Bericht über die 2. Fortbildungsveranstaltung der Arbeitsgruppe Pädagogik im Verband Botanischer Gärten e.V. - im Forstbotanischen Garten Tharandt, 
vom 7. - 9. Mai 1999

Unter dem Motto "Wald ist mehr als die Summe der Bäume" stand die zweite Fortbildungsveranstaltung der Arbeitsgruppe Pädagogik im Verband Botanischer Gärten e. V., die von 20 Teilnehmenden - hauptsächlich pädagogischen und gärtnerischen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen an Botanischen Gärten - besucht wurde. Gastgebender Garten war der Forstbotanische Garten Tharandt.

Der seit 1811 bestehende und 18 ha umfassende Forstgarten ist auf einem abwechselungsreichen, bergigen Gelände gestaltet und enthält rund 2.300 Gehölzarten, die zum Teil beträchtliche Ausmaße erreicht haben. Er gehört zur Technischen Universität Dresden und ist den Fakultäten Forst-, Geo- und Hydrowissenschaften zugeordnet. Zum Forstbotanischen Garten gehört die WaldErlebnisWerkstatt Sylvaticon, die sich ausschließlich einer praxisnahen, anschaulichen Umweltbildung widmet. Vorrangig Schulklassen, aber auch Erwachsenengruppen, Fachleute und andere Interessierte gehören zu den Zielgruppen des Gartens. Das Angebot der WaldErlebnisWerkstatt besteht hauptsächlich aus unterrichtlichen Veranstaltungen auf den Freiflächen des Gartens, wird aber durch Angebote in einem eigens dafür hergerichteten Unterrichtsraum ergänzt. Die Leitung und Koordination dieser Umweltbildungseinrichtung obliegt Frau KARIN ROSCHER.

An zwei Fortbildungstagen gewannen die Teilnehmenden einen Einblick in die Arbeit der WaldErlebnisWerkstatt: Zunächst wurden Themen praktisch vorgestellt, die den Lebensraum Wald als facettenreiches Ökosystem in den Mittelpunkt pädagogischer Arbeit rückten. Die WaldErlebnisWerkstatt entwickelte zahlreiche sehr anschauliche und motivierende Methoden, mit denen Gruppen von Schulklassen, Erwachsenen und anderen Interessierten ganz unterschiedliche Themenbereiche im Forstbotanischen Garten erleben und erarbeiten können. Die Teilnehmenden erprobten selbst sowohl anregende Spiele für die spielerische Wissenaneignung im Primar- und Mittelstufenbereich (Tausendfüßerspiel, Fledermausspiel, Baumkartenspiel, Nachhaltigkeitsspiel etc.), Naturerlebnis - und Naturerfahrungsmöglichkeiten (Baumtelefon, Sehen lernen: Suchspiel nach Fotos, Hexe "Betulina", Rundgang mit Merksprüchen) wie auch Unterrichtsmöglichkeiten zur Vermittlung von Fachkenntnissen für höheren Schulstufen (Vitalitätserkennung von Gehölzen nach ROLOFF, vegetations- und bodenkundliche Untersuchungen von Standorten, Bestimmung von Gehölzen, Zeigerpflanzen, Nutzung heimischer Gehölze...).

Beeindruckend und motivierend für alle Teilnehmenden war insbesondere, mit welch’ kreativer und phantasievoller didaktisch-methodischer Umsetzung von Unterrichtsinhalten die Mitarbeiterinnen der WaldErlebnisWerkstatt die unterschiedlichen Themengebiete zielgruppenbezogen aufbereiten und durchführen. Hieraus erklärt sich auch die überaus starke Terminnachfrage von interessierten Gruppen in dieser jungen Bildungseinrichtung.

Für den letzten Tag wurde eine Exkursion in die Sächsische Schweiz unternommen, auf der ein Vertreter der Nationalparkwacht Fragen zur aktuellen Situation des Waldes und seiner Gefährdung beantwortete.

Insgesamt erhielten die Teilnehmenden einen vielfältigen Einblick in das breite Spektrum möglicher Umweltbildungsmaßnahmen im Forstbotanischen Garten und nahmen zahlreiche Anregungen und Anreize für die Arbeit im eigenen Garten nach Hause mit. Den Veranstalterinnen möchten wir auf diesem Wege für die rundum gelungene Fortbildung herzlich danken. 

Marina Fischbeck
Carl v. Ossietzky-Universität Oldenburg Fachbereich Biologie - 
AG Didaktik der Biologie, Postfach 2503, 26111 Oldenburg