Beispiel einer vegetativen (kein Samen!) Vermehrung Koniferen-Stecklinge
  Kasten

Steuereinheit

Koniferenstecklinge werden im Winter geschnitten und werden dann, je nach Art in einen kalten-, oder beheizten Kasten gesteckt und mit einer einfachen Malerfolie abgedeckt. In unseren Falle handelt es sich um ein durch ein Widerstandskabel beheiztes Hochbeet. Durch diese Fußbodenheizung liegt die Bewurzelungsrate sehr hoch. Allerdings muß man höllisch aufpassen, daß das Substrat, eine Mischung aus Perlite (eine Art Bimskies) und feinem Torf nicht zu trocken wird. Wichtig dabei ist, daß es schon richtig durchfeuchtet in den Kasten eingefüllt wird. Dabei spielt das gärtnerische Fingerspitzen-Gefühl eine große Rolle.
Es muß regelmäßig auf Pilzbefall kontrolliert werden. Tote Zweige werden bei der wöchentlichen Lüftung gleich entfernt.

Auf dem Bild rechts sind  Koniferenstecklinge vom vergangenen November zu sehen. Genauer gesagt handelt es sich bei diesem Beispiel um Cephalotaxus drupacea, die Kopfeibe. Die Mutterpflanze steht im Kirchheimer-Arboretum des Landesamtes für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg, Freiburg, Albertstr 5. Herr PD Dr. Diethard H. Storch, Mitarbeiter und Pressereferent des LGRB, bat mich um die Vermehrung dieser Pflanze, da im Zuge von Renovierungsarbeiten an der Außenfassade des Amtsgebäudes, der Weiterbestand der dortigen Exemplare dieser Art nicht gesichert war.

Soviel zur Vorgeschichte. Fast jede unserer Pflanzen-Besonderheiten hat solch eine, oder eine ähnliche Vorgeschichte.

Bewurzelte Stecklinge von Cephalotaxus drupacea

Getopfte Stecklinge von Cunninghamia konishii

Jetzt um diese Zeit, also Anfang März geht die Bewurzelung los. Bei unseren Kopfeiben nahezu 100%, obwohl die Mutterpflanze schon ca. 30 Jahre alt ist. Das ist sehr ungewöhnlich. Normalerweise nehme ich die Stecklinge von 5-10jährigen Elternbäumen. Die Bewurzelung geht bei diesen im allgemeinen viel schneller und besser.

Nach erfolgreicher Bewurzelung, werden die Stecklinge vorsichtig in kleine Töpfe gebracht. Das Substrat mischen wir selber. Je nach Gattung mal mehr oder weniger Sand, aber immer mit eigener Komposterde. Danach stehen sie nochmals mindestens 4 Wochen im Gewächshaus, damit sie gut durchwurzeln.
Hier noch ein "Überhänger". Ein Laubholzsteckling vom vergangenen Spätsommer. Es handelt sich Drymis lanceolata. Die Stecklinge habe ich von meinem Freund Frèdèric Tournay, aus der Bretagne mitgebracht. Diese Pflanze stammt ursprünglich aus Australien und ist mir auf einer Tasmanien-Reise 1995 schon aufgefallen. Sie wird dort unter den Eukalyptus-Bäumen gepflanzt und medizinisch genutzt. Normalerweise gedeiht aufgrund der großen Trockenheit und des schier unzersetzbaren Laubes nicht mehr viel unter den Eukayptus. Drimys scheint diese harten Bedingungen zu tolerieren. So hat man einen Mehrfachnutzen: Weniger Erosion, zugleich einen Ertrag aus den Inhaltstoffen der Drymis und zusätzlich das Eukalyptusholz.
     In der Bretagne gedeihen diese Sträucher prächtig und bei genügend großer Anzahl von selbstvermehrten Jungpflanzen in Freiburg, werden wir in ein paar Jahren auch eine Auspflanzung ins Arboretum Günterstal wagen.
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