im Verband Botanischer Gärten e. V.

 
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21. Jahrestreffen der Alpinen- und Staudengärtner/innen im Botanischen Garten Berlin vom 27. – 29. Juni 2015

 

Freitag 27.06.2014

Nach der Begrüßung der Fachgruppe im Hörsaal des Botanischen Instituts folgten zunächst interessante Einblicke in die Entwicklung des Botanischen Gartens Berlin anhand zweier Kurzvorträge. Prof. Dr. Stevens und Dr. Parolly beschrieben anschaulich den Werdegang vom Historischen Garten zum Wissenschaftsgarten konzeptuell und in Bezug auf die Personalentwicklung.
Im Anschluss wurden die Gäste in drei Gruppen durch den Garten geführt. Das vor einigen Jahren sanierte große Tropenhaus beeindruckte mit stattlich eingewachsener Bepflanzung und neuer Klimatechnologie. Während der interessanten Führung von Dr. Nils Köster beeindruckten besonders großrosettige Trichterbromelien, Welwitschien und die karibischen Pereskien (heute Leuenbergeria). Die Bedeutung der wissenschaftlichen Arbeiten von Ignatz Urban und den damit verbundenen Sammlungsschwerpunkten Kuba und Karibik wurde hervorgehoben.
Die Führung durch die Alpine Anzucht war ein besonderes Highlight. Matthias Kendzia stellte die wohl organisierte Nutzfläche bestehend aus Erdhäusern mit hervorragendem Mikroklima, Niederglas, Beetflächen, Schattenhalle, einem großflächigem Alpinhaus, Mutterpflanzenarealen u.v.m. vor. Es wurden Substratmischungen, Gießwassermanagement, sowie der logistische Ablauf von der Vermehrung bis zur Pflanzung erläutert.
Dr. Gerald Parolly führte durch die Pflanzengeografie des Gartens und erklärte anschaulich das Konzept, welches Adolf Engler in Dahlem umsetzte. Engler war insbesondere von Reliktvegetationstypen und Mikroklimaten inspiriert.
Am Abend folgte nach einem leckeren Imbiss ein Sommerkonzert.
Sven Nürnberger – Palmengarten Frankfurt

 

Samstag  28.06.2014

Auf dem Programm standen an diesem Tag Exkursionen in das Naturschutzgebiet Heilige Hallen im Naturpark Feldberger Seenlandschaft sowie in den Schlosspark Rheinsberg.
Um 9:00 Uhr starteten wir  von unserem Treffpunkt vor dem Botanischen Museum Berlin-Dahlem mit dem Bus in Richtung Mecklenburgische Seenplatte. Bereits während der Fahrt von Berlin nach Lüttenhagen erläuterte uns  Dr. Gerald Parolly (Kustos BGBM Berlin-Dahlem) u.a. die Entstehungsgeschichte sowie die floristischen und geologischen Besonderheiten der Region.
Maßgeblich wurde das Landschaftsbild durch die letzte Kaltzeit (Weichsel-Glazial) geprägt, deren südliche Grenze entlang einer Linie Schwerin, Havelberg, Brandenburg an der Havel, Luckenwalde, Lucken und Gübben lag.  Mit dem Ende der Eiszeit vor ca. 11.700 Jahren erhielt die Landschaft ihr heutiges Profil,  ein kuppenartiges  Relief in Verbindung mit zahlreichen Toteislöchern.  Die Lage der Region im Bereich des Hauptendmoränenzuges führte dazu, dass hier vermehrt Geschiebe abgelagert wurden (Moränenhügel).  Toteislöcher entstehen, wenn isolierte Eisblöcke während der Rückzugsphase des Eises in der Landschaft verbleiben und mit dem Schmelzwasser nachströmendes Material (meistens Sand) zunächst das Eis um- und später dann überlagert. Schmilzt dieses Eis dann später im Untergrund ab, sackt die Oberfläche über dem Toteis langsam nach und es kann sich ein Toteisloch oder ein Toteiskessel bilden.
Das NSG Heilige Hallen ist der als Totalreservat geschützte älteste Buchenwald (ca. 300 Jahre) Deutschlands, gelegen im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, südwestlich der Ortschaft Lüttenhagen. So steht es schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts unter Schutz, wurde 1938 zum Naturschutzgebiet erklärt und 1993 von 25 auf 65,5 Hektar erweitert. Seit etwa 1950 findet keinerlei Bewirtschaftung mehr statt, auch Totholz wird nicht mehr entfernt.
Gut ausgerüstet mit einem Lunchpaket starteten wir unter der Führung von Dr. Gerald Parolly und Thorsten Laute (beide BGBM Berlin-Dahlem) um 11.00 Uhr auf eine ca. zweistündige Rundwanderung durch die Heiligen Hallen. Leitgesellschaft des Naturschutzgebietes ist der Perlgras-Buchenwald (Melico-Fagetum), in relativ einheitlicher Zusammensetzung mit Rotbuche (Fagus sylvatica), Perlgras (Melica uniflora), Sauerklee (Oxalis acetosella), Goldnessel (Galeobdolon luteum), Waldveilchen (Viola reichenbachiana), Buschwindröschen (Anemone nemorosa), Dornfarn (Dryopteris carthusiana) und einigen weiteren Arten.
Bereits nach wenigen Minuten erreichten wir ein erstes Kesselmoor, im Laufe der Wanderung sollten noch einige weitere folgen. Kesselmoore entstehen, wenn sich eiszeitliche Toteislöcher  nach und nach mit aufsteigendem Grundwasser füllen,  und anschließend im Laufe der Zeit wieder verlanden. Häufig besitzen sie aber noch einen zentralen Wasserkörper. In trockeneren Phasen können sich dann auch Gehölze ansiedeln (Betula pubescens; Salix spec.; Pinus sylvestris u.a.),  die aber meist nach einer Folge nasser Jahre wieder absterben.
Im Bereich der Kesselmoore sowie der Erlen- und Birkenbruchwälder  fanden wir unter anderem die folgenden Pflanzenarten:
Calamagrostis canescens; Calla palustris; Carex acuta; Carex elongata; Carex pseudocyperus; Carex remota; Carex rostrata; Eriophorum vaginatum;  Galium palustre; Hottonia palustris; Hydrocharis morsus-rani; Lycopus europaeus; Lysimachia thyrsiflora; Nymphoides peltata; Peucedanum palustre; Potentilla palustris; Ranunculus flamula; Scirpus sylvaticus; Sphagnum spec.;  Thelypteris palustris; Vaccinium oxycoccus.
Nach gut 45 Minuten erreichten wir dann den eigentlichen Kernbereich des Naturschutzgebietes, die sogenannten Heiligen Hallen. Der Name entstand wohl in den 1870er Jahren, also in der Zeit der Optimalphase des Buchenwaldes. Aufgrund der Dichte, des geraden Wachstums und der beträchtlichen Höhe wirkten die Stämme wie die Säulen eines gotischen Domes, gekrönt vom grünen Blätterdach. Nach der Optimalphase folgte dann die Terminalphase, ein hochwüchsiger Hallenwald im stabilsten und reifsten Zustand. Aktuell befindet sich der Wald in der mehrere Jahrzehnte andauernden Zerfallsphase: Pilzbefall, Kronenverlichtung, Herabbrechen ganzer Kronen, Entwurzeln von Bäumen etc…  Diese Phase geht fließend in die Verjüngungsphase über. Die Zerfallsphase wird u.a. charakterisiert  durch abgestorbene, vermodernde Stämme, auffällige Krebsüberwallungen und eine Vielzahl saprophytischer Pilze. Auch zu letzteren wußten Hr. Dr. Parolly und Hr. Laute jede Menge zu berichten.
In einer kleinen Pause gegen Ende der Wanderung wurden noch einmal kurz organisatorische Absprachen getroffen, u.a. wurde ein Termin für das Treffen 2015 in Frankfurt am Main konkretisiert.
Bevor wir dann mit dem Bus weiter nach Rheinsberg fuhren, besichtigten wir noch eine ca. 330-450 Jahre alte Eiche (Quercus robur) mit einem Stammumfang von 8,13m (im Jahr 2003) auf dem Friedhof in Lüttenhagen.
Gegen 15.30 Uhr erreichte unser Bus schließlich Rheinsberg. Von Interesse war für die Gruppe hier vor allem das gleichnamige Schloss mit seinem am Grienericksee angelegtem Landschaftsgarten. Ursprünglich von Kronprinz Friedrich und dem Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff 1734 als Lustgarten angelegt, wandelte sich das Bild unter der Herrschaft von Friedrichs jüngerem Bruder Heinrich. Es entstand, ganz der Mode der Zeit entsprechend, ein Landschaftgarten, der sich durch den Boberow-Wald bis auf das gegenüberliegende Ufer des Sees erstreckte. Hier ließ Heinrich bühnenartige, von Alleen gesäumte Terrassen anlegen. Ebenfalls entstanden in der weitläufigen Anlage nach und nach Grotten, eine Orangerie, ein Heckentheater und andere Bauwerke. 
Trotz Umgestaltung einzelner Gartenpartien , der Aufforstung des Boberow im 19. Jahrhundert und mangelnder Pflege blieben einst geschaffene Grundrisslösungen weitgehend erhalten. Im Jahr 1976 begann man mit der Restaurierung dieser gartenhistorisch bedeutsamen Anlage aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Während des kurzen Rundgangs durch die Parkanlage konnten wir unter anderem die folgenden Pflanzenarten finden:
Calla palustris; Carex acutiformis; Carex paniculata; Centaurea stoebe; Dianthus carthusianorum; Filipendula ulmaria; Holcus mollis; Juniperus virginiana; Nuphar lutea; Salvia nemorosa; Solanum dulcamara; Stratiotes aloides; Thelypteris palustris; Tragopogon dubius; Typha latifolia.
Nach einer kurzen Eispause trafen wir uns gegen 17.00 Uhr wieder am Bus, der uns zurück zum Ausgangspunkt nach Berlin brachte. Zum Abschluss des Tages stand noch ein gemütliches Abendessen in der Eierschale in Berlin-Dahlem auf dem Programm, mit dem wir einen abwechslungsreichen Tag ausklingen ließen.

Markus Hageneuer – Botanischer Garten Mainz
Sonntag  29.06.2014

Pünktlich um 9:00 Uhr startete Matthias Kendzia mit dem ersten Vortrag über die Benutzung der Datenbank in der Vermehrung. 1975 wurde eine einheitliche Akzessionsnummer eingeführt, in den 90er Jahren folgte die Einführung einer computergestützten Datenbank. Über die Jahrzehnte immer weiter entwickelt, fußt sie heute auf 122 miteinander verknüpften Tabellen. Neben den Daten der eingehenden Pflanzen und Samen, werden auch die gesamten Kulturdaten, wie z.B. Aussaat-, Pikier- und Topfdatum, verwendete Zuschlagstoffe und vieles mehr eingegeben. Möglich ist das, weil direkt am Arbeitsplatz PC-Stationen zur Eingabe zur Verfügung stehen.
Der 2. Vortrag wurde von dem Kustos für das Freiland, Dr. Gerald Parolly über das Kaukasus-Projekt gehalten.
Der erste Teil des Vortrages handelte über die Entstehung des Projektes mit seinen verschiedenen Teil-Projekten in Armenien, Aserbaidschan und Georgien. U.a. wurden Relikt-Wälder am Schwarzen und am Kaspischen Meer und Pyrus-Arten in Aserbaidschan untersucht sowie der Aufbau einer Schutzsammlung auf der Halbinsel Baku begonnen.
Um eine Pflanzensammlung im BGBM aufzubauen und die geplante Ausstellung bestücken zu können, wurden Sammelreisen unternommen.
Der zweite Teil des Vortrags handelte vom Kaukasus-Garten im BGBM. Engler hatte sich schon intensiv mit der Flora des Kaukasus beschäftigt. So ist z.B. auf einem alten Gartenplan von 1909 der Kaukasus-Bereich schon detailliert aufgeteilt.
Durch die Projekte und die Kaukasus-Ausstellung ergab sich die Möglichkeit, die in die Jahre gekommene Anlage zu renovieren und durch die Öffnung des Eisernen Vorhangs mit Arten vom Standort zu bestücken. Die Planung der Flächen, Ausführung der Anzucht und Bepflanzung sowie die Entwicklung des Besucherinfosystems wurden uns genau erklärt. Der heutige Stand sind etwa 2000 Akzessionen mit ca. 1000 Wildherkünften. Etwa 50 % der Gestaltung und Bepflanzung sind bereits fertig gestellt.
Nach diesen beiden Vorträgen wurden wir, in 2 Gruppen aufgeteilt, durch die neue Kaukasusanlage, das System und den Arzneipflanzengarten, den Wasserpflanzen- und Moosgarten und durch die Samenbank und Samenstube geführt. Die Kompostanlage mit dem TerraBoga-Projekt wurde Interessierten ebenfalls gezeigt und erklärt. Am Nachmittag erhielten wir eine kurzweilige Führung durch die Kaukasus-Ausstellung im Botanischen Museum und anschließend noch eine sehr interessante Führung durch das große Berliner Herbarium mit seinen teilweise sehr alten und wertvollen  Belegen.
Martina Jacobi – Palmengarten Frankfurt