Bericht über die 14. Arbeitstagung der pädagogischen Mitarbeiterinnen 
und Mitarbeiter an Botanischen Gärten 1999 in Kiel

Diese 14. Arbeitstagung stand unter dem Motto »WÜSTE(N)GESTALTEN - Pädagogische Arbeit zum Artenschutz und zur Biologischen Vielfalt am Beispiel der Sukkulenten«. Sie war Teil einer gemeinsamen Tagung mit den Kustoden und dem Verband Botanischer Gärten e.V., die auf Einladung des Botanischen Gartens Kiel vom 23.-26.9.1999 unter dem Motto "Global denken - lokal handeln" im Botanischen Institut und Botanischen Garten Kiel stattfand. 

An dieser Stelle erfolgt nur ein kurzer Überblick über den pädagogischen Tagungsteil, denn von Felicitas Wöhrmann und Andrea Hein (Botanischer Garten Osnabrück) wird ein umfangreicher Tagungsband für die Vermittlung des Themas »Pädagogische Arbeit mit Sukkulenten an Botanischen Gärten« zusammengestellt. So können alle Interessierten die Unterrichtsanregungen in den Aridhäusern ihrer Gärten nutzen.

Nach der Vorbesichtigung der Aridhäuser, den Orten für die späteren pädagogischen Präsentationen, begrüßten Dr. Martin Nickol (Kustos des Botanischen Gartens Kiel) und Renate Grothe (Sprecherin der AG Pädagogik) alle Anwesenden im Hörsaal. Mit einer engagierten Einführung in das Thema "Sukkulente Pflanzen auf der Schulbank" durch Jörg Ledderbogen (Hannover) wurden die WÜSTE(N)GESTALTEN zum Leben erweckt. Während eine Gruppe den "Wüstenkoffer" (Uta Nellen, ZSU Hamburg) auspackte, durchstreifte eine andere das Amerikahaus und suchte Nutzpflanzen der Indianer (Ursula Buckemaier, Getty Nabbefeld, Köln) oder ging auf Entdeckungsreise (Katrin Stelter, Kiel). 

In parallel laufenden Workshops am Donnerstag u. Freitag wurden weitere Anregungen für unterschiedliche Personengruppen und Altersstufen erprobt: Die Gesundheitswirkung von Aloe vera (Eva Engel, Rostock), Konvergenz (Renate Teichert, Kiel), Anpassungserscheinungen (Gisela Koch, Cottbus), Genetik (Renate Grothe, Hannover), Evolution (Gerda Döderlein, Berlin, Klaus Thomaier, Hannover) und Öffnungsmechanismen (Barbara Engelschall u. Angela Niebel-Lohmann, Hamburg).

Am Freitag hatten die Kustoden und Kustodinnen Zeit und Gelegenheit, bei Rundgängen durch die Gewächshäuser den Pädagoginnen und Pädagogen über die Schulter zu schauen, sich über deren Arbeit zu informieren und Anregungen in "ihren" Garten mitzunehmen.

Die Tagung wurde durch einige Fachvorträge bereichert. So wurden die Arbeit und die Hilfen für den Unterricht des benachbarten Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften - IPN vorgestellt (Cornelia Sommer, Kiel). Der Vortrag über eine anregende Beschilderung im Garten (Daniela Schäfer, Essen) weckte den vielfach geäußerten Wunsch, dieses Thema in einer gesonderten Fortbildungsveranstaltung zu vertiefen. Dr. Hilke Steinecke gab mit ihrer stimmungsvollen Schilderung einer beim Publikum sehr beliebten, nächtlichen Veranstaltung im frankfurter Palmengarten Anregungen zu anderen Formen der "Gartenführungen".

Den Leitgedanken seiner Lehrerfortbildungsveranstaltung zum Thema "Der Botanische Garten als außerschulischer Lernort" formulierte Dr. Otto Mair (Augsburg) so: "Das Problem ist nicht die Wissensvermittlung, sondern das Umsetzen in schülergerechte, zur Beobachtung motivierende Aufgaben." - Dieser Leitgedanke ist in jedem Jahr wieder der Ansporn für viele Pädagoginnen und Pädagogen von Botanischen Gärten, an den Arbeitstagungen teilzunehmen und sich weiterzubilden.

Mit ihrer Einführung in das Thema "Evaluation pädagogischer Arbeit" verband Marina Hethke (Witzenhausen) eine Umfrage bei den Teilnehmenden über deren Tagungserwartungen, die der Arbeitsgruppe bei künftigen Planungen helfen sollte. So wurde das besonders aufschlußreiche Programm dieser zwei Tage von etlichen als zu umfangreich empfunden und mehr Diskussionszeit gewünscht (ein Drittel wünscht keine Parallelveranstaltungen). Etwa 75 % erhoffen sich Praxishilfen, jeweils ein inhaltliches Oberthema, Tagungsbeginn weiterhin am Donnerstag und zusätzliche pädagogische Fortbildungsveranstaltungen.

In der "pädagogeninternen" Sitzung wurden einige Schwerpunkte künftiger Arbeit vorgeschlagen, wie die "Professionalisierung der Öffentlichkeitsarbeit", Bildung von Untergruppen zur Evaluation und zur Beschilderung. Weiterhin wurde eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen im Verband gewünscht, zum Beispiel ein gemeinsames Tagungsthema und eine gemeinsame Planung von Workshops. Um die Bedeutung der Bildungsaufgabe von Botanischen Gärten in die Öffentlichkeit zu tragen, sollten Politiker zu den Verbandstagungen eingeladen werden.
Die ARBEITSGRUPPE PÄDAGOGIK dankt allen Organisatoren und Referenten für die erfolgreich verlaufene Tagung und wünscht dem Botanischen Garten Kiel weiterhin Erfolg, auch beim Aufbau einer pädagogischen Abteilung.

Für die ARBEITSGRUPPE PÄDAGOGIK

Felicitas Wöhrmann (Botanischer Garten, Osnabrück)