Blüte einer Fitzroya cupressoides
Fotografie: Armin Jagel, Text: Rainer Oberle


Blüte von Fitzroya cupressoides 20-fach vergrößert  (48858 Bytes)

Armin Jagel, vom Botanischen Garten in Bochum, untersucht im Rahmen seiner Doktorarbeit Erkennungsmerkmale der Koniferen, insbesondere der Cupressaceen und Taxodiaceen. Eine von verschiedenen Untersuchungsmethoden ist die genaue Beschreibung der Blüten und Nadeln mit Hilfe eines Raster-Elektronen-Mikroskopes.
Dabei erschließt sich dem Betrachter eine ganz neue Sichtweise. Ungeachtet, daß Herr Jagel damit kleinste Differenzen und damit Unterscheidungsmerkmale im Hinblick auf die Taxonomie (= Bestimmung) erkennen kann, handelt es sich bei diesen Aufnahmen um wahre Kunstwerke, die auch einem Laien verdeutlichen können, welche Wunder die Natur schaffen kann.
Doch sollte man sich nicht täuschen, denn solche Konstruktionen wie der Bau dieser Blüte einer Fitzroya cupressoides (Heimat-Argentinien und Chile), haben sich im Laufe der Evolution ganz gezielt ausgebildet, um den Erhalt dieser Art zu sichern.
Herr Jagel hat das Arboretum Günterstal sowie den Versuchsgarten schon mehrfach besucht, um Pflanzen und Pflanzenmaterial für seine Forschungen zu gewinnen. Im Bereich der Koniferen darf man ihn mit Sicherheit als Spezialisten bezeichnen.
Falls sie sich für weitere Pflanzenbilder interessieren, hat HerrJagel mit seinen Kollegen in Bochum eine ganze Reihe von weiteren Bildern, hauptsächlich aus dem Botanischen Garten in Bochum, über das Internet zur Verfügung gestellt.


Hier noch eine kurze Information von Armin Jagel über diese Gattung:


Blüte von Fitzroya cupressoides 20-fach vergrößert  (48858 Bytes)

Fitzroya cupressoides (MOLINA) I. M. JOHNST.- Alerce, Patagonische Zypresse

(= Fitzroya patagonia HOOK. F. ex LINDL.)
Cupressaceae - Zypressengewächse

FOTO © ArminJagel, Ruhr-Universität Bochum

Name
Die monotypische Gattung wurde von LINDLEY 1851 nach ROBERT FITZ-ROY benannt. Dieser war Kapitän der "HMS Beagle", dem Schiff, auf dem Charles Darwin seine Entdeckungsreisen unternahm. In Süd-Amerika wird die Art "Alerce" genannt, was dem Spanischen Wort für Lärche entspricht.

Morphologie
Immergrüner, pyramidal wachsender Baum bis 50 m, in höheren Regionen strauchförmig. Blätter schuppenförmig, in Quirlen zu drei, manchmal zu zwei oder vier, oberseits mit zwei weißen Stomatabändern. Zweihäusig (diözisch), manchmal einhäusig (monözisch). Weibliche Zapfen einzeln endständig an Kurztrieben, kugelig, holzig, im ersten Jahr reifend, aus zwölf in je vier Quirlen stehenden Schuppen; der oberste Quirl steril mit zu drei pfriemlichen oder keulenförmigen, stark Harz absondernden Drüsen reduziert. Der darunter stehende, manchmal auch die zwei darunter stehenden Quirle fertil. Unterster Quirl steril. Samen mit zwei, seltener drei halbmondförmigen Flügeln.

Vorkommen
Südamerika: Süd-Chile und angrenzendes Argentinien. Zusammen mit der eng verwandten Pilgerodendron uviferum im Flach- und Bergland im temperaten Regenwald. Im Ganzen ein Areal von etwa 360x200 km besiedelnd.

Kultur
Die Alerce wurde bereits 1847 von WILLIAM LOBB von seiner zweiten Expedition nach Süd-Amerika in England eingeführt. Sie ist dort winterhart und kann zu Bäumen heranwachsen. Die Art soll in Kultur immer weiblich sein. Sie bildet trotzdem Zapfen mit einer Fülle von Samen, die allerdings sämtlich steril sind.

Sonstiges
In ihrer Heimat existieren über 3600 Jahre alte Bäume, die zu den ältesten Lebewesen der Erde gerechnet werden.Das sehr kostbare Holz ist rötlich, hart und äußerst resistent gegen Pilz- und Insektenbefall. So existieren einige Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, die heute noch kaum Verwitterungsschäden zeigen. Aus diesem Grund sind die Bestände der Alerce seit dem 16. Jahrhundert und besonders seit der Mitte des 18. Jahrhunderts durch europäische Siedler sehr stark im Bestand dezimiert worden. Die Art steht heute auf der IUCN-Liste in der Kategorie "endangered" und wird im Appendix 1 der CITES geführt. Sie gehört außerdem zu den wenigen Nutzholz-Arten, für die in den USA ein Einfuhrverbot besteht. In ihrer Heimat steht die Art mittlerweile unter strengem Schutz (seit 1973 in Argentinien, seit 1976 in Chile). 1977 wurde vom Chilenischen Parlament jeder lebende Baum der Fitzroya zum ‘Naturdenkmal’ erklärt; das Fällen ist damit strikt verboten.

Wuchsort im BG Bochum
Die Exemplare befinden sich derzeit in der Anzucht, wo versucht wird, Stecklinge zu bewurzeln, die vom Palmengarten in Frankfurt zur Verfügung gestellt wurden. Die Art ist bei uns nicht winterhart.

Literatur
GARDNER, M. F., THOMAS, P., LARA, A. & ESCOBAR, B.1999:
Fitzroya cupressoides. Curtis’s Botanical Magazin 16(3): 229-240.
HOOKER, J. H. 1851: Fitzroya patagonia.
Curtis’s Botanical Magazin 83:t. 4616.
LAUBENFELS, D. J. DE 1965:
The relationships of Fitzroya cupressoides (MOLINA) JOHNSTON
and Diselma archeri J. D. HOOKER based on morphological considerations.
Phytomorphology 15: 414-419.

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