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Arboretum Freiburg-Günterstal: Einführung
Im Städtischen Forstamt Freiburg -
Revier Günterstal - wird in Zusammenarbeit mit der Forstwissenschaftlichen
Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität und dem Botanischen Garten
der Universität Freiburg ein Arboretum aufgebaut.
Arboretum Freiburg-Günterstal: Aufgabe
Ein Arboretum sollte für den Fachmann
und den Laien gleichermaßen eine Bereicherung des heimischen Waldes
sein. Die erste Aufgabe eines Arboretums ist die Darstellung von heimischen
Baum- und Straucharten und solchen aus Wäldern anderer Erdteile.
Für den Fachmann:
ist das Arboretum ein Ausbildungsort. Die systematische Stellung von
Familien, Gattungen und Arten der Bäume und Sträucher; das Bestimmen
und Kennenlernen derselben, die Möglichkeit, Anschauungsmaterial zu
sammeln; die Prüfung wirtschaftlicher oder landschaftsgestalterischer
Verwendung, Erweiterung der Baumartenpalette, Erhaltung und Förderung
von Baumarten, die am Naturstandort gefährdet sind.
Für den Laien:
stellt es die Möglichkeit dar, als Weltwanderer Bäume und Sträucher
anderer Erdteile und Länder kennenzulernen. Dendrologisch, forstlich
oder gärtnerisch Interessierte finden vielseitige und neue Baumbilder,
die zur Vielfalt des Waldes und zur Bereicherung des Landschaftsbildes
beitragen können. Heimische, bisher unbeachtete und zurückgedrängte
Baum- und Straucharten, wie zum Beispiel Eibe (Taxus baccata), und
Speierling (Sorbus domestica) sollen gefördert werden.
Die Baumartenvielfalt vergleichbarer geographischer Breiten in Amerika
und Ostasien ist gegenüber Europa auffallend groß. Die Ursache dafür
war die Möglichkeit des Ausweichens der Baumarten vor den Eiszeiten
und die spätere Rückwanderung. Diese Möglichkeit des Rückwanderns
bestand auf dem europäischen Kontinent infolge der in Ost-West-Richtung
verlaufenden Gebirge nicht oder nur in geringem Umfang. Eine große
Anzahl von Baumarten, die heute wieder eingebürgert werden, waren
vor den Eiszeiten in unseren Wäldern heimisch, so zum Beispiel der
Mammutbaum (Sequoiadendron giganteum), Lebensbaum (Thuja plicata),
der Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera) und andere. So gesehen, handelt
es sich bei der Wiedereinbürgerung nicht um den Anbau "fremdländischer
Baumarten", sondern um die Rückführung ehemals heimischer Baumarten.
Dazu soll das Arboretum beitragen.
Arboretum Freiburg-Günterstal: Standort
Das Arboretum liegt im atlantischen
Klimabereich in 290 - 430 m Höhe über NN. Der Niederschlag beträgt
ca. 1000 mm / Jahr, davon entfallen auf die Vegetationszeit (IV -
IX) ca. 600 mm. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei etwa 9
°C.- in der Vegetationszeit (IV - IX) bei etwa 17 °C. Das Grundgestein
ist Gneis. Die Böden sind in der Regel humose, tiefgründige, oft gut
verlehmte Braunerden. Die Gesamtfläche des Arboretums besteht aus
leicht bis stark geneigten, gelegentlich auch steilen Hanglagen mit
allen Expositionen.
Arboretum Freiburg-Günterstal: Geschichte
Um die Jahrhundertwende wurden in größerem
Umfang verschiedene Baumarten - vorwiegend aus Amerika und Japan -
im Stadtwald angepflanzt. Die ersten Douglasienpflanzungen sind nachweislich
1896 angelegt worden. Heute sind die Douglasienbestände des Städtischen
Forstamtes weit über Freiburg hinaus bekannt und Ziel in- und ausländischer
Exkursionen.
In den Jahren 1901 bis 1911 wurden mehrere hunderttausend ausländische
Bäume im Stadtwald Freiburg gepflanzt. Ein Beispiel aus dem Jahre
1902 kann dies verdeutlichen. Im Günterstäler Wald wurden in diesem
Jahr unter anderem ausgepflanzt:
- 1940 Bergkiefern (Pinus montana)
- 3800 Douglasien (Pseudotsuga menziesii)
- 2600 Nordmannstannen (Abies nordmanniana)
- 100 Sibirische Lärchen (Larix sibirica)
- 370 Kanadische Pappeln (Populus canadensis)
Neben den oben genannten Baumarten
wurden weitere Nadel - und Laubbaumarten ausgepflanzt: Japanische
Lärche, Weymouthskiefer, Sitkafichte, Sicheltanne, Legföhre, Silbertanne,
Blaufichte, Engelmann-Fichte, Hemlockstanne, Stechfichte, Thuja, Schirmtanne,
Zeder, Ginkgo, Schwarznuß, Spätblühende Traubenkirsche, Robinie, Roteiche,
Magnolie, Zuckerahorn und andere.
Die Ursachen für den Anbauerfolg oder Mißerfolg waren recht unterschiedlich.
Zunächst wurde wohl mit viel Euphorie alles gepflanzt, was irgendwie
erreichbar war. Dabei wurden geographische geologische und klimatische
Bedingungen außer acht gelassen. So war es oft Zufall, ob sich eine
Baumart gegen die Wuchskonkurrenz einheimischer Baumarten durchsetzen
konnte oder nicht. Für manchen Forstmann war die Ursache des Mißerfolges
schnell gefunden: Die "neue Baumart" taugt nichts...
Die Vitalität einiger Baumarten war jedoch nach ein paar Jahren des
Anbaus so offensichtlich, daß diese bevorzugt weiter angebaut wurden,
während man andere nicht mehr berücksichtigte. Als positives Beispiel
konnten die Anbauten von Douglasien und Roteiche gelten - aus heutiger
Sicht vorhersehbar negativ waren zum Beispiel die Versuche etwa mit
Zeder (Cedrus) und Geweihbaum (Gymnocladus). Aus den alten Einrichtungswerken
geht die kontinuierliche Weiterverwendung ausländischer Baumarten
hervor - allerdings eingeschränkt durch die Zeitperiode der beiden
Weltkriege.
Aus diesen langjährigen Anbauversuchen blieben einige bis 80-jährige
Einzelbäume, Gruppen und Bestände erhalten. Im Bereich des Günterstäler
Waldes sind außer der großflächig dominierenden Douglasie (Pseudotsuga
menziesii) noch Pinus strobus, Pinus banksiana, Picea orientalis,
Pinus ponderosa, Abies nordmanniana, Larix leptolepis, Cryptomeria
japonica, Pinus austriaca, Chamaecyparis lawsoniana, Cedrus atlantica,
sowie von Laubbäumen Quercus rubra, Juglans nigra, Robinia pseudacacia,
und Populus x canadensis zu finden. Alle Anbauten von verschiedenen
Baumarten seit Beginn des Jahrhunderts hatten - nicht nur im Stadtwald
Freiburg - zum Ziel, Baumarten zu finden, die größere Wuchsleistungen
aufweisen und deshalb für die Forstwirtschaft geeignet sind.
Heute weiß man, daß nur wenige ausländische Baumarten den Ansprüchen
der Forstwirtschaft genügt haben, so zum Beispiel die Douglasie (Pseudotsuga
menziesii) und Quercus rubra. Auch zukünftig werden neben den eben
genannten nur wenige Baumarten im Forst Verwendung finden. So wird
zum Beispiel auf den diluvialen Sandböden Norddeutschlands die Pinus
contorta latifolia an Bedeutung gewinnen, während in klimatisch günstigen
Gebieten Westdeutschlands Sequoiadendron giganteum und in den Gebirgslagen
einige Tannenarten angebaut und geprüft werden. Im ganzen werden diese
Baumarten jedoch nur einen geringen Flächenanteil einnehmen.
Neben der wirtschaftlichen Bedeutung kommt den ausländischen Baum-
und Straucharten allerdings eine zunehmend wichtigere Rolle bei der
Verwendung im medizinischen oder im ästethischen Bereich zu.
Arboretum Freiburg-Günterstal: Lage
Der 5000 ha große Freiburger Stadtwald
besteht zu 40 % aus Flußauewäldern des Rheintales und zu 60 % aus
Bergwaldungen des Schwarzwaldwestabfalls. Das Arboretum des Städtischen
Forstamtes ist Teil des Bergwaldes und liegt im Bereich des Vorortes
Günterstal, südlich von Freiburg.
Arboretum Freiburg-Günterstal: Fläche
Die Gesamtfläche des Arboretums beträgt
ca. 100 ha. Es ist eingebunden in den vorhandenen Waldbestand und
soll dies auch zukünftig bleiben. Von der Gesamtfläche der Gemarkung
Freiburg (200 - 1300 m über NN) sind 6500 ha Wald, was einem Bewaldungsgrad
von 43 Prozent entspricht.
Arboretum Freiburg-Günterstal: Technischer Leiter
Dipl.-Ing. Forst Hubertus Nimsch
Haus Nr. 31
79283 St. Ulrich/Bollschweil
Arboretums-Prospekt
zum blättern....
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