9. Arbeitstagung Pädagogischer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Botanischen Gärten in Leipzig, 1995

Die 9. Arbeitstagung fand vom 21.-23. September 1995 im Institut für Botanik, im Botanischen Garten und in den Einrichtungen des Schulbiologiezentrums Leipzig statt. Über 50 pädagogische MitarbeiterInnen, GärtnerInnen, Technische Leiter, Kustoden und BiologInnen aus Grünen Schulen, Botanik-Schulen, Botanischen Gärten und Schulbiologiezentren sowie Biologiedidaktiker aus Deutschland, Slowenien und der Schweiz nahmen teil.

Während der Tagung wurden drei Schwerpunkte behandelt:

• Die wissenschaftliche und unterrichtliche Erschließung einer Kulturlandschaft am Beispiel des Leipziger Auenwaldes,

• Die Vorstellung der Öffentlichkeitsarbeit in naturwissenschaftlichen und naturkundlichen Einrichtungen Leipzigs,

• Bericht über die Aktivitäten der Arbeitsgruppe der Pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Botanischen Gärten.

Nach der Begrüßung der Gäste durch den Vorsitzenden des »Fördervereins Schulbiologiezentrum/Freiluftschule Leipzig«, Frank becker und die Leiterin des Schulbiologiezentrums der Stadt Leipzig, Annemarie fairbanks, führte Prof. Dr. Wilfried morawetz (Leiter des Institutes für Botanik der Universität Leipzig) in das Tagungsthema »Der Leipziger Auenwald als schulischer und außerschulischer Lernort« ein. In seinem Vortrag »Der heimische Auenwald als Modell tropischer Überschwemmungswälder« stellte er einen beeindruckenden Vergleich zwischen der Ausbildung dieser Vegetationsformation in Mitteleuropa und im tropischen Amerika her. Anschließend sprach Dr. Peter Gutte (Institut für Botanik) über »Ökosysteme der Leipziger Aue«. Die Leipziger Aue ist das größte geschlossene Auenwaldgebiet Deutschlands und trotz jahrhundertelanger, anthropogener Eingriffe eine der artenreichsten Pflanzengesellschaften Mitteleuropas.

Auf einer Halbtagsexkursion erlebten die Teilnehmer den spätsommerlichen Auenwald im Elster-Pleiße-Gebiet. Während Dr. Peter gutte und der Kustos des Botanischen Gartens, Dr. Hans köhler besonders die Pflanzengesellschaften und ihre Artenausstattung demonstrierten, stellte Dr. Gert klepel (Biologiedidaktik der Universität Leipzig) sein schulpraktisches Ausbildungsprojekt vor, in dem Studenten Schulklassen in die Ökologie des Waldes einführen und bei ihren Untersuchungen begleiten. Auf dem Trümmerschuttberg Fockestraße zeigten sowohl die entomologischen Untersuchungen der Biologen jansen (Staatliches Umweltfachamt) und Schiller, die Pflanzenkartierung unter Anleitung von Dr. Horst Schaarschmidt und Dr. Ludwig Schellhammer (alle Naturkundemuseum) als auch die limnologischen Untersuchungen in der Pleiße, die Dr. Steib (Staatliches Umweltfachamt) anleitete, eine erfreulich hohe Artenvielfalt. Die Erkundungen wurden durch Unterrichtsvorschläge zu ökologischen Gesetzmäßigkeiten am Beispiel parasitärer Hymenopteren ergänzt.

Ein zweites Ziel der Tagung war, den Gästen das Schulbiologiezentrum Leipzig und einige weitere Leipziger Institutionen vorzustellen, die für Umwelterziehung und den naturwissenschaftlichen Unterricht genutzt werden. Der 1892 gegründete, 1,5 ha große Botanische Lehrgarten ist durch eine reichhaltige Ausstattung mit Wild- und Nutzpflanzen und verschiedenen Modell-Biotopen (Alpinum, Wäldchen, Teich) ein idealer, naturkundlicher Lernort. Hier demonstrierte die Leiterin Annemarie fairbanks Unterrichtsbeispiele zur kreativen und ästhetischen Erarbeitung botanischer Inhalte.

Eine weitere Einrichtung des Schulbiologiezentrums, die Freiluftschule Stötteritz, bietet Grund- und Förderschulklassen fächerübergreifendes ganzheitliches Lernen im Grünen, das die TeilnehmerInnen unter Anleitung von Annemarie Fairbanks und Hannelore Pflüger mit »Kreativem Gestalten mit Blättern, Blüten und Früchten« selbst erprobten.

Organisatorisch gehört zum Schulbiologiezentrum auch die 1991 errichtete Botanikschule. Sie befindet sich im 1572 gegründeten, Botanischen Garten der Universität Leipzig, im damit ältesten deutschen Botanischen Garten. In thematischen Führungen stellten Dr. Hans köhler (Kustos), Matthias schwieger (Technischer Leiter) und Volker Beyer (Botanikschule) das 3 ha große Gelände vor, das nach der totalen Zerstörung im Krieg völlig neu aufgebaut wurde. Forschungs- und Sammlungsschwerpunkte sind tropische und subtropische Nutzpflanzen, sowie südamerikanische Pflanzenarten, insbesondere peruanische Bromelien und Kakteen. Die Wanderausstellung »Wo der Pfeffer wächst« (Naturkundemuseum Mainz) informierte die BesucherInnen über Gewürzpflanzen.

Die TagungsteilnehmerInnen lernten auch das Naturkundemuseum Leipzig als außerschulischen Lernort kennen, in dem kulturhistorische und geologische Aspekte des Auenwaldes anschaulich aufgearbeitet sind. Nach dem Referat des Leiters Dr. Rudolf schlatter über die Geschichte und Perspektiven dieses Hauses führten die pädagogischen und wissenschaftlichen MitarbeiterInnen durch die Sammlungen.

Im dritten Tagungsschwerpunkt berichtete Renate grothe (Schulbiologiezentrum Hannover) über die Aktivitäten der Arbeitsgruppe der Pädagogischen MitarbeiterInnen im Verband Botanischer Gärten e.V. Eine von dieser AG erstellte Adressenliste aller Botanischen Gärten u.ä. Einrichtungen in Deutschland und ihrer pädagogischen MitarbeiterInnen wurde den TeilnehmerInnen zur Verfügung gestellt. Uta Nellen (Zentrum für Schulbiologie und Umwelterziehung, Hamburg) erläuterte eine von der AG durchgeführte Befragung der Botanischen Gärten zum »Stand der pädagogischen Arbeit«. Die Ergebnisse sollen im Gärtnerisch Botanischen Brief veröffentlicht werden. Weiterhin wurde über die Kontakte zum Botanical Gardens Conservation International (BGCI) berichtet, dessen sehr praxisorientierte Richtlinien zur Umwelterziehung in Botanischen Gärten (Education Guidelines) vorgestellt wurden. Die AG bemüht sich um deren deutsche Ausgabe.

Im Erfahrungsaustausch zur personellen und materiellen Situation der pädagogischen MitarbeiterInnen wurde die Bedeutsamkeit des Erhaltes Botanischer Gärten als außerschulische Lernorte herausgestellt und die Unterstützung der pädagogischen Arbeit gefordert. Eine zu diesem Problemkreis von den TeilnehmerInnen bereits während der 8. Arbeitstagung in Osnabrück konzipierte Resolution wurde in Leipzig von allen Anwesenden unterzeichnet und wird ihnen mit dem nächsten Rundschreiben zugesandt.

An dieser Stelle möchten die Unterzeichnenden im Namen der TagungsteilnehmerInnen allen MitarbeiterInnen der beteiligten Leipziger Institutionen für die inhaltliche und organisatorisch gelungene Ausrichtung der 9. Arbeitstagung, sowie die informativen TAgungsunterlagen herzlich danken. Unser besonderer Dank gilt den VeranstalterInnen der Tagung: Frank becker, Volker beyer, Regina böschel, Annemarie fairbanks, Uta hansen, Leonore naunapper und Hannelore pflüger. Wir wünschen den Einrichtungen des Schulbiologiezentrums Leipzig eine kontinuierliche Förderung und Unterstützung ihrer fruchtbaren Arbeit in der Umwelterziehung, so daß ihre Arbeit weiterhin eine nachhaltige Wirkung auf die junge Generation in der Stadt Leipzig ausüben kann!

Halle (Saale)/ Hannover, 15. März 1996

OStR Dr. rer. nat. Eberhard Große, Botanik-Schule Halle
Renate Grothe, Schulbiologiezentrum Hannover