im Verband Botanischer Gärten e. V.

 
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21. Jahrestreffen der Alpinen- und Staudengärtner/innen im Palmengarten in Frankfurt,
vom 26. – 28. Juni 2015

Freitag 26.6.2015
Zum 21. Treffen der AG Alpine und Stauden fanden sich 65 Teilnehmer/innen zusammen.
Nach der Begrüßung durch Herrn Dr. Matthias Jenny, dem Direktor des Palmengartens hörten wir einen Vortrag von Frau Dr. Hilke Steinecke über

Die Abruzzen –Pflanzenvielfalt im Reich des südlichsten Gletschers Europas.

Die Abruzzen befinden sich im Osten der Apenninhalbinsel ungefähr auf der Höhe von Rom. Da sie von den Küsten der Adria über das Hügelland bis in ein knapp 3000m hohes Hochgebirge reicht, ergibt sich eine landschaftlich große Vielfalt. Im Gebiet gibt es drei Nationalparks: Im Süden der älteste, der Nationalpark Abruzzen. Der Nationalpark Majella umfasst das Majella-Massiv mit dem höchsten 2795m hohen Berg Amaro. Dieser Nationalpark hat einen besonderen Status-er wurde als PAN (Protected-Area-Network)-Park zertifiziert .Der dritte Nationalpark ist der Nationalpark Gran Sasso mit dem 2912m hohen Berg Corno Grande. Die Gebiete beherbergen ca. 1800 Pflanzen- Arten, und  bestechen durch  ein hohes Maß an unterschiedlichsten Eindrücken: wilde Berge , einsame Bergdörfer, alte Städtchen, ausgedehnte Buchenwälder ,beeindruckende Tierwelt, z.B. Braunbär, Apennin-Wolf und Steinadler, atemberaubende Hochebenen wie die Campo Imperatore und absolute alpine Kostbarkeiten in den höchsten Regionen. All die Pflanzen aufzuzählen würde den Rahmen des Protokolls sprengen und so verweise ich mit Erlaubnis von Frau Dr. Steinecke auf ihren ausführlichen Bericht in Heft 77/1 der Frankfurter Palmengartenhefte.

Im Anschluß ging es zu den Gartenführungen.
Claudia Schröder

Die Gartenführungen wurden in drei Gruppen aufgeteilt. Eine davon übernahm Sven Nürnberger und führte uns ins Freiland. Am Übersichtsplan des Gartens erfuhren wir, dass der Palmengarten im 19.  Jahrhundert als Bürger-Stadtgarten von Heinrich Siesmeyer gegründet wurde. Anfangs wurden überwiegend Kübelpflanzen kultiviert. Die Stadt Frankfurt hat später den Garten übernommen, der heute 20 ha groß ist und naturalistisch geprägte Anlagen beherbergt.
An einer etwa 500 Jahre alten Säuleneiche vorbei, ging es zum Asienbeet. Viele invasive Pflanzen machten ein neues Konzept  erforderlich, welches 2009 mit der Planung von Ostasien und dem Himalaya umgesetzt wurde. Die Idee war, ein dynamisches Beet zu arrangieren. Gelungen ist dies z.B. durch Pflanzen wie Lilium regale oder auch Euphorbia wallichii, die wandern bzw. sich aussäen und die Beete dadurch ständig in Bewegung halten. Nach einer Etablierungszeit von zwei Jahren wird eingegriffen,  je nach Anzahl an Arbeitskräften, die variabel immer neu abgestimmt werden.

Im Blumenquartär, einem historischem Bereich mit Sommerblumenbeet, wurde versucht, den linearen Bauhaustil durch Mischpflanzungen aufzulockern. Die Pflanzen wurden zugekauft, die Planung konnte von den Gärtnern selbst übernommen werden.

Der Weg ging vorbei an dem Weiher, der früher das Herzstück  des Gartens war.
Ein kurzer Rückblick ins 19. Jahrhundert machte deutlich, dass der Garten durch Gondeln und Hängebrücke deutlich romantischer war. Auch gibt es eine historische Grotte, die unterhalb des Alpinums verläuft, welches unser nächstes Ziel war.
Das Alpinum umfasst verschiedene geographische Bereiche und ist aus 3 Gesteinsarten aufgebaut (Muschelkalk, Taunusquarzit, Buntsandstein)
Die Botanikerin und Gärtnerin Ursula McHardy war im Palmengarten in den 80er Jahren u.a. für die Neugestaltung des Alpinums verantwortlich. Nach schwierigen Zeiten, wird der Steingarten nun seit ca. 5 Jahren wieder neu ins Leben gerufen.

Einen Mittelpunkt stellt die Gunnera tinctoria dar, die durch tägliches Bewässern, der Gabe von Bodenaktivatoren und Hornspänen ein stattliches Ausmaß von bis zu 1,80m Höhe erreicht. Geschützt wird sie im Winter durch Körbe, die mit Laub aufgefüllt werden. Geplant ist der Bau einer Mauer, um das Laub von mittlerweile 2 LKW‘s besser bewältigen zu können.

In den 70er 80er Jahren wurde die Heide umgestaltet, da sie von vielen invasiven Pflanzen überwuchert war, wie z.B. Potentilla reptans.
40 cm neues vulkanisches Mischsubstrat wurde aufgefüllt und ein Gräsergarten angelegt.
Dominierend sind verschiedene Pampasgräser, wie z.B. Cortaderia araucaria. Durch das wasserdurchlässige Substrat, brauchten sie in den letzten Wintern nicht zusammengebunden zu werden. Im Sommer sind allerdings regelmäßige Wassergaben nötig.
Weiter ging es zum Karl-Förster-Weg, ursprünglich ein klassischer Prachtstaudenweg, der nun eine extensivere Umgestaltung zu einem Beet mit alten Paeonien- Sorten und Bodendeckern erlebt.
Neu ist ein Felsspaltengarten, der einige Spezialisten beherbergt. Z.B. Origanum dictamnus ist dort zu finden. Die Felsen werden im Winter je nach Bedarf mit Vlies und Nässeschutz überzogen.

 

 

 

Der Botanische Garten Frankfurt
Auf dem Weg vom Palmengarten zum Botanischen Garten gab es eine Wollemia nobilis mit einem reichen Zapfenansatz zu bewundern.
Anschließend führte uns Herr Andreas König durch den Botanischen Garten Frankfurt, der nach langen Verhandlungen von der Stadt Frankfurt gekauft und seit 2012 dem Palmengarten angehört. Er widmet sich seit dem Umzug des Campus und dem Neubau des Wissenschaftsgartens dem Erhalt der Kulturen.
Über 5000 Arten von Freilandpflanzen können in einer stimmungsvollen Naturlandschaft besichtigt werden, wobei es sich hauptsächlich um Pflanzengemeinschaften der heimischen mitteleuropäischen Flora wie z.B. Buchen-Mischwälder, Birken-Eichenwälder, Trockenrasen, Teich-Sumpf-Wasserpflanzen und alpine Pflanzen handelt.
Weiterhin gibt es eine kleine Auswahl an asiatischen sowie nordamerikanischen Gehölzen,
sowie einen Arzneigarten und eine systematische Abteilung.
Durch die Schließung der sanitären Anlagen hat man sich für den Bau von Komposttoiletten entschlossen, die auch von den Besuchern gut angenommen werden.
In einer Ausstellung „Die letzten ihrer Art“ wurden u.a. Myosotis rehsteineri (Bodensee-Vergissmeinnicht), Jurinea cyanoides (Sand-Silberscharte) Trollius europaeus (Europäische Trollblume) und Marsilea quadrifolia (Kleefarn) vorgestellt.
Spannend und Interessant war auch die Sondersammlung von Brombeeren, wo von 400 Arten, die in Deutschland vorkommen 40 Arten in großen Kübeln anzuschauen sind.

Mit viel Elan und Tatendrang wird das Projekt der Erhaltungskulturen angegangen. Hierbei geht es darum, Saat von in Hessen vom Aussterben bedrohten Pflanzenarten, wie z.B. Vicia orobus, Sedum villosum (Drüsige Fetthenne), Mibora minima oder Allium strictum zu sammeln und nach erfolgreichem Auflaufen und der weiteren Kultur, sie wieder an Ort und Stelle in die Natur auszupflanzen. Mit dem Bestreben, dass sie sich zu einem größeren Bestand etablieren und die Arten es von der Roten Liste schaffen.
Sedum villosum z.B. wurde an 7 Stellen wiederangesiedelt und hat es an einer geschafft.

 

Durch das Tropicarium führte Frau Dr. Hilke Steinecke. Sie berichtete von der ersten Sammlung von Adolf von Nassau, die an den Palmengarten überging. 1907 kamen weitere Sammlungen hinzu, so dass vor allem viele Sukkulenten mind. 100 Jahre alt sind. Der Palmenbestand beläuft sich mittlerweile auf ca. 300 Arten und insgesamt befinden sich 2000-3000 Arten in GH-Kultur.
Das Tropicarium besteht aus 7 großen und 6 kleinen Gewächshäusern, in denen Pflanzengesellschaften nach Klimazonen und Spezial-Biotopen eingeteilt wurden.
Aufmerksam gemacht hat sie uns auf die Agave victoriae-reginae, die passend zum Besuch der Queen blühte.
Auch ca. 60 Jahre alte Exemplare von Welwitschia mirabilis, waren gerade mit Blütenstand zu bewundern. Sie wächst ca. 30 cm im Jahr und wird immer gezielt gewässert.
Im Madagaskarhaus wurde ein möglichst naturnaher Aufbau versucht. Viele Pflanzen stammen vom Wildstandort, u.a. viele Pachypodiumarten. Von Unkarina (Pedaliaceae) sind alle Arten vorhanden. Im Winter wird nicht gegossen, die Trockenzeit wird nachgeahmt.
Einen Schwerpunkt in der Savanne bilden die Palmfarne, Cycadeen. Eigentlich waren auch Gräser geplant, dessen Kultur aber im Tropicarium leider misslang. Dadurch war noch Platz für Pflanzen aus tropischen Trockenwäldern. Zurzeit werden sie kombiniert mit einer Ausstellung über das Wiederaufforstungsprojekt Monte Alto in Costa Rica.

Eine besondere Vorliebe von Frau Steinecke ist das Sammeln von Gegenständen aus Pflanzenmaterial. Z.B hat sie von einem Baumfarn, dem Nationalbaum von Neuseeland, gedrechselte Gefäße vorgestellt. Aus Marokko eine Tasche aus Agavenseide von der Agave americana, die dort mittlerweile viel angebaut wird.
Palmen sind vielfach Nutzpflanzen. Ein Mitbringsel aus Marrakesch ist z. B auch eine Tasche aus den Fruchtständen einer Dattelpalme.Im Bromelienhaus, das gerade stark ausgelichtet wurde,  gab es neben Bromelien auch u.a. Pfeffer und Kakao. Regenbogenloris bereichern in einer Voliere für die Besucher den Bereich und abends lässt  sich der Pfeiffrosch hören.


Durch Monsun-Passatwälder sind wir gelaufen in denen viele Nutzpflanzen, wie Papaya, Mango oder Bananen wuchsen.
Im Regenwaldhaus bestaunt uns von oben eine Wasseragame, die ihre Freiheit im Haus genießen durfte.

Im Mangrovenwald machte sie uns auf eine blühende Napoleonaea imperialis aufmerksam. Sie gehört zu den Affentopfgewächsen. Die leere Fruchtkapsel wurde von Indianern zum Affenfangen verwendet.
Ein Verwandter ist auch die Paranuss. Sie  neigt  zum Bilden von Schimmelpilzen und es wurde festgestellt, dass in den Schalen Aflatoxin vorkommen kann, weshalb man sie nun nicht mehr mit Schale kaufen kann.

Abschließend haben wir wieder im Freiland noch den Lotus bestaunt, der in einem beheizten Becken steht und dort auch überwintert.
An einem Sommerblumenbeet in Schokoladen- und Vanillefarben, das passend zur Kakao-Ausstellung  gepflanzt wurde, endete dann die Führung.
Sylvie Boosen

Samstag 27.6.2015 Vormittag
Unser geplanter Samstagsausflug am 27.06.2015 zum Hermannshof, begann morgens im Regen. Bis zur Ankunft in Weinheim lies der Blick aus dem Bus auch keine Aussicht auf Wetterbesserung zu.
Das Gelände des Hermannshofs gehört seit langer Zeit der Familie Freudenberg, die nicht nur die alte Parkanlage für den heute öffentlichen „Schau- und Sichtungsgarten“  Weinheim zur Verfügung stellt, sondern auch den Großteil der alljährlich anfallenden Kosten trägt.
Neben dem Eingang vor dem Schloss begrüßt eine riesige blaue Atlaszeder ankommende Gäste. Sie könnte gut bis zu den 260 Jahre alten Bäumen gehören.
Als uns der Leiter der 1979 gegründeten Sichtungsgärten, Cassian Schmidt und Kollege Till Hofmann begrüßt hatten,  besaß das Wetter ein Einsehen und die Sonne rettete den Tag. Die Anlage, mit ca. 180.000 Besuchern im Jahr, kennzeichnet eine offene, begehbare Rasenfläche im Zentrum, wodurch der Blick auf die Beete an den Rändern frei wird. Man kann den Rundgang von ganz trockenen in der vollen Sonne liegenden Beeten beginnen. In der Prärie, Steppe etc. finden sich z. B. alle 9 Arten Sonnenhut (Echinacea). Die tollste Art ist, neben E. paradoxa, ebenfalls gelb aber robuster E. sinnuata. Ebenso waren gerade die Blüten der Yucca elephantipes und Verwandten sehr auffällig. Den Rundgang rahmen die jungen und bis zu 260 Jahre alten Bäume. Erwähnt sei eine liebevoll überwachte und gesicherte Platanus orientalis. Von vorn wirkt sie eigentlich recht gesund, aber dahinter sieht man durch den hohlen Stamm ihr Alter. Seltene jüngere Gehölze, wie der gerade in rosa Blüte stehende x Chitalpa tashkentensis, fallen ins Auge. Diese Gattungshybride aus Catalpa bignoides und Chilopis linearis, kennzeichnet eine schöne Blüte und das schmale Laubblatt.  Eine recht alte immergrüne Eiche Quercus turneri „Pseudoturneri“ oder auch mehrere Zimtahorne jüngeren Alters Acer cinnamomeum fallen im schattigen Monsunwald auf.

Die abgesenkte Mitte erinnert an den Senkgarten „Karl Förster“ in Potsdam. Nach dessen Vorbild stellt man hier vor allem Stauden, aber auch Gräser, Farne und Zwiebelblumen vor. Zusätzlich setzt man hier Pflanzengemeinschaften nach dem Grundsatz „Ästhetik, Pflanzenverträglichkeit und Pflegeaufwand“  für öffentliche Grünanlagen zusammen. In den Beeten finden sich Pflanzengesellschaftsvorschläge auf Schildern die jeder nutzen kann. Neben den schon erwähnten Wildarten, stehen aber gleichberechtigt viele attraktive Züchtungen wie Campanula punctata „Wedding Bells“ oder  die gerade blühende Dysosma „Spotty Dotty“ (früher unter Podphyllum Spotty Dotty) mit ihren weinroten Blüten unter dem auffälligen Blatt.
Unbedingt erwähnen möchte ich die Tropfenbewässerung in den Beeten. Sie steht ständig unter Druck, was auch eine kluge Drossel für ein Vogelbad zu nutzen weiß. Durch die fehlende Oberflächenbewässerung sind pilzliche Erkrankungen selten, welches auch eine Arbeitserleichterung für die wenigen Mitarbeiter darstellt.
Mit Ausreifen der Samen von Zwiebelpflanzen und deren beginnender Ruhezeit, in anderen Beeten spätestens im Herbst, werden alle Pflanzen gemäht und das dabei anfallende Material bleibt als Nährstoffquelle und Schutz liegen. Somit wird die Düngung auf wenige Starkzehrer reduziert.
Manchmal fällt die Zuordnung der Beschilderung zu den jeweiligen Pflanzen recht schwer. Wildstandortetiketten bleiben lange am Auspflanzort um mögliche Nachkommen zu zuordnen. Die Pflanzengesellschaftsschilder sind eine gute Anregung für jedermann. Eine phantastische, sehenswerte und lehrreiche Anlage, die guten Gewissens weiter empfohlen werden kann.
Jürgen Augustin

27.6.2015 Nachmittag
 Naturschutzgebiet-Kühkopf-Knoblochsaue:
Im Umweltbildungszentrum Schatzinsel Kühkopf, auf dem Hofgut Guntershausen, der Gemeinde Stockstadt am Rhein, begrüßt uns ab 14:15 Uhr Herr Ralph Baumgärtel und macht die Einführung am Überflutungsmodell in der Dauerausstellung 'Mitten im Fluß', mit uns in 2 Gruppen a' 15 Minuten.
Der Kühkopf ist eine vom Oberrhein und einem Altarm gebildete Insel im Hessischen Ried. Tullasche Rheinkorrekturen (Flussbegradigungen und Durchstiche) im 19. Jahrhundert, haben den größten Teil vom Rhein begradigt und eingedeicht. Warum wurde der Rhein begradigt ? Urbarmachung und Deichschutz = Trümmerschutz, damit Deiche nicht zerstört werden, wenn bei Rheinschleifen Baumstämme, Eisschollen u.a. auf die Deiche treffen. Dadurch verschwanden 90 % der ehemaligen Auenflächen am Rhein. Auf den gewonnenen Ackerflächen werden u.a. Weizen, Rüben und Spargel angebaut.
Leitsatz für Auenflora: Das Hochwasser mit Zeitpunkt und Dauer bestimmt die Lebensgemeinschaften und die Artenzusammensetzung der Auen. Daher sind sie Rückhalteräume für Hochwasser, natürliche Kläranlagen und hochproduktive grüne Lungen.
Daten zum Naturschutzgebiet mit Umweltbildungszentrum von Ralph Baumgärtel beim gemeinsamen Rundgang durch die Auenbereiche:
Bis zu 10.000 Besucher pro Tag.
Gesamtfläche 2400 ha. Teil des nördlichen Oberrheingrabens. Größtes zusammenhängendes Auengebiet am Oberrhein, mit großen Teilen von Auenwiesen, Riedflächen, Schlammfluren, Weich- und Hartholz-Auewäldern; Grünlandmanagement nach Vorgaben auf 1000 Ha. Beweidung per Pferd. 1400 Ha Waldflächen ohne Waldnutzung. Bei Rheinhochwasser, mit Wasserstandsschwankungen bis zu 7 m , werden nahezu alle Kühkopf-Flächen überspült.
Kühkopf-Flora, Beispiele:
Krautige Pflanzen:
Auenwiesen: Viola pumila (Zwergveilchen), Viola persicifolia (Gräbenveilchen), Serratula tinctoria (Färberscharte), Allium angulosum (Kantenlauch), Peucedanum officinale (Echter Haarstrang), Poa palustris (Sumpfrispengras) und Ranunculus peltatus ? (Echter Hahnenfuß).
Hartholzaue: Allium ursinum (Bärlauch), Scilla (Blaustern), Primula (Primel).
Altarme vom Rhein: Nymphoides peltata (Seekanne), Nuphar lutea (Teichrose), Trapa natans (Wassernuss).
Gehölze:
40 Gehölzarten kommen hier vor.
Schwarzpappel und verschiedene Weiden (= Weichholzaue) können bis 200 Tage, Stieleiche und Ulme (= Hartholzaue) bis 100 Tage,                                                       Esche (= Hartholzaue) bis 40 Tage durchgehend im Wasser stehen.
2000 alte Obstbäume, in u.a. 30 alten Apfelsorten, 150 Ha Kopfweiden im alten Rheinbett
Kühkopf-Fauna:
Amphibien:
Grünfrosch, Knoblauchkröte, Erdkröte, Molche, Moorfrosch
Fische:
43 heimische Fischarten, z.B. Wildkarpfen, Hecht
Vögel:
Seit 1961 Europareservat für Vogelschutz, 250 nachgewiesene Vogelarten (davon 120 Brutvogelarten), wie Blaukehlchen, Dorngrasmücke, Mittelspecht, Neuntöter, Rheinische Weidenmeise, Rohrsänger und der Symbolvogel der Kühkopf-Aue Schwarzmilan
Rastplatz für nordische Gänse-, Enten und Schnepfenvögel.
Das Flußbett vom Rhein hat sich in den vergangenen 200 Jahren 1,50 m tiefer gegraben.
16:00 Uhr Gruppenfoto vor dem Umweltbildungszentrum.
16:10 bis 17:15 Uhr Freilandrundgang durch einen Teil vom Naturschutzgebiet, mit Ralph Baumgärtel. Stromtalwiesen mit u.a. Iris spuria (Salzwiesen-Schwertlilie). Währenddessen sind bisher Gentiana pneumonanthe (Lungenenzian) und (Cnidium dubium) Brenndolde noch nicht vorhanden. Die Wiesen werden im Druschverfahren bewirtschaftet. Gewünschte Zielarten sind in der Regel nach ca. 3 bis 4 Jahren vorhanden.
Auf dem Rundgang wurden wir von vielen Stechmücken umschwirrt, denn hier gibt es 20 verschiedene Arten von Stechmücken.
Zusammen mit dem WWF-Aueninstitut wurde ein gemeinsames Konzept auf einer ehemaligen Polderfläche von 300 Ha entwickelt. Hiermit wird versucht, die Besucher mit dem Leitthema "vom Acker zur Auenwiese" durch geplante Landschaftsgestaltung zu steuern. Von den 300 Ha, werden 150 Ha zu Wald entwickelt und 150 Ha werden zu Auenwiesen entwickelt. Es gibt in der Folge der Entwicklungsphase: z.B. Mohnphasen, Distelphasen usw. Bis die angestrebte Artenzahl erreicht ist, wird es noch Jahrzehnte dauern.
1999 gab es ein sehr langes Hochwasser.
Das Mähen der Wiesenflächen wird flexibel mit den ausführenden Landwirten abgesprochen. In diesem Jahr waren die Wiesen im Polderareal schon abgemäht worden ,so dass dort das Botanisieren von Pflanzen keinen Sinn machte. An stehengebliebenen Resten einiger Haarstrangwurzelpflanzen konnten wir nach Einstiegslöchern der Haarstrangwurzeleulenlarven suchen. Dazu bohrt sich die Larve knapp oberhalb der Wurzel in die Pflanze ein. An nicht gemähten Wiesenrändern konnten wir Rumex thyrsifolia, blaublättrige Veronica und die glattblättrige Urtica finden.
Von der Feldulme (Ulmus minor) gibt in dem genannten Bereich zurzeit nur noch 1 Exemplar. Ist die Feldulme 5 bis 6 Meter hoch, wird sie häufig von einer der beiden Borkenkäferarten, Großer Ulmensplintkäfer (Scolytus scolytus), oder vom kleinen Ulmensplintkäfer (Scolytus multistriatus) angeflogen und durch von den Käfern mitgebrachte Pilzsporen vom Ophiotoma ulmi oder Ophiostoma novo-ulmi-Pilz, der das Ulmensterben (Ulmenwelke) verursacht, besiedelt. Jungpflanzen sind davon nicht betroffen.
17:30 Uhr Rückfahrt mit dem Bus nach Frankfurt
Ab 18:40 Uhr sind wir im traditionsreichen Ebbelwoi Lokal "Wagner" im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen eingekehrt, um das Erlebte und Gesehene in Froher Runde zu vertiefen. Hier wird der Apfelwein im Bembel ausgeschenkt.
Jürgen Schöttler
28.6.2015                             
Den Vormittag verbrachten wir mit der Besichtigung des Wissenschaftsgartens am Campus Riedberg, der der Universität angegliedert ist. Hier sollen die Naturwissenschaften gebündelt werden:
Wissenschaftsgarten
Der Wissenschaftsgarten ist der Botanische Garten der Universität Frankfurt und wurde erst 2014 eröffnet. Die Bezeichnung Wissenschaftsgarten wird bevorzugt, um Verwechslungen mit dem Botanischen Garten der Stadt Frankfurt (er war vorher der Botanische Garten der Universität) und dem Palmengarten zu vermeiden!
Geführt wurden wir von Robert Anton (Leiter der Freilandanlagen der Goethe-Universität und Technischer Leiter des Wissenschaftsgartens), der Landschaftarchitekt ist.
Der Wissenschaftsgarten hat eine Gewächshausanlage und ein Freigelände, das in der Entwicklung ist: ca. 2,5 Hektar sind bereits bewirtschaftet, weitere 4 bis 5 Hektar stehen noch zur Verfügung. So ist z.B. noch ein Schulgarten geplant.
Freigelände:

Die Systematische Abteilung ist im Aufbau, ein großer Arzneigarten nach Inhaltsstoffen angelegt und eine Aufpflanzung von wärmeliebenden Eichen vorhanden; es soll der Wald der Zukunft erforscht werden im Hinblick auf den Klimawandel.
Da der Wissenschaftsgarten oberhalb von Frankfurt am Riedberg liegt, ist hier das Klima etwas kühler und luftiger als in der Innenstadt.
Es gibt noch einen Kalktrockenhang, eine Glatthaferwiese und Wasserbecken, in denen Versuche zu Giftstoffen in Gewässern gemacht werden können.
Einige KollegInnen waren verwundert, dass bei einer so neuen Anlage keine automatisierte Bewässerung geplant wurde.

 

 

Gewächshäuser:

1500 m² Fläche mit 10.000 Pflanzen und 2500 verschiedene Arten; im oberen Geschoss stehen die Nutzpflanzen und dort ist das einzige Erdbeet – alles andere steht in Töpfen. Die neue dekorative Fußbodenversiegelung löst sich bereits auf; sie ist nicht alltagstauglich.
Im Anschluss gab es einen Vortrag von Sven Nürnberger:
Die Sierra Nevada – Von der Felsheide zu den alpinen Schuttfluren
Mit vielen schönen und eindrucksvollen Bildern erzählte uns Sven vom spanischen Nationalpark Sierra Nevada, in dem zahlreiche Endemiten wachsen. Je nach Höhe findet man verschiedene Vegetationsgemeinschaften, die sich durch besondere, extreme Bedingungen auszeichnen. Beispielsweise sind bis Juli noch Schneefelder zu finden: an ihrem Rand bilden sich dauerhaft feuchte, saure Standorte und es wächst massenhaft in Hotspots Plantago viridis.
Das kalte und sauerstoffreiche Schmelzwasser, das in Bächen abfließt, führt zu frischwassergetränkten Matten, in denen Veronica turbicola wächst.
Auf 2200 m finden sich Oromediterrane Schutthalden, die durch Erosion geprägt sind; dort wachsen Schuttsiedler wie endemische Zwerggräser, Senecio, Helianthemum, Sempervivum minutum, Erodium glandulosum, Leucanthemopsis percinata.
Abschließend durften wir einen köstlichen Mittagsimbiss verzehren und – angefüllt mit Eindrücken, die Heimreise antreten.
Herzlichen Dank für das abwechslungsreiche Programm, die perfekte Organisation, die wundervolle Verköstigung und die herzliche Aufnahme!
Heike Wiese
Unter der Rubrik Verschiedenes wurden noch einige Angelegenheiten besprochen:
Ort und Zeit des nächsten Treffens 2016 stehen noch nicht fest. Ich hoffe, Ende des Monats hierzu Informationen zu haben.
Das Treffen 2017 wird in Würzburg stattfinden.
Es wurde angeregt, eventuell Workshops z.B. über verschiedene Anzuchtverfahren anzubieten.
Die Zeit , die in den Botanischen Gärten für die persönliche Sichtung zur Verfügung steht ist oft zu kurz bemessen. Der Zeitaufwand für Exkursionen teilweise zu lang.
Die Frage nach einer Exkursion am Standort –also Alpen o.ä. wurde gestellt .Hierzu bedarf es mit Sicherheit einer guten Planung. Da dieses Jahr seit Langem Kollegen/innen aus der Schweiz an dem Treffen teilgenommen haben, könnte sich ja vielleicht hieraus eine Möglichkeit ergeben?!
Claudia Schröder

 

 

Bilder des Treffens