Bericht über die 12. Arbeitstagung der pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Botanischen Gärten vom 5. bis 8. Juni 1997 in Greifswald

35 an pädagogischer Arbeit interessierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an Botanischen Gärten - vom äußersten Norden bis Zürich - folgten der Einladung des Botanischen Gartens Greifswald vom 5.-8.6.97 zur 12. pädagogischen Arbeitstagung, die zeitgleich mit der Kustodentagung und der Jahreshauptversammlung des Verbandes Botanischer Gärten e.V. stattfand.

Frau Franke, Greifswald, gab zunächst einen guten Einblick in die pädagogische Arbeit des Botanischen Gartens durch die in der umfangreichen Tagungstasche zusammengestellten Arbeitsmaterialien für die Hand von Schulklassen und durch eine ausführliche Gartenführung unter didaktischem Blickwinkel.

Im Zentrum dieses 12. Arbeitstreffens stand unter dem publikumswirksamen Titel ›Fingerhut ruft Hummel!‹ das Thema Blütenökologie - ein Thema, das sich besonders gut eignet, einem breiten Publikum die Abhängigkeiten von Pflanzen und Tieren erfahren zu lassen und ihm die Wichtigkeit der Pflanzen- und Biotopvielfalt in Botanischen Gärten erlebnisreich vor Augen zu führen.

Zwei Dia-Vorträge führten in das Thema ein: Frank Nennen, Osnabrück, der gemeinsam mit Felicitas Wöhrmann die inhaltliche Vorbereitung und Koordination der Teilnehmerbeiträge übernommen hatte, stellte die an ihre Besucher angepaßten Blütentypen vor. Anschließend referierte Frank Wagner, Greifswald referierte aus seiner wissenschaftlichen Untersuchung über Wildbienen in Botanischen Gärten, die u.a. den Artenreichtum an Wildbienen im Greifswalder Botanischen Garten und im Arboretum aufgrund des vielfältigen Angebots an geeigneten Brutbiotopen nachwies.

Diesen Artenreichtum erlebten die Teilnehmer im Freiland an beiden Orten durch Beobachtungen von Blütenbesuchern, z.B. mit schon für kleine Schüler geeigneten Becherlupen (Uta Nellen, Hamburg), Erproben von Schüler-Arbeitsblättern und andere Praxisübungen. Angela Niebel-Lohmann, Hamburg, stellte Erfahrungen zur Wildbienen-Bestimmung und -ansiedlung aus ihrer wissenschaftlichen Forschungsarbeit vor und vermittelte praxisnah für die Arbeit mit Schülern geeignete Methoden wie Nektarmessungen in Blüten.

Einen anderen publikumswirksamen Zugang vermittelte Eva Engel, Rostock, mit den Themen:

1. Chemische Reize der Blüten auf Bestäuber durch ätherische Öle

2. Gewinnung und Nutzung der Öle durch den Menschen; - Duftspiele -

3. Floristische Gestaltung eines Duftstraußes- Kugler, Hans, 1970: Blütenökologie.

Für den Unterricht im Raum oder im Gewächshaus gab Dr. Lehnert, Frankfurt am M, in einem Diavortrag ›Ritterstern und Kolibri, ein Beispiel für Blütenökologie im Winterhalbjahr‹ Anregungen, verschiedene Blühstadien von Hippeastrum für praktische Bestäubungsbeobachtungen bereitzuhalten.

Um die vielfältigen Praxisbeiträge auch anderen Gärten zugänglich zu machen, wurde beschlossen, sie in einem Reader zusammenzufassen; diese Mehrarbeit übernahmen dankenswerterweise Felicitas Wöhrmann und Dr. Lehnert.

Am Abend informierte u.a. Uta Nellen aus Hamburg über die Kontakte im BGCI, die wir auf dem ›3. International Congress on Education in Botanic Gardens‹ in New York und auf der Tagung ›eurogard 97‹ in Edinburgh erweiterten, z.B. durch Teilnahme an einer pädagogischen Arbeitsgruppe einiger EU-Länder, die eine künftige Zusammenarbeit plant. Außerdem erläuterte Jörg Ledderbogen, Hannover, die Beteiligung des Schulbiologiezentrums Hannover an der Weltausstellung ›Expo 2000‹ und bot den Teilnehmern an, hierbei pädagogische Aktivitäten ihrer Gärten in einem gemeinsamen Projekt zu präsentieren.

Zur 13. Tagung werden wir - wiederum gemeinsam mit dem Verband und den Kustoden - vom Botanischen Garten Bern vom 19. - 21.6.98 in die Schweiz eingeladen. Das vom Vorstand gewählte Thema zu Systematischen Anlagen im Garten eröffnet den pädagogischen Teilnehmern sicherlich gute Darstellungsmöglichkeiten ihrer Bildungsarbeit.

Herrn Dr. König und allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des gastgebenden Botanischen Gartens Greifswald sagen wir unseren herzlichen Dank für die gute Betreuung.

Für die Arbeitsgruppe der Pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Botanischen Gärten

R. Grothe

Hannover, August 1997