- Die Geschichte des Walfangs ein Beispiel für Übernutzung
Der Walfang etablierte sich bereits im 18. Jh. als Industrie, als die Bedeutung der Pottwale als reiche Quelle für Öl entdeckt wurde. Das Öl fand Anwendung in der Herstellung von kosmetischen Produkten, Seife, Kerzen, Margarine, und war sogar Bestandteil von Nitro-glycerin. Mit Entwicklung des ersten dampfgetriebenen Walfangschiffes, ausgestattet mit einer Harpunen-Kanone, begann 1860 der moderne Walfang. Mit der Weiterentwicklung der Fangmethoden wurden viele Walpopulationen bis zum Zusammenbruch bejagt. Eine "Kompensation" erfolgte nur dadurch, dass bei starkem Schwund einer Walart die Jagd auf bisher verschonte Arten ausgedehnt wurde. Trotz der Einführung von Fangquoten im Jahr 1932 sanken die Bestände und auch die Fänge weiter stetig ab, bis der Walfang aus wirtschaftlichen Gründen und dem öffentlichen Aufschrei in den 70er und 80er Jahren fast gänzlich eingestellt wurde.
- Voraussetzungen für eine nachhaltige Nutzung
Um Wildtierpopulationen nutzen zu können, ohne ihre Ausrottung zu riskieren, sind verschiedene Informationen bezüglich ihrer Biologie und ihrer derzeitigen Situation nötig:
- Reproduktionsrate
- Mortalitätsrate
- Schätzung der derzeitigen Bestandsgrösse
- Eingliederung in Nahrungsketten des Habitates
- Habitatqualität
Mit Hilfe dieser Parameter kann man die Populationsdichte modellieren, wenn eine Nutzung im Sinne von Abschöpfen von Biomasse erfolgt.
- Beispiele für die Anwendung des Konzeptes der nachhaltigen Nutzung:
- White tailed deer Management in Costa Rica White tailed deer (Odocoileus virginianus), oder auch Weisswedelhirsch, ist eine der wichtigsten bejagten Wildarten in Nord- und Zentralamerika. Durch jahrelange Übernutzung der Bestände in Costa Rica wurde es nötig über Chancen und Möglichkeiten eines Populationsmanagements nachzudenken. Die Pläne bezogen sich dabei auf die Unterart Odocoileus virginianus chiriquensis. Die wichtigsten Punkte bei Vorbereitung und Durchführung des Projektes werden sein:
- Aufklärung der Bevölkerung mindestens 1 Jahr vor Projektbeginn
- Habitatmanagement
- Aufstocken der Population mit Tieren aus anderen Gebieten
- Erstellen eines Nutzungsplanes
- Ökotourismus Diese Form eines "sustainable use" zielt nicht auf eine Nutzung im Sinne eines Ertrages an Biomasse ab, sondern es wird aus dem blossen Vorhandensein von Biodiversität ein Profit erzielt. Wichtig ist, dass derartige Projekte auch für die lokale Bevölkerung Vorteile wie neue Verdienstmöglichkeiten mit sich bringen, und die Gewinne nicht vollständig an die Reiseagenturen fallen. Der Tourismus stellt zudem häufig eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes für Devisen dar, und bringt jährlich ein Vielfaches dessen ein, das im selben Gebiet durch Landwirtschaft erzielt werden könnte.
- Sammeln von Schildkröteneiern an den Stränden von Costa Rica. Das folgende Beispiel zeigt deutlich die unmittelbare Abhängigkeit des Erfolgs eins Projektes von der Unterstützung und Akzeptanz der Bevölkerung und Behörden vor Ort:
Nachdem das Einsammeln der Eier der Bastardschildkröte Lepidochelis olivacea an den Stränden Ostional und Nancite in Costa Rica durch die Einwohner überhand genommen hatte, wurde ein erster Managementplan zum kontrollierten Verkauf der Eier erstellt. Es schien, als sollte das Projekt ein voller Erfolg werden, doch ein Streit zwischen der Vereinigung der Eiersammler, einigen Biologen der Universität Costa Rica und einer unabhängigen Biologin um die Regelung des Sammelns und die Beherbergung von Touristen sollte so weit eskalieren, dass eine Forschungsstation niedergebrannt wurde, und das Absammeln inzwischen so gut wie unkontrolliert erfolgt.
- Zusammenfassung wichtiger Faktoren
- Essentiell ist eine Akzeptanz des Projektes in der Bevölkerung, grössere Projekte sollten deshalb immer im Zusammenhang mit Traditionen und Gewohnheiten der Bevölkerung gesehen werden
- Vorantreiben der Aufklärung der Bevölkerung, beginnend mit Bildung eines neuen Umweltbewusstseins schon an den Schulen
- Aufzeigen neuer Möglichkeiten zur nachhaltigen Nutzung des Raumes
- Möglichkeiten für die Bevölkerung an den Projekten mitverdienen zu können
- Aufzeigen, welchen wirtschaftlichen Wert die einzelnen Tier- und Pflanzenarten bei richtiger Nutzung haben können, und nicht zuletzt auch deshalb schützenswert sind

- Quellenangaben
- J.G.Robinson & K.H.Redford, Neotropical Wildlife Use And Conservation, The Universitiy of Chicago Press 1991
- A.P. Dobson, Conservation And Biodiversitiy, Scientific American Library 2000
- Zeitungsartikel aus "Die Zeit" vom 13.4.2000