AUSLANDSSTUDIUM IN COSTA RICA
INFOS FÜR BEWERBER

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Seit 1987 existiert für Biologiestudenten die Möglichkeit, ein Jahr in Costa Rica zu verbringen und Tropenbiologie zu studieren. Darüber hinaus kann Material für eine spätere Diplomarbeit gesammelt werden. Das Studienprogramm beruht auf einem Abkommen zwischen der Universität Ulm und der Universidad de Costa Rica (UCR) und wird vom DAAD im Rahmen eines ISAP-Programms (Integrierte Studien- und Ausbildungspartnerschaft) finanziell unterstützt. Das Teilstipendium umfaßt für einen Zeitraum von 11 Monaten (August 2005 bis Juni 2006) einen Monatsbetrag von ca. € 350,- eine einmalige Flugkostenpauschale sowie einen monatlichen Krankenversicherungszuschuß von € 35,-. Offizielle Programmbeauftragte ist seit dem Sommersemester 2006 Prof. Dr. Elisabeth Kalko von der Universität Ulm (Abteilung Experimentelle Ökologie, Bio III), weitere Infos gibt es bei Dr. Marco Tschapka. Die Betreuung vor Ort in San José erfolgt offiziell durch Dr. Andrea Bernecker (Universität Ulm, UCR) und Frau Dr. Gabi Dolz vom Regionalbüro des DAAD. Insgesamt wurden bisher 78 Personen im Rahmen dieses Austauschprogrammes gefördert.

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Costa Rica bietet ausgezeichnete Möglichkeiten für Studenten, sich unmittelbar mit der Tropenbiologie auseinanderzusetzen. Lebensqualität und medizinische Versorgung sind vergleichsweise gut, und konfliktgeladene soziale Unterschiede sind nicht so ausgeprägt wie in anderen lateinamerikanischen Ländern. Unterschiedlichste Vegetationszonen auf engstem Raum, ein gut strukturiertes System von Nationalparks und Schutzgebieten und eine funktionierende Infrastruktur ermöglichen das intensive Studium der tropischen Flora und Fauna. Die vorhandenen wissenschaftlichen Einrichtungen besitzen ein recht hohes Niveau. Hierzu gehören die UCR sowie in Costa Rica ansässige amerikanische Forschungsinstitutionen wie beispielsweise die "Organization for Tropical Studies - OTS". Wissenschaftlich hoch qualifizierte einheimische Biologen vertreten die verschiedensten Fachgebiete der Biologie. Wer Einblicke in die kulturellen Ursprünge Lateinamerikas und der indigenen Bevölkerung erwartet, wird allerdings enttäuscht. Die wenigen in Costa Rica ursprünglich lebenden Gruppen der "Indígenas" sind in isolierte, schwer zugängliche Reservate zurückgedrängt, wo sie heute noch in sehr ärmlichen Verhältnissen leben.

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Voraussetzungen für Bewerber sind ein abgeschlossenes Vordiplom im Fach Biologie, der Nachweis grundlegender Kenntnisse in der Tropenbiologie durch eine schriftliche Prüfung an der Universität Ulm und gute Kenntnisse der Landessprache Spanisch, sowie Grundkenntnisse in Englisch. Es wird ein ausgesprochenes Interesse an der Tropenbiologie erwartet. Zum Zeitpunkt des Antritts des Studienaufenthaltes sollte das 8. Fachsemester nicht überschritten sein. Für 2005 werden fünf Plätze vergeben. Die endgültige Auswahl der Kandidaten erfolgt anhand eines Auswahlgesprächs. Kriterien sind dabei Fachkenntnisse des Bewerbers, Kenntnisse in der Tropenbiologie, Landeskunde und Sprache, sowie die bisherigen Studienleistungen (Vordiplom). Das Gespräch findet in Spanisch und Englisch statt, die vorherige Teilnahme an einem intensiven Sprachkurs wird deshalb empfohlen.

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Das Biologiestudium an der Universidad de Costa Rica ist in "pregrado" (Grundstudium) und "posgrado" (Hauptstudium) unterteilt. Die meisten Kurse bestehen aus einer Vorlesung und einem praktischem Teil, sowie bei "posgrado"-Kursen einer kleineren wissenschaftlichen Arbeit experimenteller oder theoretischer Natur, die in entsprechend wissenschaftlicher Form schriftlich zusammengefaßt werden muß. Daneben gibt es Seminare, bei welchen die Teilnehmer eigene oder andere Arbeiten referieren und diskutieren. Ein begonnener Kurs kann nicht vorzeitig abgebrochen werden. Es besteht Anwesenheitspflicht, und in der Regel werden Klausuren geschrieben. Für das Bestehen von "pregrado"-Kursen sind 70 %, bei "posgrado"-Kursen 80 % der Maximalpunktzahl notwendig. Dies erscheint alles ziemlich schwierig, ist aber bisher von den Teilnehmern immer gut bewältigt worden. Es besteht die Vereinbarung, daß Gaststudenten keine Studiengebühren bezahlen. Die praktische Umsetzung dieser Regelung kann jedoch immer noch mit erheblichem Aufwand bei der Immatrikulation verbunden sein. Die Gaststudenten sollten dies jedoch als zu bewältigende Hürde Ihres Studienaufenthaltes betrachten. Hilfestellung leistet bei allen Fragen oder Problemen Dr. Andrea Bernecker, die Betreuerin vor Ort. Sollte eine ordnungsgemäße Immatrikulation im 2. Semester trotz aller Bemühungen nicht möglich sein, so wird eine Bescheinigung des Professors über die Teilnahme am entsprechenden Kurs mit der jeweiligen Note in Ulm bzw. beim DAAD ohne weiteres anerkannt.

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Da man sich inmitten der Tropen befindet, bieten die Kurse ein inhaltliches Spektrum, das auch jedes noch so gute tropenbiologische Praktikum in Europa nicht ersetzen kann. Taxonomisch-systematische Kurse decken einen breiten Bereich tropischer Organismen und Lebensräume ab. Studienzeit ist von August bis Dezember und von März bis Juni. Als Voraussetzung für die Zahlung der Stipendienraten in der semesterfreien Zeit im Januar und Februar muß für diesen Zeitraum eine "Investigación por Tutoría" nachgewiesen werden. Dies ist eine kleine individuelle Forschungs- oder Literaturarbeit, die von einem Dozenten an der Escuela de Biología betreut wird. Die verschiedenen Kurse werden durch die Anzahl der zu erreichenden "créditos" bewertet. Für Kurse (auch für die "Investigación por Tutoría") gibt es 3-4 créditos, für Seminare nur 2 créditos. Insgesamt müssen 17 créditos während des Auslandsstudiums erreicht werden, was einer Teilnahme an 2-3 Kursen pro Semester entspricht. Die "Investigación por Tutoría" kann für das Sammeln von Material für eine spätere Diplomarbeit genutzt werden. Die in Costa Rica belegten Kurse werden derzeit an der Universität Ulm für die Zulassung zur Diplomprüfung im Fach Biologie als Praktika mit 10-14 Leistungspunkten anerkannt, für das Bachelor- / Masterstudium sind analoge Regelungen geplant.

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Das Programm ist grundsätzlich für das Studium an der UCR vorgesehen. Wie schon erwähnt, besteht aber die Möglichkeit, Vorarbeiten für eine spätere Diplomarbeit im Anschluß an den Studienaufenthalt durchzuführen oder Material zu sammeln. An der Universität Ulm ist eine fundierte Betreuung von Diplomarbeiten mit tropenbiologischen Themen zur Zeit in den Abteilungen Systematische Botanik und Ökologie (Biologie V) sowie Experimentelle Ökologie (Biologie III) möglich. Hier gibt es ein breites Spektrum an Forschungsschwerpunkten, sowohl bezüglich der Organismen als auch der Thematik (Zoologie und Botanik: Taxonomie, Systematik, Ökologie, Tier-Pflanzen-Interaktionen, Betäubungsökologie, Bioakustik, Ökophysiologie, usw.). Bewerber sollten sich rechtzeitig um entsprechende fachliche Betreuung bemühen. Die Diplomarbeit darf offiziell erst nach dem Ablegen der Diplomprüfung begonnen werden. Hier bestehen aber individuelle Lösungsmöglichkeiten und gegen Vorarbeiten und Sammeln von Material ist nichts einzuwenden. Ansonsten wird die Zusammenarbeit mit Fachleuten an der Escuela de Biología, am Herbario Nacional und im Bereich anderer Institutionen (z. B. INBIO - Instituto Nacional de Biodiversidad) nachdrücklich empfohlen.

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Genehmigungen für Vorarbeiten und das Sammeln von Material für eine spätere Diplomarbeit erfordern bürokratischen Aufwand. Wenn man sich von vornherein an entsprechende Regeln hält und die Verwaltungsangelegenheiten in Costa Rica in entsprechender Form abwickelt, ist es jedoch relativ einfach die entsprechenden Genehmigungen zu erhalten. Hierfür braucht man immer ein sogenanntes "Anteproyecto", d. h. eine ausführliche Darstellung der geplanten wissenschaftlichen Arbeiten oder Sammeltätigkeit, mit Einleitung, Problemstellung etc. (mindestens 2-3 Seiten), einen Lebenslauf ("Curriculum vitae") in Spanisch sowie mehrere Paßfotos. Anhand dieser Dokumente beantragt man vor Ort eine Arbeits- und Sammelgenehmigung bei der Dirección de Vida Silvestre des Umweltministeriums (MINAE), die später auch für die Ausfuhr von Material wichtig ist. Im Bereich der Nationalparks benötigt man zusätzlich eine Erlaubnis vom Servicio de Parques Nacionales die man beim Ventanilla Unica von Dr. Javier Guevarra erhält. Die Bearbeitung dauert in der Regel ca. 4 Wochen. Die OTS verfügt mit den Stationen "La Selva", "Las Cruces" und "Palo Verde" über eine ausgezeichnete Infrastruktur. Die Aufenthaltskosten sind jedoch sehr hoch, beinhalten aber in der Regel Unterkunft und volle Verpflegung sowie die Benutzung von Waschmaschinen, Laboratorien, Literatur, EDV etc. Ausgezeichnete Forschungsmöglichkeiten in einem intakten Bergregenwald bietet auch die biologische Station in der Reserva Biológica Alberto Brenes (San Ramon) die unmittelbar zur UCR gehört. Weiterhin befindet sich am Cerro de la Muerte eine private Station eines ehemaligen pensionierten Professors der UCR, der großes Interesse an wissenschaftlichen Untersuchungen im Gebiet hat.

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Als Unterkunft steht in Costa Rica zur Zeit ein Haus zur Verfügung, das Platz für 5 Leute bietet und etwa € 500,- Monatsmiete kostet. Bei der Übernahme ist eine gewisse Summe als Ablöse für die Haushaltsgegenstände zu bezahlen. Man sollte sich deshalb mit den Vorgängern rechtzeitig in Verbindung setzen. Ein Bus fährt direkt an die UCR, und ins Zentrum gibt es ebenfalls eine ganze Reihe sehr günstiger Verbindungen (jeweils ca. 15 min Fahrt).

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Für Costa Rica sind keine Impfungen zwingend vorgeschrieben. Empfehlenswert ist eine Hepatitis-A und -B Schutzimpfung, die ca. 7 Jahre wirksam ist. Eventuell empfehlenswert sind eine Gelbfieber­impfung für benachbarte Länder. Zurückliegende Impfungen (Polio, Tetanus, Diphtherie) sind aufzufrischen. Malariaprophylaxe ist vor Ort erhältlich, die Einnahme ist aber nur bei Reisen in Malariagebiete der atlantischen Tiefebene oder Nachbarländer zu empfehlen. Für die Regelung der Finanzen ist eine Kreditkarte sowie die Eröffnung eines Sparkontos (US $) in Costa Rica zu empfehlen. Eurocard (Mastercard) und Visacard haben hohe Akzeptanz, allerdings ist die Beschaffung von Bargeld mit relativ hohen Gebühren verbunden. Für den Anfang sind Travellerschecks und ein gewisser Betrag an US $ (keine 100-Dollar-Noten, nur einwandfreie Scheine) empfehlenswert. Alternativ kann man an vielen Geldautomaten auch mit der EC-Karte Geld von deutschen Konten abheben (Gebühr: 3 EUR). Der Tausch von Devisen ist frei, sollte aber nicht auf der Straße vorgenommen werden. Nach Flügen sollte man sich ausreichend vorher erkundigen. Flüge über U.S.A. bieten die Möglichkeit, 64 kg Gepäck mitzunehmen. Preise für Jahrestickets sind sehr variabel, und viele Gesellschaften bieten Studententarife an. Wenn man den Rückflug offen halten will, kann man auch One-Way-Tickets besorgen. Prinzipiell ist aber bei der Einreise nach Costa Rica ein innerhalb von 90 Tagen fälliges Rückflugticket vorzulegen, was von der Fluggesellschaft beim Einchecken nach Costa Rica nachgeprüft wird. Man sollte sich eventuell ein Ausreiseticket mit Gültigkeit innerhalb der ersten 3 Monate besorgen, das mit voller Erstattung des Preises wieder zurückgegeben werden kann. Für die Einreise mit einem Jahresticket benötigt man eine Stipendienbestätigung die von der Abteilung Systematische Botanik und Ökologie der Universität Ulm ausgestellt wird.

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Bei der Einreise erhält man ein für 90 Tage gültiges Touristenvisum. In Costa Rica beantragt man ein Studentenvisum beim Büro der "Asuntos Internacionales", das sich innerhalb des Unigeländes befindet. Hierfür benötigt man ein polizeiliches Führungszeugnis aus dem Ursprungsland, eine Bescheinigung des DAAD über Zweck und Umfang des Stipendiums, sechs Passbilder, sowie einen formlosen Antrag. Das Studentenvisum gilt zunächst für ein halbes Jahr, kann jedoch ohne größeren Aufwand um weitere sechs Monate verlängert werden. Es sollte gleich zu Semesterbeginn beantragt werden, da zu diesem Zeitpunkt alle Formalitäten relativ einfach über das Büro der "Asuntos Internacionales" abgewickelt werden können. Falls in Erwägung gezogen wird, das Touristenvisum alle 3 Monate durch Ausreisen zu verlängern, so sollte man bedenken, daß die UCR das Studentenvisum seit einiger Zeit zur Pflicht gemacht hat. Ein längerer Aufenthalt (mehr als zwei Wochen) außerhalb Costa Ricas ist auch vom DAAD aus nicht vorgesehen und das wiederholte Ausreisen alle drei Monate läßt sich meist auch zeitlich mit dem Studium nicht koordinieren.

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Costa Rica ist ein vielschichtiges Land, und jeder muß und wird individuelle Erfahrungen mit Kultur und Mentalität der Leute machen. Es sollte jedoch klar sein, daß es in Costa Rica hinter der überall zu Tage tretenden Offenheit der Menschen fein abgestufte Verhaltensregeln gibt, die für das Auskommen untereinander wichtig und entscheidend sind. Costaricaner sind stolz darauf, Costaricaner zu sein, zeigen das auch und erwarten von anderen Respekt in dieser Hinsicht. Ein gewisses Maß an Anpassungsfähigkeit, Toleranz, Geduld, Zurückhaltung und diplomatischem Geschick sind erforderlich, wenn man sich dort zurechtfinden und vielleicht auch tiefergehende Freundschaften schließen will. Das zeigt sich schon im äußeren sehr gepflegten Erscheinungsbild der Menschen, auf das in Costa Rica meist sehr viel Wert gelegt wird. Es ist nicht notwendig zu übertreiben, aber in dieser, wie in vielerlei anderer Hinsicht, sollte man zu Kompromissen bereit sein. Es ist auch sehr wichtig uneigennützige Kontakte zu pflegen, und zwar auf möglichst vielen Ebenen, d. h. zu den Studenten ebenso wie zu den Dozenten, zu den Nachbarn und zur Bevölkerung auf der Straße. Nur so schafft man ein Vertrauensverhältnis, das spätestens dann benötigt wird, wenn man auf Hilfe angewiesen ist. Letztlich muß man sich darüber im klaren sein, daß man Gast in einem Land ist und dort nicht nur die Heimatuniversität, sondern auch seinen Kulturkreis repräsentiert. Ein guter Eindruck ist von entscheidender Bedeutung für das erfolgreiche Weiterbestehen des Programms und für die Chancen nachfolgender Studenten, ebenfalls daran teilzunehmen.

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Interessenten sollten sich möglichst bald in der Abteilung Experimentelle Ökologie (Bio III) der Universität Ulm melden. Für individuelle Tips kann man sich mit folgenden Personen in Verbindung setzen:

Marco Tschapka
Universität Ulm, 0731 / 502-2678 (Bio III, M25, Zi. 5203), e-mail: marco.tschapka@uni-ulm.de
Andrea Bernecker
Costa Rica, Tel. UCR: 00506-2075965 (Büro), 00506-2256671 (Tel. u. Fax. privat), e-mail: andrea.bernecker@biologie.uni-ulm.de
Heiko Hentrich
Universität Ulm, 0731 / 502-2694 (Bio V, M25, Zi. 547), e-mail: heiko.hentrich@uni-ulm.de