für den Botanischen Garten Jena. In der Zwischenzeit ist auch ein Termin festgelegt, sodaß sich die Arbeitsgemeinschaft Alpine- und Staudengärtner vom 14. – 16. Mai 2004 in Jena treffen wird.
Für 2005 hat sich Jenny Wainwright-Klein vom Botanischen Garten München angeboten.


Samstag 14.06.2003:


Um 8:00 wurden die Teilnehmer vor der City-Herberge mit einem Omnibus abgeholt und ausgerüstet mit einem Lunchpaket ging es in Richtung Erzgebirge zum Pflanzgarten Schellerau. Entlang der Roten Weißritz ging es in einem engen Tal bergauf. Auch hier waren ein Jahr nach dem Hochwasser immer noch große Schäden an Straßen, Bahnanlagen und Häusern zu sehen.
Herr Barthel führte nach einer kurzen Einleitung durch den weitläufig angelegten Garten. Der in einer Höhe von 760m gelegte Garten bietet mit einer Durchschnittstemperatur von ca. 5°C und einer langen Schneebedeckung ideale Lebensbedingungen für alpine Pflanzen, auch der nordamerikanischen und asiatischen Mittel- und Hochgebirge, die dort neben Arten der Alpen kultiviert werden. Sehr schön war zu sehen, wie sich bei diesen, fast "naturidentischen", Klimabedingungen die Pflanzen miteinander entwickeln, sodaß immer wieder der Eindruck einer natürlichen Vegetation entsteht.
Nach einer kurzen Busfahrt stand ein Besuch der nahe gelegenen Georgenfelder Hochmoores an. Dabei handelt es sich um ein typisches Krummholzkiefer-Moor. Von einer erhöhten Plattform aus war der Blick frei über die Krummholzkiefern und die dazwischen liegenden Felsbrocken. Nach Süden schweifte der Blick weit nach Böhmen, wo sich der größte Teil des Moores befindet. Auf einem Bohlenweg ging es dann zwischen Pinus mugo ssp. rotundata und Ledum palustre auf einem Rundkurs durch das Moor. Durch ein Anstauen der früheren Entwässerungsgräben bleibt dem Moor das lebenswichtige Wasser nun erhalten, sodaß sich das Moor zu erholen beginnt. Seltene Pflanzen und Tiere, wie Drosera rotundifolia, Eriophorum latifolium und E. vaginatum sowie verschiedene Orchideenarten können damit erhalten werden.
Anschließend besuchte die Gärtnergruppe bei Altenberg, die Geisingwiesen, Geführt von Herrn Barthel, vorbei an Wachtelweizen und Fruchtständen der leider schon verblühten Orchis mascula und Lilium bulbiferum ging es am Waldrand entlang, vorbei an großen Quirlweißwurzbeständen (Polygonatum verticillatum), wieder zurück zum Ausgangspunkt. Einen Überblick über die ausgesprochen artenreiche Vegetation ist dem Programm zu entnehmen.
Nach einer längeren Busfahrt ging es weiter zum Boselgarten bei Meißen, einem kleinen aber hoch interessanten Garten, der der sächsischen Flora gewidmet ist, vor allem den wärmeliebenden Arten des Elbhügellandes. Geführt wurde die Gruppe von Frau Petzold und Herrn Mühlbauer. Leider hat die Vegetation des Gartens schon beträchtlich unter der Sommertrockenheit gelitten. Um so bemerkenswerter war, daß sich selbst die neu angelegten Beete sehr gut entwickelt hatten.
Um ca. 20:00 Uhr fuhr die Gruppe zurück nach Dresden. Der Abend stand dann zur freien Verfügung.

Sonntag, 15.06.2003:

Um 8:30 ging es mit dem Omnibus in die Sächsische Schweiz. Da der Schloßpark Pillnitz unmittelbar an der Fahrstrecke des Omnibus gelegen war. Wurde spontan ein schneller Besuch des Parkes beschlossen. Vorbei an der weithin bekannten Kamelie, bei der sich auch einige Kollegen für das Überwinterungshaus interessierten, ging es in einem Schnelldurchgang unter dem wunderschönen Baumbestand, vorbei am Schloß, zum Parkplatz, wo der Bus bereits wieder wartete.
Von einem Wanderparkplatz aus startete die Gruppe über eine lange Treppe in den Uttewalder Grund. Eine phantastisch anmutenden Schlucht zwischen Sandsteinfelsen und steil aufstrebenden Sandsteinwänden. Deutlich sind die, das Gestein zermürbenden Kräfte der Verwitterung zu sehen. Wie unter solchen Bedingungen nicht anders zu erwarten, dominieren Farne und Moose die Vegetation des meist stark beschatteten Schluchtbodens und der feuchten Felswände. Die Wanderung führte die Gärtnergruppe zur sogenannten Bastei, einer von Postkartenmotiven bekannten und von Kletteren und Touristen gleichermaßen bestaunte Felslandschaft. Zurück über die zwischen den Sandsteintürmen gebaute Burg Neu-Rathen wanderte die Gruppe über viele Treppenstufen abwärts zur Elbfähre und dann zum Bahnhof Rathen. Mit der S-Bahn ging es zurück nach Dresden.
Dort fand am Botanischen Garten das Gärtnertreffen der AG Alpinen- und Staudengärtner mit einem herzlichen Dankeschön an die Kollegen des Dresdner Gartens, für die viele Mühe und Organisation des Treffens, seinen Ausklang. Wieder einmal war es den Veranstaltern gelungen, ein für alle Teilnehmer sehr interessantes und schönes Treffen durchzuführen, zumal auch das schöne Wetter seinen Teil dazu beigetragen hat.
Alle Teilnehmer freuen sich bereits auf das Treffen der AG vom 14.-16. Juni 2004 in Jena.


Nähere Angaben zu Flora, Fauna und Geologie der Exkursionsgebiete können dem ausführlichen Programm entnommen werden.

 

Bilder des Treffens