Pflanzenausstellung im Park Schoppenwihr bei Colmar (Frankreich).

 

Schon das 7. Jahr, das ich am ersten Maiwochenende an einer Ausstellung mehr oder weniger seltener Pflanzen im Park Schoppenwihr bei Colmar im Elsaß teilgenommen habe. Und jedes Jahr steigt die Zahl der Besucher. Diesmal dürfte die 10 000er Besuchermarke überschritten worden sein. Angefangen hat es 1993, als mich Herr Zeller, der Curator vom Botanischen Garten in Strasbourg, mit dem wir eng zusammenarbeiten, einmal mit nach Colmar nahm. Mittlerweile vertrete ich den Versuchsgarten dort mit einem eigenen Stand. Solche Veranstaltungen sollen meiner Meinung nach hauptsächlich dazu beitragen, den Gedanken von einer Gartenkultur weiter zu verbreiten sowie die Bedeutung von Pflanzen, Gärten und Landschaftsarchitektur wieder in das Bewußtsein der Menschen zu rücken.

Ein wichtiges Anliegen in Zeiten, in denen Hausgärten und auch öffentliche Grünflächen an Ideenlosigkeit kaum mehr zu überbieten sind oder immer mehr dem Sparzwang zum Opfer fallen. Leider tragen dazu auch manche Gärtner selber bei, da die Sortimente zwar jedes Jahr durch neue Züchtungen erweitert werden, aber dadurch bei manchen Gattungen ein Sortenwirrwarr entsteht, das auch Fachleute nicht mehr durchschauen. Dabei bieten viele nicht mehr bekannte Gattungen (man schaue sich nur einmal das Handbuch der Laubgehölze von C.Schneider, Anfang des 19. Jahrhunderts an), eine Vielzahl von Arten und Sorten, die in unserem Klima ohne Bedenken verwendet werden können.

Leider ist durch Produktionsverlagerung, z.B. nach Holland, das Wissen über die Verwendung solche "alter" Gattungen verloren gegangen. Die Baumschulen, die eigentlich eine Schlüsselfunktion im Bezug auf die Bereitstellung sogennanter Raritäten (auf diesn Begriff werde ich nachher noch genauer eingehen) hätten, werden immer mehr zu reinen Handelsbetrieben.

 

 

 

 

Und schon jetzt wird unverhohlen mit dem Slogan geworben: Camellien und Zitrusgewächse, frisch aus Italien eingetroffen. So haben vor Jahren die Dehner-Kette und OBI angefangen zu arbeiten, unter lautem Geschrei der hiesigen Produzenten. Heute hat sowohl OBI als auch manch ein ortsansässiger Gärtner den gleichen Lieferanten. Ich behaupte sogar, es gibt eine Tendenz wonach manche Handelskette schon bessere Ware bezieht, da bei entsprechender Abnahmemenge die besseren Qualitäten auch an jene geliefert werden. Dieser Prozeß hat sich schon vor Jahren abgezeichnet, als ich einmal mehrere Tage bei OBI in einem Garten-Center gejobbt habe.

Die sogennanten Raritäten, die über wenige Spezialbetriebe im Ausland bezogen werden, kommen zu horrenden Preisen in Deutschen Baumschulen auf den Markt. Dabei ist der Grundsatz, daß der Preis einer Pflanze sich nach dem Aufwand berechnet, der bei der Produktion verursacht wird, völlig in den Hintergrund getreten.
Und so werden weiter zig Sorten neuer, z.B. neuer, billiger Forsythien in die Gärten gepflanzt, aber eine Dipelta oder eine Euptelea, die mindestens genauso einfach zu vermehren sind, geraten unter diesen Raritäten-Status, der von vornherein den Laien abschreckt ("Ist den die Pflanze auch winterhart?") und ihm auch preislich die Entscheidung zu Gunsten der Forsythie erleichtert.

So gesehen, sind solche Ausstellungen wie die in Colmar sicher ein kleiner Beitrag, dem Garteninteressierten diese Problematik zu verdeutlichen. Gerade der Park von Schoppenwihr im englischen Stil angelegt, bietet mit seinen alten Bäumen einen beeindruckendes Beispiel, was der Begriff Gartenkultur bedeutet.

 

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