Bericht über die 3.Fortbildungsveranstaltung der Arbeitsgruppe Pädagogik - 16. u. 17. Juni 2000
Veranstalter: Botanikschule im Botanischen Garten und Botanischen Museum Berlin-Dahlem

Thema:„Den Heilpflanzen auf der Spur“

Die dritte Fortbildungsveranstaltung, die von der Arbeitsgruppe Pädagogik vorbereitet und durchgeführt wurde, fand in der Botanikschule des Botanischen Gartens Berlin statt, einer Einrichtung, die auf eine langjährige pädagogische Arbeit im Umweltbildungsbereich zurückblicken kann.

Das vielfältige Angebot der Botanikschule richtet sich hauptsächlich an Schulklassen und an Lehrerinnen und Lehrer (Fortbildungen, Beratungsgespräche). Ein Haus mit einem Unterrichtsraum und notwendige Hilfsmittel (z.B. Mikroskope, Lupen, Bestimmungshilfen) stehen zur Verfügung. Der Unterricht findet je nach Schwerpunktthema im Botanischen Garten oder in der Botanikschule statt. Die Kolleginnen der Botanikschule erstellten für den Selbstunterricht der Schulen zahlreiche fachliche und didaktische Materialien zu unterschiedlichen Themenbereichen, besonders auch zu dem Themenkreis der >Heilpflanzen<, die die Teilnehmenden mit der Tagungsmappe erhielten.

An der Fortbildungsveranstaltung nahmen insgesamt 23 Personen teil - neben einer Kollegin aus Italien, hauptsächlich Pädagoginnen und Pädagogen an inländischen Botanischen Gärten. An zwei Arbeitstagen stellten die beiden Mitarbeiterinnen der Botanikschule, Elke Anders und Gerda Döderlein, ein reichhaltiges, anregendes Programm vor. Es bot vorbildlich sowohl die Spannbreite des Themas >Heilpflanzen< als auch die Vielfältigkeit der methodischen Umsetzung. Die Unterrichtsanregungen waren so ausgewählt, dass Angebote für alle Altersgruppen praktisch erprobt werden konnten.

Am ersten Tag wurde erarbeitet, wie man sich dem Thema >Heilpflanzen< nähern kann, wobei neben dem Erstellen von Steckbriefen und der Analyse eines Kräutertees hauptsächlich eine Erfassung mit allen Sinnen im Vordergrund stand. Erprobt wurde zum Beispiel eine >Schnuppersafari< und das Kennenlernen wichtiger Arzneipflanzen durch den >Chinesischen Wunderdoktor<. Weiterhin konnten die Teilnehmenden im eigens dafür angelegten Tast- und Riechgarten des Botanischen Gartens mehrere Möglichkeiten der haptischen und olfaktorischen Annäherung an Heilpflanzen ausprobieren und Erfahrungen austauschen. Im eigentlichen Arzneigarten wurden verschiedene Pflanzen mittels eines Steckbriefes charakterisiert und in ihrer Wirkungsweise kennengelernt. Der Arzneigarten in Berlin eignet sich für dieses Vorgehen besonders, da die einzelnen Heilpflanzen ihrer (Haupt)-Wirkungsweise entsprechend den einzelnen Organen des Menschen zugeordnet sind. Den Abschluss des ersten Tages bildete ein >märchenhafter Spaziergang<, ein Duftpflanzenspiel (Grüne Schule des Botanischen Gartens Osnabrück) und ein >Kräuterhexentanz<.

Der zweite Arbeitstag stellte eine Heilpflanze, die Kamille, in ihrer Wirkungsweise gesondert vor. Exemplarisch wurde eine Wasserdampfdestillation vorgeführt und die wirksamen Bestandteile der Kamille aufgezeigt und das Johanniskraut in einem kurzen Referat vorgestellt. Im praktischen Teil wurden verschiedene Verfahren kennengelernt, Heilmittel als Bestandteil einer Hausapotheke (Salben, Sirup, Bonbons, Hautcremes) selbst herzustellen. Als Abschluss wurde das Kennenlernen von Heilpflanzen mit dem >Mosaikmenschen< des Schulbiologiezentrums Hannover erläutert.

Auf der Fortbildung gewannen die Teilnehmenden einen vielfältigen Einblick in den Themenbereich >Heilpflanzen<, sie nahmen zahlreiche Anregungen für die eigene Arbeit mit nach Hause und vor allem Motivation, um sich diesem Thema zu widmen. Mit viel Engagement wurde diese Fortbildung von den Mitarbeiterinnen der Botanikschule - und im chemischen Teil von Herrn Dr. Döderlein - geplant und durchgeführt. Ihnen und ihren freiwilligen Helferinnen sei auf diesem Weg für die gelungenen Tage in einem eindrucksvollen botanischen Garten herzlichst gedankt.

Mit Bestürzung erfuhren die Teilnehmenden, dass die Stelle von Frau Gerda Döderlein, die in den Ruhestand ging, nicht nachbesetzt wird. Überzeugt von der hervorragenden Arbeit, die die Botanikschule für die Schulen Berlins leistet, wurde ein schriftlicher Appell an den Schulsenator durch die Arbeitsgruppe Pädagogik des VBG beschlossen.

Marina Fischbeck-Eysholdt