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The endemic Flora of Tasmania



Tasmanien ist Australiens Insel der Berge. Die höchsten Gipfel erreichen kaum 1600 m, doch ist der überwiegende Teil des Landes durch Täler und Schluchten zergliedert. Ein großes zentrales Plateau, die Western Tiers, mit einer durchschnittlichen Höhe von 1000 m NN, erstreckt sich mit seinen Ausläufern von Norden nach Süden, flankiert von Bergrücken im Westen und Osten. Zum Südosten hin läuft dieses Plateau in die sanften Hügel von Süd- und Ost-Tasmanien aus. Viele Flußsysteme, die durch unzählige Seen gespeist werden, haben ihre Quellgebiete in dieser Region.
Weitere Gebirgszüge mit Gipfeln, die bis 1300 m reichen, findet man im Südwesten (Federation Peak) und im Nordosten (Ben Lommond Range) Tasmaniens. Die einzigen relativ flachen Landstriche befinden sich im äußersten Nordwesten und im South Esk-Becken im Norden.

Tasmanien, ca. 48 000 km² groß, liegt zwischen dem 40 und 43° südlicher Breite, im Einflußbereich westlicher, gleichmäßig über das ganze Jahr verteilter regenreicher Luftzufuhr. Die Niederschlagsmenge wird stark durch die unterschiedliche Topographie beeinflußt und reicht von 1800 mm pro Jahr direkt an der Westküste bis 3500 mm pro Jahr weiter landeinwärts, in den Western Tiers. Sie kann bis auf 800 mm pro Jahr absinken, in Teilen der Midlands, im Regenschatten der Western Tiers.
Die mittleren Temperaturen in den Tieflagen sind am ehesten mit denen von West-Großbritannien und West-Frankreich zu vergleichen. In der montanen Zone sind die Bedingungen sehr rauh und harsch. In Höhenlagen ab 1300 m liegt für mehrere Monate im Jahr Schnee. Schneestürme können zu jeder Jahreszeit auftreten. Es kommt nicht selten vor, daß Pflanzen morgens mit einer Eisschicht bedeckt sind, die tagsüber bei strahlender Sonne schmilzt, und die Pflanzen in der darauf folgenden Nacht wieder dem Frost ausgesetzt sind. Es herrscht oft ein starker, heißer Wind während der Sommermonate, der einen austrocknenden Effekt hat, wenn er aus Nordwesten kommt.

Die artenreiche und interessante Flora Tasmaniens, wie auch jene des australischen Festlandes, mit der sie nahe verwandt ist, zeigt viele Gemeinsamkeiten mit anderen Regionen, die heute weit voneinander entfernt liegen. Man unterscheidet vier Hauptgruppen von Pflanzen, als da wären die nördlich temperierten, die malaysischen, die sub-antarktischen sowie die australischen, obwohl diese Einteilung nicht streng im geographischen Sinne angewendet werden kann. Ein Verständnis für die Nebeneinanderstellung von Pflanzen mit unterschiedlichen Gemeinsamkeiten muß immer in prähistorischen Formen von Vegetation und der Geographie, genauso wie unter den heutigen Lebensbedingungen, gesucht werden.
Diese stark unterschiedlichen Bedingungen in Tasmanien spiegeln sich in seiner Pflanzenwelt wider. Die Pflanzengesellschaften formen ein Mosaik aus temperierten Regenwäldern, Heideflächen, Mooren, montanen und subalpinen Pflanzen, zu dem auch Koniferen-Wälder gehören, bis hin zu reinen Eukalyptus-Wäldern, dünenbesiedelnden Pflanzen und Salzmarschen. Es gibt ungefähr 1 200 blühende Wildpflanzen-Arten, von denen über 250 nur auf Tasmanien vorkommen, also endemisch sind. Manche davon kommen reichlich vor, andere auffallend häufig oder dominant in speziellen Pflanzengesellschaften. Andere wiederum sind sehr selten und deshalb schwierig zu finden. Im äußersten Südwesten sowie in unzugänglichen Bergregionen der Western Tiers wachsen einige. Ihr Standort ist oft nur per Flugzeug oder Boot erreichbar.
Nothofagus gunni (27053 Byte)
Die einzige laubabwerfende Laubbaum-Art, die als endemisch bezeichnet werden kann, ist Nothofagus gunnii. In der montanen Zone, gerade auf exponierten Bergrücken, formt sie Dickungen und entfaltet ihre ganze Schönheit im Herbst, wenn sich ihr hellgrünes Laub in ein leuchtendes Bronze verfärbt. Die endemischen Koniferen bilden oft kleinere Wäldchen, allen voran Athrotaxis cupressoides und die kleiner wachsenden Microstrobus niphophilus sowie Diselma archeri.
Eukalyptus-Wälder erstrecken sich über weite Flächen im Osten der Insel und in anderen Regionen, wo der Niederschlag unter 1800 mm fällt. Ungefähr 25 Eukalyptus-Arten gibt es in Tasmanien, von denen die Hälfte endemisch ist.
Die meisten endemischen Pflanzen finden sich im temperierten Regenwald oder in subalpinen Pflanzengemeinschaften. Viele davon haben nahe Verwandte in der Flora Neuseelands, Feuerlands, Teilen Chiles, Neukaledoniens, Neuguineas und in den bergigen Regionen Ost-Australiens. Für manchen Betrachter sind einige Gymnospermen Tasmaniens Relikte aus einer untergegangenen Welt, die einst, vor über 100 Mill. Jahren, eine temperierte Antarktis besiedelten. Noch während des Tertiärs war Tasmanien mit dem australischen Festland verbunden. Auch bei der Ausformung der Bass-Strait im Miozän, vor über 10 Mill. Jahren, gab es immer noch Landbrücken zwischen diesen Gebieten, die bis in das späte Pleistozän reichten. Die letzte Epoche war stark geprägt durch klimatische Änderungen, glaziale und interglaziale Bedingungen, und Veränderungen des Meeresspiegels, die in unregelmäßigen Abständen zu einer Schließung der Bass-Strait führten. Es gibt genügend Beweise, daß während dieser Zeit Migrationen verschiedener Pflanzenarten stattfanden. Aber in den letzten 10 000 Jahren, seit dem Ende der letzten Eiszeit und der Ausformung der Topographie Tasmaniens, wie wir sie heute sehen, ist die Bass-Strait eine Barriere gegen den natürlichen Austausch von Pflanzen gewesen.
Die Veränderungen der Standorte während des Pleistozäns und die Migrationen in dieser Zeit, gefolgt von der Isolierung Tasmaniens, führten zu Differenzierungen innerhalb lokaler Populationen bis in die jüngste Zeit. Ein schönes Beispiel ist der wilde Hopfen, Dodonea ericifolia. Diese neoendemische tasmanische Art unterscheidet sich stark im Aussehen der Blätter, Form, Größe und Anordnung, von Dodonea filifolia, einer Art, die in Ost-Australien vorkommt. Andere tasmanische Arten können als sehr variabel beschrieben werden. Ihre Bestimmung bereitet immer wieder Probleme und sorgt für Verwirrungen oder führt zu neuen, endemischen Arten.

The endemic flora of Tasmania (20580 Byte)
Beschäftigt man sich etwas genauer mit den Pflanzen Tasmaniens, so stößt man schon bald auf ein sechsbändiges, großformatiges Werk aus den Jahren 1967-1978, gesponsort von Lord Milo John Reginald Talbot (1912-1973), mit Aquarellen von Margaret Stones (Royal Botanical Gardens Kew, England) und den Beschreibungen von Dr. Winifred Curtis (University of Tasmania, Hobart).
Mit "The endemic Flora of Tasmania" wurde ein Meisterwerk geschaffen, das nicht nur den Pflanzen-, sondern auch den Kunstliebhaber anspricht.
Diese interessante Verbindung, beachtet man die Entstehungszeit dieser Editon - in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren konvertierte der größte Teil des europäischen Adels gerade zum Jet-set -, verlangt eine Annäherung an den Sponsor, Idealisten, Pflanzenliebhaber und Pflanzensammler Lord Milo John Reginald Talbot.
Lord Milo John Reginald Talbot (15625 Byte)
Sein Vater, Colonel the Honourable Milo George Talbot, war das jüngste Kind einer großen angloirischen Familie, die Malahide Castle im County Dublin, Irland, bewohnte. Der Vorname Milo läßt sich innerhalb der Familie bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Nach seiner Pensionierung vom Militärdienst heiratete sein Vater eine Engländerin. Das Ehepaar zog es vor, an verschiedenen Orten in England zu leben, da relativ sicher war, daß ihr Sohn, Milo John Reginald Talbot, einmal den Familienbesitz - Malahide Castle - von seinem Cousin, James Boswell Talbot, 6. Baron Talbot de Malahide, erben würde.

Milo John Reginald Talbot (Bild links) wurde am 1. Dezember 1912 in London geboren. Seine Ausbildung erfolgte am Winchester College in Winchester und am Trinity College in Cambridge, wo er Geschichte und Ökonomie studierte und 1935 mit Auszeichnung abschloß. 1937 trat er in den britischen diplomatischen Dienst ein und bekleidete verschiedene Stellen im Auswärtigen Amt. Von 1939-1940 war er Minister für Kriegswirtschaft. 1943-1945 war er Botschaftsangehöriger in Ankara. Von 1945-1947 war er Mitglied einer britischen Abordnung im Libanon. Bis 1955 arbeitete er wieder in verschiedenen Stellen im Auswärtigen Amt. Dann trat er eine Stelle als Konsul in Laos an. 1958 schied er aus diesem Dienst aus. 1948 erbte er Malahide (= on the brow of the sea) Castle in Irland und das zweite Malahide in Tasmanien. Gleichzeitig erlangte er den Titel 7. Baron Talbot de Malahide.
Leidenschaftlicher Sammler (Briefmarken, Münzen, Bilder) war er schon seit frühester Jugend. Das Interesse an und das Sammeln von seltenen Pflanzen wurde 1948 geweckt, als er den Besitz Malahide Castel im County Dublin Irland übernahm. Seine Schwester, Honourable Rose Talbot, wurde in dieser gemeinsamen Zeit in Irland gewahr, daß es keinen Platz für einen zweiten Gärtner gab. "Botaniker und Gärtner sind unersättlich in ihrem Platzanspruch und beanspruchen jeden freien Platz, unabhängig von der Größe des Grundstücks", schrieb sie im Vorwort des sechsten und letzten Bandes. Und weiter: "Lächerlich, ja anmaßend hätte es mein Bruder empfinden müssen, wenn jemand ihm gesagt hätte, daß ich einmal das Vorwort zu einem seiner Bände schreiben werde."
1951 kam Lord Talbot zum ersten Mal nach Tasmanien, um sein Malahide bei Fingal zu besichtigen. Während seines 10tägigen Besuches in jener Zeit traf er unter anderem zwei Entscheidungen, die in einem Zeitungsinterview dokumentiert sind.
Malahide, Van Dieman's Land (31081 Byte)
1. Öfter nach Tasmanien zu kommen und
2. Eine Sammlung mit tasmanischen Pflanzen zu beginnen.
Erwähnenswert ist dieser Artikel auch deshalb, weil kaum weitere Informationen zu seiner Person in Zeitungsarchiven zu finden waren. Erklärbar wäre diese Tatsache mit einer scharfen Bemerkung im Vorwort zum 4. Band (1974), wonach er sich kurz und präzise gegen den Vorwurf einer Zeitung (sie bleibt unerwähnt) wehrt, Fotografien hätten als Vorlage für die Künstlerin Margaret Stones gedient.
Mit dieser Aussage hatte damals ein Schreiberling die aristokratische Seele empfindlich getroffen, denn die möglichst orginalgetreue Abbildung und die damit verbundenen logistischen Meisterleistungen in den Jahren 1963-1978, während der intensiven Arbeit an der Flora, beschreibt Dr. George Lawrence, Rachel McMasters Miller Hunt Botanical Library, Carnegie Institute of Technology, Pittsburgh, in seinem Vorwort zum 1. Band in Anerkennung dieser wie folgt: "Um die lebende Pflanze und die Künstlerin (Margaret Stones) zusammenzubringen, war es manchmal die Pflanze, die um die halbe Welt flog, und manchmal die Künstlerin."

In Tasmanien entwickelte Lord Talbot ab 1958, als er sich mehr um den Besitz Malahide Fingal kümmern konnte, den Gedanken, diese einmalige Flora zu dokumentieren. Aus den Aufzeichnungen geht klar hervor, daß er von Anfang an höchste Ansprüche stellte, sowohl ästhetisch als auch wissenschaftlich, und daß er darin seine Interessen und auch Begabungen vereinen wollte. Es ist ihm wahrhaft gelungen!
Nahezu jeder der beteiligten Wisssenschaftler erinnert aber auch an die Tatsache, daß ohne die freiwilligen Pflanzensammler in Tasmanien, die meisten davon passionierte Hobbybotaniker, organisiert im Launceston Natural Field Club, dieses Werk in dieser Form nicht hätte gelingen können. Lord Talbot stellte sich ganz auf die Seite dieser "Wasserträger", als er sich selbst eher einen Botaniker als einen Wissenschaftler nennt.
Allerdings bescheinigt ihm einer seiner kritischsten Weggefährten, der Verleger Mr. John Roberts (Ariel Press, London), einen unbändigen Willen und die Durchhaltekraft, dieses Werk erfolgreich zu beenden. Neben seinem Fachwissen, daß sich auf vielen Seiten der Flora widerspiegelt, hat er in einem besonderen Bereich eine ungeheure Leistung vollbracht: mit Dr. Winifred Curtis als wissenschaftlicher Betreuerin, mit Margaret Stones, als einer der renommiertesten Künstlerinnen, mit John Roberts, einem kritischen, aber engagierten Verleger, mit der Druckerei Gerhard Lohse in Frankfurt sowie den vielen, hier ungenannten Helfern eine solch ortsunabhängige und doch zielorientierte, eingeschworene Gemeinschaft zu formen. Die Qualität dieser Arbeit jedes einzelnen findet sich auf jeder Seite dieser sechs Bände wieder.

Neben der Darstellung und Beschreibung der endemischen Flora war Lord Talbot als passionierter Botaniker auch stark an der Kultur dieser Pflanzen interessiert. Das war insbesondere bei jenen Gattungen und Arten notwendig, wo Künstlerin und Pflanze nicht zum richtigen Zeitpunkt zusammengeführt werden konnten. Dr. Ronald Melville (Royal Botanical Gardens Kew) in England kultivierte einige dieser Pflanzen, die beim Transport nach Übersee immer wieder Schaden genommem hatten und somit eine unbrauchbare Vorlage abgaben. Inwieweit die Anfänge dieser Kulturerfolge im Süden Englands einen Einfluß auf die Entscheidung Lord Talbots hatten, ab dem zweiten Band Kulturhinweise im Anhang anzugeben, ist nicht beschrieben. Im Vorwort zum ersten Band beschreibt er eingehend die geringe Frosthärte und die daraus folgende sehr eingeschränkte Verwendung dieser Pflanzen in europäischen Gärten. Seine Überlegungen stützten sich auf seine Feststellung, daß Tasmanien sehr viel näher am Äquator liegt als z. B. Großbritannien. Er vermutete weiter, daß die Sonne in Tasmanien "ein italienisches Kaliber" hätte, was sehr großen Einfluß auf das Ausreifen der Triebe im Herbst hätte. Er lag zum Glück falsch mit seinen Vermutungen.
Der Septemberausgabe 1968 des Journals der Royal Horticultural Society wurde eine Art Fragebogen beigelegt. Damit wollte man Erfahrungen in der Kultur von endemischen tasmanischen Pflanzen, innerhalb Europas, sammeln. Der Erfolg muß wohl überwältigend gewesen sein, und so erreichte Lord Talbot auch in Europa die Bewunderer dieser Flora, vereinte sie und ermutigte Interessierte, sich noch intensiver mit dieser zu befassen. Die Erfahrungen aus dieser Fragebogenaktion führten dazu, daß die Kulturhinweise in den Anhängen bis zum sechsten und letzten Band beibehalten wurden und die Flora um einen weiteren Punkt bereicherten.
Neben Kew und den britischen und irischen Sammlungen gibt es auch einige in Frankreich. Zu nennen ist insbesondere der Privatgarten von Dr. Favier, in der Nähe von Cherbourg, der eine Sammlung von über 80 endemischen Pflanzenarten enthält.

Der erste Band wurde in einer Auflage von 1 500 Stück gedruckt. Der Verkaufspreis lag 1967 bei $ Aus 40 pro Band. Der sechste und letzte Band, 1978 herausgegeben, kostete schon $ Aus 120. Heute sind die sechs Bände wertvolle Sammlerstücke und nicht unter $ Aus 2000 zu haben. 254 endemische tasmanische Pflanzenarten wurden darin in beeindruckender Weise, sowohl konzeptionell, im Design als auch in der Art der Ausführung, dokumentiert. Lord Talbot, ein scheuer, reservierter Mann, der lange Zeit als "Exot aus der nördlichen Hemisphäre" galt, hat sich mit seinem Werk in der Geschichte der Botanik verewigt.

Leider war es ihm nicht vergönnt, das Werk zu vollenden. Der dritte Band war gerade erschienen, der vierte, das Vorwort dazu hatte er noch im März 1973 verfaßt, sollte gerade gedruckt werden, als Lord Talbot während einer Schiffsreise nach Griechenland, in der Nacht zum 4. April 1973 in seiner Kabine, verstarb. Schon kurz nach der Trauerfeier in London, seine Schwester hatte den ganzen Besitz geerbt und somit auch die Verantwortung für die unvollendete Flora, einigten sich die Künstlerin, Wissenschaftler, Verleger und Druckhaus auf die Weiterführung des kostspieligen Projektes. Die Pflanzensammler in Tasmanien schienen noch motivierter als zuvor, und einige der als ausgestorben geltenden Spezies wurden auf entlegenen Inseln in der Bass-Strait sogar wiederentdeckt, so z. B. Pratia irrigua.
Im Vorwort zum 2. Band erwähnte Lord Talbot einen Freund, der ihm wesentlich bei der Finanzierung half, der - wie Lord Talbot sagte - "ihm die finanzielle Last von den Schultern nahm". In keiner der mir zugänglichen Quellen werden die Kosten dieses Unterfangens genau beziffert. Es gab hier und da Hinweise, welch unvorstellbaren Beträge, vergleicht man den betreffenden Zeitraum mit heutigen Vermögenswerten, in dieses Projekt investiert wurden. So mußte nach Lord Talbots Tod der Familienbesitz, Malahide Castle in Irland mit den dazu gehörenden Ländereien, verkauft werden. Das Schloß, heute im Besitz vom County Council in Dublin und der Öffentlichkeit zugänglich, war ganze 800 Jahre Familienbesitz der Talbots. Eine sehr schmerzliche Entscheidung, die seine Schwester Honourable Rose Talbot mit dem Verkauf treffen mußte.
Schmerzlich wohl sicher auch, daß die damalige irische Regierung den Besitz nicht als ganzes mit den Steuerschulden verrechnen wollte. Dies hatte zur Folge, daß Teile des einmaligen Inventars, das Irlands Geschichte reflektiert, privat versteigert wurden. Glücklicherweise erkannten Institutionen, wie die National Gallerie Dublin und der Tourismusausschuß des County Dublin, den besonderen Wert der zu veräußernden Gegenstände, kauften diese auf, um sie wieder in ihre ursprüngliche Heimat, Malahide Castle, zurückzuführen.
Vielleicht hat dieser etwas respektlose Umgang der Iren mit dem ehemaligen Familienbesitz Rose Talbot die Entscheidung, endgültig nach Tasmanien zu übersiedeln, etwas leichter gemacht.
1988 fand in Melbourne eine weitere Versteigerung durch Christie Australia von historischen Büchern aus der Sammlung Lord Talbots statt. Die Anfangsgebote, laut 42seitigem Katalog, reichen von $ Aus 200 für einzelne Drucke bis zu handgezeichneten Atlanten von den ersten Kartographen Australiens aus dem Jahre 1814, die mit $ Aus 150 000 veranschlagt waren. Welcher Teil der Kosten nun direkt die Herstellung und Herausgabe der sechs Bände betraf und welche Teile den hohen Erbschaftssteuern zugerechnet werden mußten, war im Rahmen dieser Recherche nicht zu ermitteln.

1979, ein Jahr nach Veröffentlichung des letzten und sechsten Bandes, wurden die Orginalaquarelle von Margaret Stones, mittlerweile Eigentum von Honourable Rose Talbot, dem Queen Victoria Museum and Art Gallery in Launceston, Tasmanien, übergeben. Nach dem Tod ihres Bruders, der das gesamte Projekt im Falle seines Todes in Händen einer Treuhandgesellschaft sehen wollte, die notwendigen Vorkehrungen aber nicht getroffen hatte, behielt seine Schwester die wertvollen Originale zunächst als ihre persönliche, finanzielle Absicherung.

Neben den hohen Herstellungskosten der sechsbändigen Flora standen in den Jahren nach dem Tod von Lord Talbot, wie schon erwähnt, sehr hohe steuerliche Forderungen an, die beglichen werden mußten. Sein plötzlicher Tod im Alter von 61 Jahren hatte alle überrascht. Wohl auch die zuständigen Finanzämter, denn obwohl sich abzeichnete, daß die Originalzeichnungen einem Museum gestiftet werden sollten, gab den letzten Anstoß für diese Entscheidung ein Erlaß, nach dem diese Schenkungen von der Steuer abziehbar sind. 8 Jahre nach dem Tod ihres Bruders war dies das entscheidende Kriterium für seine Schwester, die Originalaquarelle dem genannten Museum in einer Art Schenkung zu übergeben.

Viele ruhmreiche und ergreifende sowie auch für meine Begriffe unpassende, weil nur von Claqueuren verfaßte Worte sind über diese Flora geschrieben worden. Eines der schönsten Nachworte stammt von Sir Clive Fitts, einem Freund von Lord Talbot und dem heimlichen Entdecker der Künstlerin Margaret Stones. Bei der Vernissage einer Ausstellung mit 100 Werken der Künstlerin Margaret Stones, am 25. November 1980 im Queen Victoria Museum and Art Gallery in Launceston, beschrieb er in seinem Schlußwort den Zustand der Unwissenheit, der Lord Talbot in den letzten Jahren seiner Arbeit an der endemischen Flora umgeben hat. Dies mag zunächst für Verwirrung sorgen und den Leser am geistigen Zustand von Sir Clive Fitts zweifeln lassen, war doch Lord Talbot von namhaften Wissenschaftlern eine exzellente Arbeit attestiert worden.

Sir Clive Fitts bezog seine provozierende Aussage aber auf die Unwissenheit, wie sie in Blake´s "Auguries of Innocence" so wundervoll beschrieben wird und die auch Titel der Ausstellung war:

"To see world in a grain of sand
And a heaven in a wildflower
Hold infinity in the palm of your hand
And eternity in an hour."


In seinen Augen hatte Lord Talbot mit dieser Arbeit über die endemische Flora Tasmaniens diese Erfüllung, Zufriedenheit und dieses Stadium der Unwissenheit erreicht, um darin ein solches Meisterwerk zu schaffen. Sir Clive Fitts zitiert weiter: "Eines abends besuchte Blake Freunde in Hampstead. Die Unterhaltung drehte sich den ganzen Abend um das Thema Wissenschaft. Blake beteiligte sich kaum, bis man einstimmig feststellte, daß die Welt zu groß und zu kompliziert sei, auch für die Wissenschaftler. Blake widersprach und sagte, dies sei falsch. Er sagte: "I walked the other evening to the end of the Heath and there I touched the sky with my finger."

"Es stimmt mich freudig zu wissen, Lord Talbot hätte verstanden", und damit beendete Sir Clive Fitts seinen Vortrag.



Mit freundlicher Unterstützung von:

Dr. Andrew Rozefelds, Herbarium (Tasmanian Museum Arts Gallery) Hobart
State Reference Library Hobart, Tasmania
Priv.-Doz. Dr. Diethard H. Storch, Lecturer on Palaeobotany, Faculty of Geosciences, University Freiburg, Germany
Teilweise übersetzt aus den Vorworten zu den sechs Bänden.

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