Baumkronen tropischer Wälder

|Abteilung Spezielle Botanik|


Das COPAS-Projekt

Die Erforschung der Biodiversität und der Funktion des Ökosystems Baumkronen im Amazonasregenwald

Der tropische Regenwald beherbergt die meisten Pflanzen- und Tierarten der Erde und stellt ein wichtiges Ökosystem für den globalen Naturhaushalt dar. Seine Funktion besteht u.a. in der Regelung des CO2 Haushaltes und laut dem Nobelpreisträger Crutzen dient er als Waschküche für die Atmosphäre. Er reinigt die Atmosphäre von schädlichen Stoffen und trägt so zur Stabilisierung des weltweiten Klimas in entscheidendem Maße bei.

Die sich in Jahrmillionen entwickelte Artenvielfalt stellt einen unschätzbaren Wert für die Menschheit dar. Gleichzeitig funktioniert er aufgrund dieser Artenvielfalt als wichtiges Regulierungssystem im globalen Haushalt. Beides, seine Werte und seine Funktion, sind durch weltweiten Raubbau aufgrund fehlender Kenntnisse über die ökologische Stabilität des Regenwaldes stark gefährdet.

Seine Unerforschtheit beruht vor allem auf der Unzugänglichkeit des Kronendachs der tropischen Wälder. In den Baumkronen leben die meisten Tiere und Pflanzen der Regenwälder. Ein ungeheuer komplexes Netzwerk von Beziehungen zwischen ihnen bildet die Grundlage für die Funktion, die Stabilität, den Schutz und die Nutzbarkeit dieses einmaligen Ökosystems auf unserer Erde.

Nur wenige Versuche gab es bisher diesen Teil des Regenwaldes zu erforschen. Die Arbonauten, wie die Erforscher der Baumkronen auch genannt werden, versuchten bisher durch Luftschiffe, durch den Einsatz von Baukränen vor allem aber durch verschiedene Klettertechniken diesen neben der Tiefsee letzten unerforschten "Kontinent" auf unserer Erde zu erobern. Alle bisherigen Versuche in 30 bis 60m über dem Erdboden zu arbeiten sind von verschiedenen Schwierigkeiten und Risiken begleitet.

Daher entwickelten Forscher der Universität Ulm, Abteilung Spezielle Botanik eine neuartige Technologie, um die Erfoschung der Baumkronen zu verbessern. Das COPAS-System erlaubt erstmalig eine sichere Erforschung der Baumkronenregion vom Boden bis in eine Höhe von 60 Metern ohne in das Ökosystem störend einzugreifen. Das COPAS-System und das gleichzeitig entwickelte Forschungskonzept wurden 1996 mit dem Körberpreis für die europäische Wissenschaft geehrt und aufgrund seiner Einzigartigkeit und seiner europäischen Dimension mit einem Preisgeld in Höhe von 1,25 Millionen DM unterstützt.

Das Copas-System besteht aus 3 Masten mit 45 m Länge und einem Ballon, mit einem Durchmesser von ca. 10 m mit daran hängender Gondel.Der Ballon kann durch drei Winden an jeden beliebigen Punkt der ca. 1,4 ha großen Untersuchungsfläche gesteuert werden. Durch einen Elektromotor kann die Gondel zusätzlich in der Höhe verändert werden. Jeder der drei 45 m hohen Masten besteht aus 16 2,8 m langen und ca. 450 kg schweren Rundrohre.Damit ergibt sich ein Gesamtgewicht des Systems von annähernd 70 t, die im Regenwald von Farnzösisch-Guayana’s installiert werden. Der in einer maximalen Höhe von 120 m schwebende Ballon hat ein Füllungsvolumen von 650 m³ Helium und kann damit eine Last von 600 kg tragen. Insgesamt bedarf es einer Menge von ca. 3200 Schrauben um das System zu montieren.