von Sandra Wilcken
Herbivorie = die Fähigkeit tierischer Organismen, Pflanzen als Nahrung zu nutzen
1.1. Pflanzliche Waffenarsenale
Abwehrmechanismen, um in der Gesellschaft Herbivorer überleben zu können:
1.2. Tierische Überwindungsstrategien
2.1 Blattschneiderameisen und Waldregeneration in Zentral-Amazonien
Auswirkungen von Herbivorie auf das Wachstum von Baum-Sämlingen (interdisziplinären Forschungsprojekt der Unis Bielefeld, Würzburg und Kaiserslautern)
Über ein Jahr hinweg wurden die Auswirkungen von Blattschneiderameisen auf die Struktur eines tropischen halbimmergrünen Regenwaldes in Panama (BCI) untersucht. Im etwa 1 ha grossen Futtergebiet einer einzigen Ameisenkolonie wurden dem Wald bis zu 13% der gesamten Blattfläche entnommen. Einzelne Bäume erlitten Blattverluste zwischen 5% und 50% ihrer aktuellen Blattfläche. Durch Messung der Blattflächenindexverteilung im Verlauf des Waldes konnte gezeigt werden, dass sich über 50% der gesamten Blattmasse dieses Regenwaldes in den oberen 5m des Kronenraumes befinden.
Ameisenbedingte Blattentnahmen, die vornehmlich in den obersten Kronenschichten erfolgen verursachen eine signigikante Veränderung des Lichtklimas im Kronenraum.
2.2 Blattschneiderameisen und Waldregeneration in Zentral-Amazonien: Auswirkungen von Herbivorie auf das Wachstum von Baum-Sämlingen
(1997 Journal of Tropical Ecology)
In der Studie, die auf einer abglegenen Farm nahe Manaus stattfand, wurde über neun Monate hinweg der Einfluss von Atta laevigata auf die Entwicklung von Baumsämlingen untersucht.
2.3. Herbivorie und Artenvielfalt (Janzen-Connell-Modell)
Diese Formenvielfalt des tropischen Regenwaldes beeindruckte die Urwaldforscher seit den ersten Entdeckungsreisen:
"Wenn der Reisende eine bestimmte Art bemerkt und weitere Exemplare davon finden möchte, wird er seine Augen meist vergebens nach allen Richtungen wenden. Bäume verschiedenster Wuchsformen, Grössen und Farben umgeben ihn, aber er findet kaum einmal einen von ihnen ein weiteres Mal. Immer wieder geht er zu einem Baum, der aussieht wie einer, den er gerade sucht, stellt aber bei genauerer Betrachtung fest, dass es sich um einen anderen handelt. Erst nach einer Weile wird er vielleicht eine halbe Meile weiter auf ein zweites Exemplar treffen oder auch völlig vergebens suchen, bis der Zufall bei anderer Gelegenheit über eines stolpert". (Alfred Russel Wallace )
Eines der bekanntesten Modelle, um die hohe Baumdiversität tropischer Wälder zu erklären ist das in den siebziger Jahren entwickelte Janzen-Connell-Modell. Es geht von folgender Annahme aus:
Viele Samen fallen nahe des Elternbaumes herab und bilden dichte Sämlingsteppiche. Hier konzentrieren sich daher auch pathogene Keime und Herbivore und führen dazu, dass die Sterblichkeit der Keimlinge nahe des Elternbaumes fast 100% ist. Die wenigen über grössere Strecken verbreiteten Samen entkommen dagegen der Prädation, können auskeimen und überleben. Der freie Platz um den Elternbaum dagegen kann von Sämlingen anderer Pflanzenarten besiedelt werden.Diese sogenannte "Flucht-Hypothese" wird als Mechanismus angeführt, der im Regenwald die Entstehung von Standorten mit nur einer Baumart verhindert.
Ein Prozess der auf der Basis von Samen und Sämlingen um einen erwachsenen Baum richtig ist, muss nicht zwangsweise auch auf der Basis ganzer Populationen richtig sein
Wenn man einzelne Bäume betrachtet, ist das Modell anwendbar, auf einer grösseren Populationsebene nicht mehr
Modell wird nur teilweise unterstützt. Das überleben der Nachkommen hängt nicht nur von der Dichte und Distanz der Samen zum Elternbaum ab, sondern auch von der Baumart, der Prädatorenart und unterschiedliches Jagdtverhalten, dem räumlichen Umfang der Untersuchungen und dem Jahr der Untersuchungen
=> In der Ökologie muss man vorsichtig sein, einfache Modelle zu generalisieren
Zum Artenreichtum tragen vielfältige Komponenten bei, die berücksichtigt werden sollten.
Herbivoren-Pflanzeninteraktionen sind sehr komplex und ihre Erforschung steht vor allem in tropischen Gemeinschaften noch ganz am Anfang. Sie sind nur ein Beispiel für die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Pflanzen und Tieren, die man grade erst zu untersuchen beginnt und noch kaum versteht. Einig ist man sich nur darüber, dass sie essentiell für das Funktionieren des Ökosystems und besonders empfindlich gegenüber Störungen sind.
Aber erst mit weit mehr Forschung über Wechselwirkungen werden wir wirklich verstehen lernen, wie Ökosysteme aufgebaut sind und wie sie funktionieren.